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Fr, 22.03.2002, 23:00 Uhr CET

Bewachung war vorgestern. Abhören war gestern. Heute klinken und klicken sich Staat und Wirtschaft über internationale Datennetze direkt und anonym in jede private Kommunikation ein. Sie sehen alles. Sie hören alles. Sie wissen alles. Angeblich. Oder leiden wir unter Verfolgungswahn? Und hat die Vorstellung, dass man überwacht wird, nicht vielleicht auch etwas Tröstliches? Weil man weiß, dass da wer ist, der sich für einen interessiert? Für jeden Weg, den man geht. Für jede Tat, die man tut. Für Person, Charakter, Identität.

Auch sein Publikum setzt Walter Filz einem medialen Regelkreis der Verfolgung aus – Überwachung ist Teil der Inszenierung. Bühnenakteure und Videoprojektionen schaffen ein Theater der Beobachtung und konstruieren ein interaktives Geschehen, das Low Life und High Tech zusammenbringt, neue Technologien der Bespitzelung mit alten Techniken der Selbstfindung kurzschließt.

Drei Menschen im Netz totaler Überwachung versuchen sich zu befreien, zu verstecken: Kappen alle Verdrahtungen mit der Außenwelt. Entnetzen sich. Und machen sich’s gemütlich. Ohne Modem und Medien, ohne Monitor und mobile phone. Endlich Zeit, sich mit den authentischen, unmittelbaren Künsten zu beschäftigen, mit Clowns und Kleinkunst, mit kritischen Liedern aus der »guten alten Zeit«. Doch Fremdüberwachung ist auch Selbstbestätigung. Ich werde verfolgt, also bin ich. Wer sich versteckt, gibt sich auf, ist bald verloren und findet sich nicht wieder. Schade eigentlich.

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WDR

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