Edmund Kuppel: Das Kabinett des Ferdinand von Blumenfeld
14.02.2009 – 22.03.2009
Bis in die 1970er-Jahre war in vielen Pariser Bistrots eine Wand mit einem Landschaftsfoto tapeziert. Über diese großformatigen Aufnahmen war die Fotografie zum ersten Mal in eine profane Innenarchitektur integriert, die der Öffentlichkeit zugänglich war. Der Bistrotfotograf, der sich Gerüchten zufolge Ferdinand von Blumenfeld nennt, hat diese Landschaften mit einem von ihm entwickelten Spiegelapparat abgelichtet. Dieses spezielle Verfahren ermöglichte ihm, in ein und derselben Aufnahme das Bild vor und den Raum hinter der Kamera zu erfassen.
 
Nachdem von Blumenfeld die Bistrot-Landschaften fotografiert hat, war es nicht mehr zwingend, dass ein Landschaftsfoto tatsächlich ein Foto von einer Landschaft ist. Zwar demaskiert er mit seiner synoptischen Aufnahmetechnik die eigentliche Herkunft der Fotos, lässt sich jedoch bereitwillig vom Charme der abgelichteten Landschaften, die gar keine sind, zu fantastischen Geschichten und Reisen hinreißen, die durchaus der Wahrheit entsprechen. Dennoch wäre es falsch anzunehmen, dass Ferdinand von Blumenfeld so viel gereist ist.
 
Aus dieser Konfusion resultiert seine neue Welt, repräsentiert durch die Installation »Das Kabinett des Ferdinand von Blumenfeld«. Sie zeigt über dreihundert Fotos, sowie Texte und die zwei großformatigen Fotobücher von Edmund Kuppel: »Geschichten vom Bistrotfotografen« (Bd. 1, 1994) und »Reisen und Ausflüge vom Bistrotfotografen« (Bd. 2, 2008). In diesen Büchern vermischen sich die Geschichten der Bilder der Originale mit den Zeugenaussagen des Fotografen über die Aufnahmen seiner Reproduktionen.
 
Im Film führt ein Erzähler (Axel Siefer) durch diese Welt. Er irrt zwischen Zitaten und Interpretationen, verwendet Dokumente und bedient sich Fiktionen, verkauft das Falsche für das Wahre und verführt dazu, das Wahre für das Falsche zu halten, ohne uns vergessen zu lassen, dass es sich in jedem Fall um eine Illusion handelt.
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