Timm Ulrichs

Ich: im Rahmen

1993

Künstler:in / Künstlergruppe
Timm Ulrichs
Titel
Ich: im Rahmen
Jahr
1993
Auflage / Seriennummer
25
Exemplarnummer
4
Kategorie
Skulptur
Format
Relief
Material / Technik
Hartformgips, MDF, Lack
Maße / Dauer
65,3 x 85,1 x 8,4 cm
Sammlung
ZKM | Zentrum für Kunst und Medien Karlsruhe
Beschreibung
Timm Ulrichs (1940–2026) zählt zu den bedeutendsten Vertretern der Konzeptkunst in Deutschland. Der in Berlin geborene Künstler entwickelte seit den 1960er-Jahren ein Œuvre, das sich traditionellen Gattungsgrenzen entzieht und ein breites thematisches Spektrum umfasst. Dabei bediente er sich unterschiedlichster Techniken und Medien. Ulrichs selbst bezeichnete sich als „Totalkünstler“ und erhob bereits früh die eigene Person zum Gegenstand seiner Kunst. So erklärte er sich 1961 mit der Aktion »Erstes lebendes Kunstwerk« selbst zum Kunstobjekt und präsentierte sich in einer Vitrine. Damit thematisierte er die Grenzen zwischen Kunst und Leben, Werk und Künstler. Seine Arbeiten laden die Betrachtenden dazu ein, vertraute Dinge neu zu sehen und scheinbar selbstverständliche Zusammenhänge zu hinterfragen. Häufig griff Ulrichs auf alltägliche Gegenstände zurück, die er durch minimale Eingriffe oder geschickte sprachliche Verknüpfungen in neue Bedeutungskontexte überführte. Eine feinsinnige, oft humorvolle Schärfe zieht sich dabei durch sein gesamtes Werk. Sein Werk »Ich: im Rahmen«, erscheint auf den ersten Blick wie ein leerer Bilderrahmen. Die weiße Fläche im Zentrum bleibt unbesetzt und widerspricht damit der üblichen Erwartung an ein gerahmtes Kunstwerk. Wo gewöhnlich das Bild und damit der Mittelpunkt der Aufmerksamkeit wäre, findet sich lediglich Leere. Erst bei genauerer Betrachtung offenbart sich das eigentliche Motiv. Im unteren Bereich des Rahmens befindet sich eine schmale Aussparung, in der zwei einander gegenüberstehende Profilansichten zu erkennen sind. Es handelt sich um ein Selbstporträt des Künstlers, das nicht innerhalb der Bildfläche, sondern unmittelbar im Rahmen selbst verortet ist. Damit macht Ulrichs den Rahmen zum eigentlichen Träger der künstlerischen Aussage. Dieses ungewöhnliche Selbstporträt verweist zugleich auf Ulrichs Verständnis seiner eigenen Rolle als Künstler. Wie bereits in früheren Arbeiten wird der Künstler in »Ich: im Rahmen« selbst Teil des Werkes und buchstäblich in dessen Struktur integriert. Darüber hinaus spielt Ulrichs mit der Mehrdeutigkeit des Titels. Die Redewendung „sich im Rahmen halten“ beschreibt gewöhnlich ein Verhalten, das sich innerhalb gesellschaftlicher Normen bewegt. Gleichzeitig befindet sich das „Ich“ hier tatsächlich im Rahmen eines Kunstwerks. Ulrichs verbindet beide Bedeutungsebenen und reflektiert damit die Frage, inwiefern Identität, Kunst und individuelles Handeln stets durch äußere Rahmenbedingungen geprägt werden. Der leere Rahmen wird dabei zum Sinnbild jener Grenzen und Normen, innerhalb derer sich sowohl die Kunst als auch der Künstler bewegen.

Autor:in

Lara
Mainzer

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