Andri Snær Magnason: Dreamland
Was bleibt, wenn alles verkauft ist?
So, 09.10.2011, 18:00 Uhr CEST

Island, das ist ein nordischer Touristentraum, sind dampfende Geysire inmitten unwirklich schöner Landschaft, Elfen, Trolle, Popmusik. Seit kurzem jedoch steht Island auch für Staatsbankrott, Naturzerstörung und in der Folge für eine entschiedene Absage ans politische Establishment. Einer der Akteure des kreativen Aufstands auf der Insel, der 39-jährige Schriftsteller Andri Snær Magnason, erzählt in »Traumland«, was dahinter steckt.
Sein Buch liest sich wie eine Parabel. Denn die Kulisse ist spektakulär, doch das Muster vertraut: In einer Kombination aus Zukunftsangst und blindem Fortschrittsglauben lässt sich ein Volk erpressen, seine Naturschätze für kurzfristigen Profit an die Aluminiumindustrie zu verkaufen. Wütend und mit einer ordentlichen Portion Ironie seziert Magnason diesen technokratischen Alptraum. Er entzaubert Begriffe wie »Wohlstand«, »Wirtschaftswachstum« und »saubere Energie«, mit denen jede ehrliche Debatte über gesellschaftliche Alternativen erstickt wird.
Das »Selbsthilfebuch für eine verängstigte Nation«, so der Untertitel des Originals, war in Island ein vieldiskutierter Bestseller, der es in jeden vierten Haushalt schaffte. Es wurde in mehrere Sprachen übersetzt und machte Andri Snær Magnason über Island hinaus zu einem gefragten Gesprächspartner in Sachen Ökologie und Ökonomie.
Traumland ist ein außergewöhnliches Sachbuch – unterhaltsam, poetisch und trotzdem knallhart in der Sache. Die Lesung findet in englischer Sprache statt.

Andri Snær Magnason, 1973 in Reykjavík geboren, Autor von Lyrik, Kinderbüchern, Romanen und Theaterstücken, ist einer der vielseitigsten Autoren Islands – und beschreitet zuweilen ungewöhnliche Wege, um zu sagen, was er zu sagen hat. Indem er seine Gedichtbände in einer Supermarktkette verkaufen ließ, erreichte er Rekordauflagen; auf seine Anregung hin wurden 2006 in Reykjavík eine halbe Stunde lang sämtliche Lichter ausgeschaltet, während ein Astronom am Radio den Sternenhimmel erklärte; 2009 verfilmte Magnason als Co-Regisseur seinen Bestseller »Traumland«, der erfolgreich auf vielen inter­nationalen Filmfestivals gezeigt wurde. 2010 erhielt er den hochdotierten KAIROS-Preis der Alfred Toepfer Stiftung.

Organisation / Institution
ZKM