next_generation 3.0 – Konzert I
Mi, 10.06.2009, 21:00 Uhr CEST

Kerim Karaoglu: Grin!  (2-Kanal Tonband)

 „Das Lachen ist als vulgär beanstandet worden, weil man dabei den Mund weit öffnet und die Zähne entblößt. Gewiss enthält das Lachen in seinem Ursprung die Freude an einer Beute oder Speise, die einem als sicher erscheint. Ein Mensch, der fällt , erinnert an ein Tier, auf das man aus war und das man selber zu Fall gebracht hat“
(Elias Canetti über die Genesis des Lachens)
„Das Lachen feiert den Wechsel, nicht das, was dieser bringt. Es demonstriert, dass die Stabilität und das Gleichgewicht nicht die Regel, sondern die Ausnahme sind, jeden Augenblick bereit, in die Zerrissenheit zurückzustürzen.“
(»Das Lachen im Lichte Batailles« von Rita Bischoff)
 

Hendrik Dingler: Suite No.2 Op.46c & Ein Zwerg, der linkisch auf missgestalteten Beinen herumhüpft  (DJ + 4-Kanal Tonband)

In Deutschland entwickelte Emil Berliner 1887 seine Version der Stimmaufzeichnung. Nicht auf einer Walze, wie bei Edison, sondern auf einer sich drehenden flachen Platte. Er selbst bezeichnete die Scheibe in seiner Muttersprache als »Schallplatte«.
 

Gregor Diekmann & Jan Strobl & Bijan Tavili: tel-e-medial  (Video mit 2-kanal Ton)

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Tim Kienecker: ondolas  (2-kanal Tonband)

Das Stück »ondolas« für 2-Kanal-Tonband ist eine Samplestudie, deren Material ausschließlich aus unter bestimmten Aspekten aufgenommenen Klavierklängen besteht. Ein Hauptgedanke ist, das Klavier als Orchesterinstrument zu betrachten, wobei es nicht das Ziel ist, ein Orchester nachzusynthetisieren, sondern vielmehr bestimmte Eigenschaften zu übernehmen, wie z.B. die durch die große Besetzung sehr gute Verschmelzung von Klang und eben dadurch mögliche feine Übergänge und Abfärbungen zwischen und innerhalb der Gruppen. Im Mittelpunkt steht das, was quasi hinter den Tasten mit dem Klang passiert, das Klavier also in erster Linie als Saiteninstrument zu betrachten, welches nicht das durch seine ebenmäßige und bruchlose Aufteilung über die Register neutrale oder gar farblose Instrument ist, sondern eher jenes der Romantik, dessen Hauptinteresse dem Klang und der Übertragung von Spieler zu Instrument durch Anschlag, Ansatz, etc, galt.
 

Madjid Tahriri: Amadinda  (4-kanal Tonband)

»Amadinda« ist ein afrikanisches, pentatonisches Xylophon, welches von drei Spielern gleichzeitig gespielt wird. Während der allein beginnende erste Spieler mit dem »okunaga« (Kernthema) und der einige Zeit später mit dem »okwawula« (Kontrastthema) einsteigende zweite Spieler ihre Melodien jeweils in Oktaven spielen, benutzt der dritte Spieler für sein »okukoonera« lediglich die zwei obersten Xylophonplatten. Die so entstehende polyrhythmische Amadindamusik ist Ausgangspunkt dieses nur aus Impulsen verschiedener Charakteristiken bestehenden Stückes.
 

Johannes Winkler: entspaltet  (Video mit 2-Kanal-Ton)

Das Video stellt die bildkompositorischen Elemente – Vordergrund/Hintergrund – Synchronität/Asynchronität – Statik/Rhythmus/Fluss – Einfarbigkeit/Vielfarbigkeit gegeneinander und versucht zwischen diesen zu vermitteln.
 

ICEM – Folkwang-Hochschule Essen

Im Jahre 1970 wurde von der Folkwang-Hochschule Essen die Entwicklung von drei Anlagen für Live-Elektronische Musik bei der Berliner Firma Hofschneider in Auftrag gegeben. Mit der Lieferung dieser Anlage begann die Geschichte der Elektronischen Musik an der Folkwang-Hochschule. 1990, vom Senat als ein fachbereichsübergreifendes Institut gegründet, entstand daraus das CEM (Institut für Computermusik und Elektronische Medien). Künstlerischer Leiter des ICEM ist Prof. Dirk Reith, die technische Leitung liegt in den Händen von Dipl.-Ing. Roland Masslich. Um den veränderten Bedingungen des Computerzeitalters Rechnung zu tragen, wurde mit Thomas Neuhaus eine Professur für Musikinformatik besetzt. Neben den Studios, die sich der Lehre, Komposition und Produktion von Elektronischer Musik widmen, sind im Lauf der 90er Jahre verschiedene Studios unterschiedlichsten Zuschnitts hinzugekommen. Das Projekt-Studio des Studiengangs Jazz, geleitet von Stefan Hüfner und Max Schmitz, das Audio/Video-Medien-Studio, das von Prof. Dietrich Hahne geleitet wird und sich der Visuellen Komposition widmet, und im Jahre 2000 das Tonaufnahmestudio unter der Leitung von Diplom-Ton- und Bildingenieur Arthur Jogerst. Nach über dreißigjähriger Ausbildung von Komponisten in der elektroakustischen Musik gibt es seit 2008 den neuen Studiengang »Integrative Komposition« mit den Abschlüssen Bachelor und Master. Die »Integrative Komposition« umfasst die folgenden Hauptfächer: Instrumentalkomposition, Elektronische Komposition, Jazz-Komposition, Komposition und Visualisierung sowie Pop-Komposition. Die Ausbildung der Komponisten am ICEM, im Umfeld der gesamten Hochschule mit ihren Studiengängen aus Musik, Theater und Tanz und dem neuen Bereich Gestaltung mit den Studiengängen Fotografie, Kommunikationsdesign und Industrial Design ermöglichen den Studenten eine umfassende Ausbildung mit mannigfaltigen Möglichkeiten in interdisziplinären Projekten.
Organisation / Institution
ZKM