Michael Fehr: Babel und die Studentin und ein Rebhuhn auseinandernehmen
Schwarz-weiß Porträt eines Manes
ARD Hörspieltage 2015
Fr, 13.11.2015, 16:00 Uhr CET
Der Architekt betrachtet sein Werk: den Turm zu Babel. Da stürzt er ein! Die Studentin denkt sich eine Zukunft voller Wohlstand aus – bis zum unausweichlichen Ende; dann flieht sie eilends in die Gegenwart zurück. Wir lernen, wie man ein Rebhuhn fachgerecht schlachtet und auseinandernimmt.

Wenn bei Michael Fehr der Architekt das Kinn gen Himmel reckt und die Arme verschränkt, verweist er mit dieser Mussolini-Pose auf die Verbindung zwischen Faschismus und Architektur. Wenn beim Berner Autor der Turm zusammenfällt, wird die Fragilität der Statik zur Aussicht auf Erlösung. Der Fall des einen wird zum Glücksfall aller. Aber Scheitern ist mehrheitsfähig.

Eine Studentin zeigt uns, dass auch die reichhaltigsten Vorstellungen von der Zukunft unweigerlich zum Futurum Exactum führen, zum »ich werde gehabt« oder »gemacht haben«. Also zum Punkt nach allem, weil nach der Erfüllung des Lebenswunsches nicht nur der Wunsch stirbt, sondern schließlich auch wir selber – als wären wir ein Rebhuhn in den Händen des Schicksals und würden lustvoll auseinandergenommen zum grausamen Mahl.

Mit anschließendem Frageforum auf dem ZKM_Musikbalkon.

Mit: Laurin Buser, Anatol Atonal, Tobias Pingler, Michael Fehr, Lara Stoll, Lisa Christ, Michèle Friedli, Elisabeth Caesar
Regie: Claude Pierre Salmony, Michael Fehr
Musik: Anatol Kempker, Thomas Weiss, Severin Barmettler
Produktion: SRF 2015

Begleitprogramm