Doug Fishbone: Elmina
Do, 19.01.2012, 19:00 Uhr

Für die Kunstszene ist Globalisierung ein Thema, das sich im Diskurs um die Zugänge zu lokalen und globalen Foren und die Notwendigkeit sozialen Engagements manifestiert; für einen großen Teil der Weltbevölkerung betreffen Globalisierungsprozesse die unmittelbaren Möglichkeiten, ein selbstbestimmtes Leben zu führen. Doug Fishbone lässt in Elmina gleich auf mehreren Ebenen beide Perspektiven auf die Globalisierung zusammenprallen. Elmina ist ein ghanaischer Spielfilm der Brüder Emmanuel und John Apea, der mit einer dramatischen Erzählung um Ausbeutung und Macht das westafrikanische Publikum anspricht; Elmina ist aber auch das Kunstprojekt Fishbones, der den Film mit Geldern des Kunstmarkts finanzierte und selbst die Hauptrolle übernahm.

Im dargestellten Konflikt zwischen dem Farmer Ato Blankson und den korrupten Herrschern der Stadt sind Begriffe wie »Fortschritt« und »Entwicklung« lediglich Vorwand für Bereicherung und den Erhalt von Privilegien, und am Ende haben die meisten Beteiligten ihre moralische Integrität und so manche auch ihr Leben verloren. Nicht so drastisch, aber dennoch bemerkenswert sind die Konflikte, die Elmina bezüglich des globalisierten Kunstsystems thematisiert: Ist es legitim, wenn die Figur eines ghanaischen Farmers unhinterfragt von einem weißen US-Amerikaner dargestellt wird? Findet eine Aneignung hier aufseiten des Künstlers statt, der das kommerzielle Filmprodukt in den Ausstellungskontext überführt, oder vielmehr aufseiten der ghanaischen Filmer, die die finanzielle Hilfe des Kunstsystems nutzen, um ihr lokales Publikum zu unterhalten? (JB)

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