Bruno Latour: Kosmokoloss
Im Weltraum schwebt eine Planet in Form einer Welle. In ihr befinden sich ein Reh und zwei Jungen. Ein Junge blickt suchend durch ein Fernrohr.
Eine Tragikomödie über das Klima und den Erdball
Fr, 06.12.2013, 21:00 Uhr

Die Bewohner der Erde schlafen ruhig, denn sie wissen kaum etwas über den Planeten, auf dem sie sich befinden. Sie begreifen nicht, wie sehr das, was sie für den festen Rahmen ihrer Existenz halten, ins Taumeln geraten ist. Sie weigern sich zu sehen, dass ihre Art, die Erde zu bewohnen, zu einer ökologischen Krise geführt hat, die vielleicht nur ein kleiner Teil der Menschheit überleben wird. Kosmokoloss. Eine Tragikomödie über das Klima und den Erdball thematisiert diese Kluft: die Diskrepanz zwischen der Größe der Krise und der Fähigkeit der Menschen, sie wahrzunehmen und zu verstehen.

Die Kontroverse über den Zustand des Planeten entfaltet sich, als die Erdbewohner aus ihren Träumen erwachen und sich auf den Weg zu einer Baustelle machen, wo sich der Umriss einer riesigen Arche gegen den Himmel abzeichnet: Gab es nicht schon immer feuchte Sommer und milde Winter? Oder haben wir die Rückkoppelungsmechanismen der Erdoberfläche unwiderruflich destabilisiert, und Gaia wird uns ertränken wie kleine Kätzchen? Wie sollen wir mit den Monstern umgehen, die wir erschaffen haben? Warum kommt die wissenschaftliche Debatte zu keinem Abschluss? Sollen wir auch ohne absolute Gewissheit handeln?
Kosmokoloss zeigt die Welt des „Anthropozän“: eine Welt, die von einer Spezies bewohnt und beschädigt wurde, die nun zusehen muss, wie ihr drohendes Ende durch bunte PowerPoint-Präsentationen verkündet wird.
 
»Kosmokoloss« ist das erste Theaterstück des französischen Philosophen und Anthropologen Bruno Latour. Auf der Suche nach einer „neuen Eloquenz“ des Politischen ist das Theater eine mögliche Form, um dem Missverhältnis zwischen der Bedeutung der aktuellen Ereignisse und dem schmalen Repertoire der Empfindungen und Gefühle, mit denen wir auf sie reagieren, zu begegnen. Die französische Originalversion des Theaterstücks entstand 2011 in Zusammenarbeit mit Frédérique Aït-Touati und Chloé Latour im Rahmen des Forschungs- und Theaterprojekts Gaïa Global Circus.

Zur Sendung im Archiv des Bayerischen Rundfunks > Kosmololoss.
 
Darsteller:  Wolfgang Pregler, Gabriel Raab, Marie Seiser, Kathrin von Steinburg, Steven Scharf, Helmut Stange, Hans Kremer, Wolfgang Hinze, Stefan Hunstein, Sylvana Krappatsch
Trompete: Micha Acher

Regie: Ulrich Lampen
Übersetzung aus dem Französischen & Hörspielfassung: Margit Rosen
Komposition: Saam Schlamminger
Redaktion: Herbert Kapfer
Produktion: Bayerischer Rundfunk  2013

Weitere Sendetermine

Bayern2, 21. November 2014, 21:05 Uhr

Weitere Aufführungen

»de-growth«, Konferenz, Leipzig, 5. September 2014, 17:00 Uhr

Website
Bayern2 – »Kosmokoloss. Eine Tragikomödie über das Klima und den Erdball«
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