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Quadratnotation eines Gregorianischen Chorals, mit Text, nachträglich rot und blau verfärbt

Klänge Zahlen Tastatur

Fr, 27.01.2017 20:00, ZKM_Kubus

Beschreibung

Konzert und Vortrag zur Mathematik und Musik der Renaissance im Vergleich zur Neuen Musik mit Achim Langenkämper, Reto Schölly und Martina Schettina.

Der Konzertgitarrist Achim Langenkämper trägt Werke des Renaissance-Komponisten Luys de Narváez vor. Zwischen den Stücken erklärt er die damals üblichen Kompositionstechniken und musiktheoretischen Strukturen. Reto Schölly stellt seine Methode vor, die in mathematischen Termen verborgene Ästhetik grafisch darzustellen. Diese und andere Bilder werden in Partituren für Computermusik umgewandelt und klanglich hörbar gemacht. Martina Schettina gibt eine Einführung in die Mathematik der Renaissance. Ihre Gemälde, die jeweils einer mathematischen Idee aus dieser Zeit des Aufbruchs gewidmet sind, bilden den Ausgangspunkt für ihre Argumentation.

Im 16. Jahrhundert wurde Europa von einem geistigen Erwachen erfasst, Universitäten und Buchdruck führten zu einer Verbreitung der Errungenschaften. In der Mathematik konnten erstmals Lösungsalgorithmen zur Lösung algebraischer Gleichungen dritten und vierten Grades gefunden werden, die imaginären Zahlen wurden definiert, und zahlreiche Anwendungen lieferten Inspiration für mathematische Entwicklungen. In der Kunst benötigte man die Perspektive, die Geometrie war für die Navigation, die Herstellung von Landkarten und die Astronomie notwendig, und auch die Musiktheorie verlangte nach mathematischen Gesetzen. Rechenmeister standen in hohem Ansehen. Genaue Berechnungen waren für die Schifffahrt, den Handel und die Militärs von immenser Bedeutung.

In der Mathematik wohnt der Wille der Götter und die Harmonie des Universums, so glaubte Pythagoras. In mathematischen Termen steckt ästhetische Information, wie wir spätestens seit Max Bense wissen. Wenn also Formeln in Bilder umgewandelt werden, so erschließt sich die Schönheit des Terms auch für jene, die keine Freunde der Mathematik sind. Aus jenen Bildern werden Melodien generiert, deren Regelhaftigkeit alleine auf der rein mathematischen Konstruktion basiert. Diese Neue Musik ähnelt in frappierender Art und Weise den alten Klängen aus der Zeit, in der noch wenige Regeln formalisiert waren.

Der spanische Komponist Luys de Narváez veröffentlichte mit dem 1538 erschienenen »Los seys Libros de Delphin« eines der ersten Werke gesammelter Kompositionen von Lautenmusik, etwa 4 Jahrzehnte nachdem die arabischen Mauren aus seiner Heimatstadt Granada vertrieben wurden, und zur Blütezeit der Renaissance. So stand auch die Musik von Narváez vor einem Neubeginn. Noch mit wenig musiktheoretischer Struktur – gerade eben erst hatte man die Polyphonie für das Instrument entdeckt – war man auf der Suche nach neuen Ausdrucksformen. Das zeigt sich besonders in den zahlreichen Kompositionen die im Stile einer Fantasía geschrieben wurden. Dort fehlt es an Regeln; man spielt um eine musikalische Idee herum, um sie damit zu artikulieren. Eine Fantasía ist eine notenpunktierte Improvisation, eine Miniatur. In ebendieser kann regelrecht ein Ursprung der abendländischen Musik gefunden werden, wie sie nach geistlichem Inhalt strebt, aber immer noch unter dem arabischen Einfluss steht, wie bei Narváez ausdrücklich zu hören ist. Diese Miniaturen in Gestalt einer Fantasía sollen dem Konzertprogramm als Kontrast zur neuen Musik dargestellt werden.

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