Medialounge um sechs
Jersey City
Zerstreute Zentren – Kunsthistorische Referenzierungen in Albrecht Kunkels »Aerial Views«
Do, 12.01.2017, 18:00 Uhr CET, Dauer: 1h

 

Kurator Erec Gellautz erläutert vor dem Hintergrund des Blicks von oben auf die Erde in der Fotografiegeschichte Albrecht Kunkels konzeptuelle Serie »Aerial Views« im Hinblick auf ihre ästhetischen, medientheoretischen und kunsthistorischen Dimensionen.

In Luftaufnahmen verlor sich mit dem Horizont über lange Zeit hinweg auch die erdgebundene Vertrautheit unserer Wahrnehmung. Eigentlich, so schrieb der Fliegerstabsingenieur H. Chr. Wolrab 1943, seien Luftaufnahmen keine Bilder. Es handle sich vielmehr um „mosaikartige Ansammlung[en] von Einzelheiten, die ihrer Bedeutung nach unbeeinflußbar über das ganze Bild verteilt“ wären. An diesem Befund scheint sich heute alles geändert zu haben: Die Fremdheit, die fotografischen Luftbildern lange Zeit inne wohnte, wich durch Navigations-Applikationen und Smartphones einer neuen Form der Orientierung. Vollständig digitalisiert und stufenlos skalierbar liegt ein aus fotografischen und digitalen Karten erschaffener Erdball in unseren Händen und ermöglicht – vernetzt mit unserem Aufenthaltsort – mühelose Navigationen.

Die visuelle Aufbereitung der Navigationstechnologien verschleiert dabei jedoch, dass sich am Status des einzelnen, unkommentierten Luftbildes eigentlich nichts geändert hat. Wo es aufgenommen wurde und welchen Ort es darstellt, gibt es nicht preis. Luftaufnahmen sind für ortsunkundige BetrachterInnen stets arbiträr und bedürfen der Kontextualisierung, etwa der Einspeisung in eine georeferenzierte Softwareanwendung.

Eine besondere Form der Kontextualisierung unternahm der Künstler Albrecht Kunkel in seiner Werkgruppe »Aerial Views«, an der er von 2002 bis 2006 arbeitete. Das fotografische Ausgangsmaterial der Serie bestellte er bei der USDA, der US-amerikanischen Landwirtschaftsbehörde. Die Werke der Serie referieren auf Wohn- und Arbeitsorte von KünstlerInnen aus der Konzeptkunst und der Land Art.

 

Als eine Vortragsreihe mit Screenings, Klangdarbietungen und Gesprächen, lädt die »Medialounge um sechs« Gäste, MuseumsbesucherInnen und Interessierte ein, sich mit KuratorInnen, KünstlerInnen und KunstvermittlerInnen des ZKM über Themen, Installationen und Veranstaltungen rund um die aktuellen ZKM-Themen auszutauschen.

Eine Kooperation der ZKM | Mediathek und der ZKM | Museumskommunikation.

Konzept und Programmauswahl:
Barbara Kiolbassa, Claudia Gehrig und Hartmut Jörg

Organisation / Institution
ZKM | Karlsruhe