Giga-Hertz-Preis: Premierenkonzert 2026

Drei Uraufführungen zwischen Stimme, Interaktion und Afrofuturismus

Do, 16.07.2026 19:00 Uhr CEST

© ZKM | Zentrum für Kunst und Medien Karlsruhe, Foto: Chiara Bellamoli
Ort
Kubus
Kosten
Tickets ab 7 € | Freier Eintritt für Personen unter 27 Jahren
Sprache
Englisch

Tickets erhältlich an der ZKM | Infotheke, der Abendkasse und auf reservix (zzgl. Gebühr)

Das Premierenkonzert steht im Kontext des Festivalthemas Fellow Futures und versammelt künstlerische Ansätze, die neue Formen des Hörens erproben. Drei künstlerische Positionen, drei Uraufführungen: Zwischen Partizipation, experimentellem Musiktheater und Turntables entfalten sich radikale Entwürfe für Counterlistening.

Drei Uraufführungen stehen im Zentrum des Giga-Hertz-Premierenkonzerts: Präsentiert werden neue Arbeiten von Davor Vincze, Jug Marković & Thea Soti sowie NikNak (Nik Raymond), die jeweils mit dem Giga-Hertz-Produktionspreis 2025 ausgezeichnet wurden.

Davor Vincze entwickelte während seiner Residenz am ZKM mit Let the Spirit Guide You ein performatives Setting, das das Publikum selbst ins Zentrum rückt. Seine Arbeit hinterfragt Kontrollstrukturen und eröffnet Räume, in denen Abweichung und Widerstand produktiv werden.

NikNak (Nik Raymond) ist eine Pionierin an der Schnittstelle von Turntablism, Klangkunst und Afrofuturismus. NikNak ist bekannt für ihre innovative Klangpraxis, in der sie Field Recordings, experimentelle Musikproduktion, Sound Design und einzigartige Scratching-Techniken miteinander verbindet, um immersive Klanglandschaften und klangliche Fiktionen zu schaffen. Im Rahmen des Konzerts präsentiert sie die Uraufführung ihres neuesten Stücks Fledgling, das sie während ihrer Residenz am ZKM entwickelte.

Thea Soti und Jug Marković entwickeln kollaborative Werke, die sich mit Stimme, Elektronik und zeitgenössischen Kommunikationsformen auseinandersetzen und poetische sowie politische Texte in einen Dialog mit digital vermittelten Hörerlebnissen und gemeinsamen Erfahrungen bringen, die von der aktuellen sozialen Bewegung in Serbien geprägt sind. Soti und Marković präsentieren die Uraufführung ihres Stücks Trashold, das in den Räumlichkeiten des SWR Experimentalstudios in Freiburg entstand.

Werke

  1. Uraufführung

    Davor Vincze „Let the Spirit Guide You“, 2026

    für Elektronik gesteuert über Publikums-Smarthones, ca. 15‘

    Let the Spirit Guide You ist eine partizipative Performance, bei der das Publikum über die persönlichen Smartphones mit dem System interagiert und so den Verlauf der Performance mitbestimmt. Drei Teilnehmer:innen übernehmen aktive, direkte Rollen als „elder spirits“, während der Rest des Publikums als Chor fungiert, der durch demokratische Abstimmungen geleitet wird.

    Eine beruhigende Stimme instruiert das Publikum wie ein:e Mentor:in – eine Präsenz, der man natürlich bereitwillig anschließt. Doch was passiert, wenn der Tonfall sich ändert? Was, wenn die Aufgaben sinnlos werden und das Mentoring zu streng wird? Würden wir uns dann noch so gehorsam lenken lassen?

