ASHTAYAMA – Song of Hours
MusikBildTheater
Sa, 29.01.2000, 20:00 Uhr CET

ASHTAYAMA bezieht sich auf die alte hinduistische Tradition in Indien, nach der der Tag in 8 Zeitzonen von je 3 Stunden Dauer eingeteilt wird. Entsprechend der Zeitzonen oder Tageszeiten ändern sich die Raga genannten musikalischen Modi. Eine ähnliche Beziehung zwischen Zyklen der Natur und der Musik findet sich im europäischen Stundenbuch, das seit dem Mittelalter die tägliche Liturgie der Klöster bestimmt hat.

Die Produktion ASHTAYAMA strebt eine poetische Vision der "condition humaine" am Ende des 20. Jahrhunderts an. Aufeinander abgestimmte Klang- und Bilderströme führen ins Jenseits der Gegensätze von Natur und Technologie, Tradition und Avantgarde, Orient und Okzident... Acht Lieder, begleitet von  Video-, Licht- und Schattenbildern, zeichnen den Zyklus des Tages nach und reflektieren gleichzeitig die vielfältigen Stimmungen und Rituale der Lebenszyklen. Die Musik von Amelia Cuni und Werner Durand bedient sich traditioneller indischer Musikformen (Dhrupad) in unkonventioneller Art und Weise. Ihre Arbeit stellt eine zeitgenössische Annäherung an diese reiche und wertvolle Tradition dar, wobei sie deren grundlegenden Einsichten und Tiefe der Vision großen Respekt entgegen bringen. Amelia Cunis Rezitative und Improvisationen treten mit Werner Durands Live-Mixing ihrer aufgenommenen Stimme in Interaktion. Kein elektronischer Effekt verändert dabei den natürlichen Charakter des Gesangs, durch die Loops und digitalen Delays werden lediglich melodische und rhythmische Formen geschaffen. Dieses Projekt feiert die Stimme als ein Instrument von großer evokativer Kraft. Die visuelle Gestaltung von Claudio de Maglio und das Video von Lillevän setzen dieser Welt des reinen Vokals ein zeitgenössisch geprägtes visuelles Environment entgegen. Die Videosequenzen werden auf Flächen unterschiedlichen Transparenz-, Reflexions- und Absorptionsgrades projiziert. So entstehen ständig wandelnde multidimensionale Bildwelten. Das Lichtdesign von Fred Pommerehn intensiviert den szenischen Charakters, indem bestimmte musikalische, visuelle und gestische Momente durch punktuelle Ausleuchtung interpretiert werden.

Amelia Cuni, in Mailand geboren, lebte mehr als zehn Jahre in Indien und studierte dort Dhrupad-Gesang bei berühmten indischen Meistern. Seit 1992 lebt sie in Berlin und tritt auf vielen internationalen Bühnen und Festivals auf. Sie hat in den vergangenen Jahren Projekte sowohl traditioneller wie auch experimenteller Ausrichtung initiiert und kooperiert mit Künstlern aus unterschiedlichen Backrounds (Alte und Neue Musik, Ambient, Filmmusik etc.). Obwohl nicht indischer Herkunft, wird ihr als Dhrupad-Sängerin große Anerkennung seitens der indischen Presse und Musikgemeinschaft zuteil.

Werner Durand komponiert und spielt Musik für Saxophone, ethnische Flöten und Altklarinette. In den frühen 80er Jahren begann er, Blasinstrumente aus Plexi-Glass und PVC zu bauen, die er mit einem minimalistischen Gestus, inspiriert durch verschiedene ethnische Traditionen, spielt. Er lebt in Berlin, tritt weltweit auf renommierten Bühnen auf und komponiert Musik für Theater, Tanz und Radio-Feature.

Amelia Cuni, Dhrupad-Gesang

Werner Durand, Live-Mixing

Lillevän, Video

Fred Pommerehn, Licht- und Bühnen-Design

Ulla Ashika Haug, Kostüme

Claudio de Maglio, Regie

Organisation / Institution
ZKM
Kooperationspartner
Podewil Berlin ; Vettori Ultramondo Udine.