Iconoclash
Ausstellungsansicht "Iconoclash"
Jenseits der Bilderkriege in Wissenschaft, Religion und Kunst
04.05.2002 – 01.09.2002

Die Ausstellung widmet sich den drei großen Streitpunkten der Repräsentation: ihrer Unverzichtbarkeit, ihrer Unverletzlichkeit und ihrer Macht, die in Form einer systematischen Konfrontation in den Bereichen Wissenschaft, Kunst und Religion aufeinander bezogen werden. Bilderkriege toben überall – von der Zerstörung der Buddha-Statuen durch die Taliban über Zweifel an wissenschaftlichen Bildtechniken bis hin zur Entlarvung manipulativer Mediendarstellungen. Das Ziel der Ausstellung ist aber gerade nicht, das kritische Bewusstsein zu schärfen oder die Tendenz zu Skepsis und Ironie zu stärken, sondern den Ikonoklasmus neu zu verstehen. Die Theologie, die Kunst und die Wissenschaft werden gemeinsam betrachtet, um die Streitpunkte der Repräsentation systematisch aufzuarbeiten.
 
Statt sich einmal mehr über Bildermacher lustig zu machen oder über Bilderstürmer zu empören, sucht die Ausstellung ihre BetrachterInnen in das Dilemma zu stürzen: „Ohne Repräsentationen kommen wir nicht aus. Wären wir doch nur in der Lage, ohne Repräsentationen auszukommen.“ Die monotheistischen Religionen, nicht anders als die wissenschaftliche Theorie und die zeitgenössische Kunst – wobei wir die politische Theorie nicht vergessen wollen –, haben alle mit dem widersprüchlichen Impuls zu kämpfen, Repräsentationen, Bilder und Embleme herzustellen, aber auch zu zerstören. Am Leitfaden alter, moderner und zeitgenössischer Kunstwerke sowie wissenschaftlicher Instrumente wird die Ausstellung diesem Dilemma nachgehen, das so prägend war für das Selbstverständnis der westlichen Welt. Dabei gilt es die einfache Vorstellung vom Bilderkrieg zu überwinden, indem hinter der spektakulären Geschichte der Bildzerstörung etwas anderes sichtbar gemacht wird: eine ganze Kaskade von Bildschöpfungen, die sich in traditionell christlichen Bildern ebenso wie in wissenschaftlichen Laboratorien oder den vielfältigen Experimenten der zeitgenössischen Kunst und Musik, des Kinos und der Architektur Ausdruck verschafft.
 
Während die großen Schlachten zwischen Bilderstürmern und Bilderverehrern geschlagen wurden, spielte sich stets eine andere Geschichte der Ikonophilie ab. Diese alternative Geschichte der westlichen Bildobsession gestattet auch weniger vorurteilsbehaftete Vergleiche mit anderen einflussreichen Kulturen, die Bildern eine völlig andere Funktion zubilligen.
 
»Iconoclash« ist keine Kunstausstellung, keine Ausstellung über Wissenschaft und Kunst, aber auch keine kunstgeschichtliche Ausstellung. Statt dessen bietet sie einen verblüffenden Ausblick auf Experimente, wie der ikonoklastischen Geste Einhalt geboten und wie die Beweglichkeit der Bilder gegen jeden Versuch ihrer Fixierung gerettet werden kann.

Webseite
http://www.iconoclash.de
Impressum
Ausstellungsteam

Martin Häberle (Technische Projektleitung)
Sabine Himmelsbach (Projektleitung)
Gregor Jansen (Projektleitung)

Organisation / Institution
ZKM | Medienmuseum
Sponsoren

Global Future Technologies ; Landesbank Baden-Württemberg ; The Japan Foundation, Tokio ; AFAA - Bureau des Arts Plastiques ; Moderna Museet, Stockholm ; Forschungszentrum Karlsruhe ; Videor Technical, Rödermark