    Dieses Projekt hinterfragt unsere naive Neigung, scheinbar höflichen Aufforderungen nachzukommen, unsere Lähmung angesichts kaum erfassbarer komplexer Systeme sowie unsere Kurzsichtigkeit gegenüber Manipulationen, wenn eine Autoritätsfigur – sei es ein Mensch, eine Institution oder ein Algorithmus – vorgibt, unser Bestes im Sinn zu haben. Es zwingt uns, die feine Grenze zwischen Kooperation und Komplizenschaft zu erkennen und uns bewusst zu machen, wann das Beugen vor Autorität zu einem Akt der Selbstsabotage wird. Manchmal ist Widerstand der beste Weg, zu gehorchen.

  2. Uraufführung

    NikNak „Fledgling“, 2026

    für Turntables, Pioneer S7, Phase DJ, Torso S4, Erica Synths Echolator, Hologram Electronics Microcosm, Napworks Devious Pocket & audioreaktive TouchDesigner-Visuals, ca. 25‘

    Fledgling ist ein „fortlaufendes“ Werk, das teilweise von Octavia Butlers gleichnamigem Roman und Alex Garlands Film Ex Machina (2014) inspiriert ist und eng mit NikNaks wachsender Faszination für den Afrofuturismus und seiner Auseinandersetzung mit diesem Thema verbunden ist.

    Das Werk beschäftigt sich mit folgenden Themen:

    • Stell dir vor, du gehst schlafen und wachst mitten in einem Feld in einem androiden, synthetischen Körper auf
    • Dieser synthetische Körper weist dann vampirische Eigenschaften auf, die dem Körper, nicht jedoch deinem Bewusstsein eigen sind
    • Würde sich auch dein Erbe bzw. das Vermächtnis deiner Vorfahren übertragen?
    • Unschuld, die sich hinter Macht verbirgt und umgekehrt
    • Technologie, die sich zu lange aufhält und schließlich unsere Sinne und unsere Menschlichkeit zugunsten der „Bequemlichkeit“ außer Kraft setzt
    • Was wäre, wenn ein Computervirus Bewusstsein erlangen würde?
  3. Uraufführung

    Thea Soti x Jug Marković „Trashold“, 2026

    elektronisches Duett für Stimmen, Synthesizer und Laptops, ca. 25‘

    Trashold ist die jüngste Zusammenarbeit zwischen Thea Soti und Jug Marković und die Fortsetzung einer gemeinsamen künstlerischen Praxis, die 2021 im Rahmen ihrer Tätigkeit am IRCAM begann. Das Werk entstand in einem kollaborativen Prozess, innerhalb dessen sich Komposition und Aufführung gemeinsam herausbilden. Das Stück basiert auf dem gemeinsamen Interesse, aus den Realitäten des zeitgenössischen Lebens heraus zu komponieren und dabei Stimme, Elektronik und digitale Kommunikationsformen nicht bloß als Technologien, sondern als Sprache der Gegenwart zu behandeln.

    Anstatt einer linearen Erzählung zu folgen, bewegt sich Trashold durch verschiedene Formen der Sprache und Kommunikation: Gedichte, Gespräche, Sprachnachrichten, Reflexionen, Flüstern, Lieder, synthetische Klänge und Rhythmen. Die Bedeutung entsteht nach und nach durch Anreicherung, wodurch sich aus scheinbar unzusammenhängenden Momenten ein umfassenderer Kontext herausbildet.

    Im Kern beschäftigt sich das Werk mit Schwellen – persönlichen, sozialen und politischen. Der Titel Trashold steht sowohl für einen Punkt des Wandels als auch für das Material, das sich um ihn herum ansammelt. Entstanden während der Anfangszeit der Studierendenproteste in Serbien 2025, stellt Trashold die Frage, was Einzelpersonen und Gesellschaften an einen Punkt bringt, an dem Schweigen unmöglich wird. Ohne eine einzige Aussage oder Schlussfolgerung zu liefern, schafft das Stück einen Raum, in dem intime und kollektive Dimensionen nebeneinander bestehen und in dem Sprache ständig zwischen Kommunikation, Erinnerung, Präsenz und klanglichem Ausdruck wechselt.

    Live-Elektronische Realisation:
    SWR Experimentalstudio: Johannes Burgert (Klangregie)

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