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Ein Monitor auf Schienen vor einer grünen Tafel

Konservierung von Medienkunst

Seit vielen Jahren gilt das ZKM | Karlsruhe weltweit als Kompetenzzentrum für die Konservierung von Medienkunst. Dies ergibt sich schon allein aus der Erhaltung seiner umfangreichen Sammlung von Werken der Videokunst, der Sound Art und der interaktiven Kunst. Durch die tägliche Wartung ungezählter Medienkunstwerke aus eigenen wie auch aus fremden Sammlungen, durch sein bedeutendes GastkünstlerInnenprogramm mit Hunderten von Produktionen seit 1989, durch sein seit 2004 aktives Labor für antiquierte Videosysteme sowie durch mehrere groß angelegte Forschungsprojekte konnte das ZKM eine hohe Kompetenz auf allen Gebieten der Konservierung von Medienkunst aufbauen.

In mehreren Publikationen wurden Erfahrungen mit der Konservierung von Medienkunst detailliert dokumentiert, diskutiert und an das Fachpublikum weitergegeben.

Das 2010 initiierte internationale Forschungsprojekt digital art conservation hat sich um die Erhaltung von digitaler Kunst verdient gemacht. Ziel des Projekts ist es, Strategien zur Konservierung digitaler Kunst zu entwickeln und diese im internationalen Austausch mit KuratorInnen und KonservatorInnen sowie mit öffentlichen Museen und Privatsammlungen auf ihre Sinnhaftigkeit und Realisierbarkeit hin zu prüfen.

Erst seit wenigen Jahren wissen wir, was die rapide Erneuerung von Hard- und Software für die Medienkunst bedeutet. Selbst bei bester Wartung sind die technischen Komponenten eines Medienkunstwerks nach wenigen Jahren defekt, veraltet, nicht mehr kompatibel und für eine Neubeschaffung nicht mehr auffindbar. Jede Weiterentwicklung der Hardware oder Software zieht eine Veränderung oder gar den Verlust der Präsentationsmöglichkeit des Werks nach sich. Die daraus resultierende kurze »Verfallszeit« digitaler Kunstwerke führt die bisher gültigen Sammlungskriterien der Langlebigkeit, der Authentizität und Werthaltigkeit ad absurdum und fordert eine veränderte kuratorische und konservatorische Praxis, die eine grundsätzliche Neubewertung der vier Hauptaufgaben von Sammlungen und Museen – Sammeln, Bewahren, Erforschen und Vermitteln – erfordert.

Auf diese veränderten Anforderungen an die Konservierung antwortet das ZKM mit unterschiedlichen Strategien und Strukturen: Um Kunstwerke möglichst lange in ihrer vom Künstler gewählten ursprünglichen Form präsentieren zu können, wird – nach präziser, umfassender Dokumentation, oft in Zusammenarbeit mit den KünstlerInnen – systematisch historische Hardware (Abspielgeräte, Rechner, Speichermedien, Röhrenmonitore etc.) beschafft, gewartet und für den zukünftigen Gebrauch eingelagert. Parallel hierzu wird systematisch die Migration der Werke auf aktuellere Rechnersysteme und Software vorbereitet.

Durch die im Ausstellungsbetrieb notwendige tägliche Wartung werden technische Probleme schnell erkannt, analysiert und einer praktikablen Lösung zugeführt. In Abstimmung mit dem Kurator/der Kuratorin und dem Restaurierungsteam übernehmen TechnikerInnen unterschiedlichster Spezialisierungen (Bild- und Audiotechnik, Software, Interface- und Steuerungstechnik) die Wartung und Reparatur der ausgestellten Werke. Bereits in der Planungs- und Entstehungsphase neuer Werke sowie in der Aufbauphase von Ausstellungen werden Kriterien der BesucherInnensicherheit und Konservierung berücksichtigt. Können Werke teilweise nicht mehr erhalten werden, so erfolgt eine umfassende Restaurierung, in vereinzelten Fällen – in Zusammenarbeit mit den jeweiligen KünstlerInnen – auch eine Reproduktion des Werks. In unterschiedlichen Datenbanken werden Erfahrungen beständig dokumentiert; im weltweiten Austausch mit den FachkollegInnen anderer Institutionen werden sie abgeglichen und erweitert. Dies geschieht auch bei der häufigen Ausleihe von Einzelwerken und bei komplexen Ausstellungen an internationalen Institutionen, wobei die Werke von ZKM-TechnikerInnen begleitet, aufgebaut und gewartet werden.

Literatur

  • Christoph Blase, Peter Weibel (Hg.), RECORD > AGAIN! 40jahrevideokunst.de – Teil 2 / 40yearsvideoart.de – Part 2, ZKM | Karlsruhe, 2010 (DVD-Edition, 12 DVDs und 3 Booklets, Deutsch/Englisch)
  • Christoph Blase, Peter Weibel (Hg.), RECORD > AGAIN! 40jahrevideokunst.de – Teil 2 / 40yearsvideoart.de – Part 2, ZKM | Karlsruhe, Hatje Cantz, Ostfildern, 2010 (536 Seiten, zahlreiche Abbildungen, DVD, Deutsch/Englisch)
  • Bernhard Serexhe (Hg.), Konservierung digitaler Kunst: Theorie und Praxis, AMBRA, Wien, 2013 (in deutscher, französischer und englischer Sprache)

Autor: Bernhard Serexhe 

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