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Blick in die Ausstellung »Reinhard Döhl: Alles ist möglich. Alles ist erlaubt.«

Reinhard Döhl: Alles ist möglich. Alles ist erlaubt.

Im Rahmen der Reihe »Poetische Expansionen«

Do, 27.07.2017 – So, 22.10.2017, ZKM_Lichthof 1+2
Kosten: Museumseintritt

Beschreibung

Mit der Ausstellung »Alles ist möglich. Alles ist erlaubt.« widmet sich das ZKM dem Werk des Autors, Poeten, Künstlers, Literatur- und Medienwissenschaftlers Reinhard Döhl (1934–2004). Döhls umfangreiches künstlerisches und literarisches Schaffen reicht von Kurzprosa und Lyrik, konkreter und visueller Poesie, über Hörspiele und Computerliteratur bis zu Mail Art, Collagen, japanischer Kalligrafie und Netzkunstprojekten. Als Literatur- und Medienwissenschaftler publizierte er vor allem zu Themen wie Literatur-, Hörspiel- und Mediengeschichte.

Döhl studierte in Göttingen Germanistik, Philosophie, Geschichte und Politikwissenschaft. Auf Einladung des Philosophen Max Bense, Professor an der Universität Stuttgart, kam er Ende 1959, nachdem er nach der Veröffentlichung des Gedichts »missa profana« wegen Gotteslästerung angezeigt, im Gerichtsprozess jedoch freigesprochen worden war, nach Stuttgart. Döhl promovierte über Hans Arp, befasste sich früh mit interdisziplinären Themen und schloss 1979 seine Habilitation mit dem Thema »Neue deutsche Literatur unter besonderer Berücksichtigung der Medien« ab. Von 1965 bis zu seinem Tod lehrte Döhl an der Universität Stuttgart, zunächst als wissenschaftlicher Mitarbeiter, später als Professor für Germanistik.

In den 1960er-Jahren gehörte er der Stuttgarter Gruppe um Max Bense an. Der engere Kreis der Gruppe bestand aus Bense, Helmut Heißenbüttel und Döhl sowie aus den Typografen Klaus Burkhardt und Hansjörg Mayer, die ein gemeinsames Interesse an experimenteller Literatur sowie an künstlerischer Produktion mit neuen Medien und Aufschreibesystemen verband. Der Kreis erweiterte sich schnell auch über die Stadtgrenzen hinaus, und so können u. a. Ernst Jandl, Franz Mon und Ludwig Harig zum weiteren Kreis der Gruppe gezählt werden. 1965 schuf Döhl eine Inkunabel konkret visueller Poesie, den »Apfel mit Wurm«, bei dem die ohne Zwischenraum aneinandergereihten Wörter »Apfel« das Bild eines Apfels ergeben, in dem rechts unten das Wort „Wurm“ versteckt ist. Inzwischen hat der Apfel nicht nur in Anthologien über konkrete Kunst, sondern hat auch in vielen Schulbüchern Eingang gefunden.

Die seit den 1960er-Jahren bestehenden vielfältigen Kontakte zu Literaten und Künstlern z. B. aus Frankreich, der Türkei, der Tschechoslowakei, Brasilien oder Japan, wurden von Reinhard Döhl über viele Jahre gepflegt. Aus dem so aufgebauten weiten Netzwerk erwuchsen zahlreiche literarisch-künstlerische Gemeinschaftsprojekte. Die Avantgarden des 20. Jahrhunderts, das Prinzip des Gesamtkunstwerks sowie künstlerischer Dialog waren immer zentrale Aspekte in Döhls Arbeit als Literatur- und Medienwissenschaftler und Künstler. Darüber hinaus befasste er sich bereits sehr früh mit den literarischen und künstlerischen Möglichkeiten des Internets und entdeckte den Computer als geeignetes Medium, um die zentralen Forderungen einer dialogischen Literatur und Kunst einzulösen. Seit den 1990er-Jahren betrieb er seine eigene Website, www.reinhard-doehl.de, sowie, gemeinsam mit Johannes Auer, den Internetreader Als Stuttgart Schule machte, ein umfangreiches Archiv mit Texten, Kommentaren und Materialien zur Gruppe um Max Bense, und publizierte ab 1996 fast ausschließlich im Netz.

Döhl verfasste neben Gedichten auch Prosa, künstlerische und wissenschaftliche Texte sowie Hörspiele. Seine Texte wurden in viele Sprachen übersetzt, u. a. ins Französische, Spanische, Tschechische, Russische, Englische und Japanische. Als Literatur- und Medienwissenschaftler und Hochschullehrer beschäftigte er sich intensiv mit der experimentellen Literatur und Kunst zu Beginn des 20. Jahrhunderts, insbesondere mit DADA, sowie mit dem Medium des neuen Hörspiels. Aus dieser Auseinandersetzung resultierten neben der Entwicklung einer Hörfunk-Sendereihe auch wissenschaftliche Publikationen zum Thema, die heute noch von großer Bedeutung sind.

Die Ausstellung im ZKM fokussiert Döhls Netzliteratur- und Netzkunstprojekte ab 1996, von denen viele in Kooperation mit dem Medienkünstler Johannes Auer entstanden sind. Sie zeigt darüber hinaus aber auch Arbeiten aus dem Gesamtwerk Döhls, einen Wegbegleiter der Avantgarden der 1960er-Jahre und einen unermüdlichen Geist, dessen Neugierde für Neue Medien und ihre künstlerischen Anwendungsmöglichkeiten ihn immer wieder dazu veranlasste, auf künstlerische und wissenschaftliche Weise ein neues Medium zu erforschen.

Seit 2001 befindet sich das Archiv von Reinhard Döhl in der Akademie der Künste in Berlin. Ab dem Jahr 2004 wurden große Teile des Nachlasses von Reinhard Döhl in die Sammlung des ZKM übernommen.

Impressum
Ausstellungsteam

Technische Projektleitung: Henrike Mall 

Organisation / Institution
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