- Ausstellung
Ulrich Bernhardt. JETZT: Es war, wird und ist
Sa, 06.12.2025 – So, 26.04.2026
- Ort
- Lichthof 1+2, EG
- Kosten
- Museumseintritt
Mit der Ausstellung »JETZT: Es war, wird und ist« würdigt das ZKM das Werk des in Stuttgart lebenden Video- und Installationskünstlers Ulrich Bernhardt (*1942), der zu den wichtigen Pionieren der Medienkunst in Baden-Württemberg zählt. Die Ausstellung umfasst mit frühen politischen Grafiken, Mail Art, Copy Art, Videoinstallationen und Fotografien zentrale Werkgruppen des Künstlers, der sich selbst ironisch als „letzten analogen schwäbischen Romantiker“ bezeichnet.
Für Bernhardt ist Kunst ein offener, sich ständig wandelnder Prozess, eine Form des philosophischen Tuns. Als künstlerischer Leiter des 1978 vor allem auf seine Initiative gegründeten Künstlerhauses Stuttgart prägte er Anfang der 1980er-Jahre den Begriff der „künstlerischen Forschung“, um Formen der subjektiven Erfahrungs- und Wissensvermittlung zu beschreiben. Anders als die Wissenschaft sucht diese Art des Arbeitens nicht nach objektiven Beweisen, sondern verbindet persönliches Erleben mit ungewöhnlichen, teils absurden Methoden. Dadurch entstehen ästhetische Erfahrungen, aus denen neue Erkenntnisse gewonnen werden können – Erkenntnisse, die das Potenzial haben, gesellschaftliche Veränderung anzustoßen.
Nach einer kurzen journalistischen Tätigkeit beim Fernsehen des damaligen Süddeutschen Rundfunks (SDR; heute SWR) und einer Mitarbeit an einem Forschungsprojekt an der Universität Stuttgart entstanden ab 1974 erste Videoarbeiten im sozialen Kontext. Seit Anfang der 1980er-Jahre setzt sich Bernhardt mit aktuellen Technologien und dem gesellschaftlichen Wandel im Zusammenhang mit der griechischen Mythologie auseinander. Dabei interessiert ihn insbesondere, wie tiefgreifende technologische Entwicklungen unser Bewusstsein beeinflussen und wie diese fundamentalen Prozesse mit mythologischen Denkfiguren beschrieben werden können.
Im Zentrum der Ausstellung stehen zwei Installationen des Künstlers aus der Sammlung des ZKM: »Der Fluss« (1978) und »Der Sarkophag« (1996/2025). Beide Werke setzen sich mit unterschiedlichen Aspekten von Zeit, Vergänglichkeit und Dauer auseinander. »Der Fluss«, Bernhardts erste Videoinstallation, untersucht die Flüchtigkeit der Zeit und den stetigen Wandel unseres Kommunikationsverhaltens. »Der Sarkophag« hingegen thematisiert die zeitliche Dimension radioaktiver Strahlung, welche unsere menschliche Vorstellungskraft übersteigt. In dieser sieht der Künstler ein Verschmelzen von Vergangenheit, Zukunft und Gegenwart zu einem ewigen JETZT. Vor dem Hintergrund aktueller Diskussionen um die Rückkehr zur Atomkraft erinnert die Arbeit, die sich auf das Reaktorunglück von Tschernobyl im Jahr 1986 bezieht, an die oft verdrängten Gefahren der Nukleartechnologie. Die Ausstellung von Ulrich Bernhardt im ZKM endet am 26. April 2026 – dem 40. Jahrestag dieser bisher schlimmsten Atomkatastrophe der Geschichte.
Künstler:innen / Mitwirkende
Giovanni Anselmo, John Baldessari, Joseph Beuys, Alighiero Boetti, Marinus Boezem, Stanley Brouwn, Daniel Buren, Pier Paolo Calzolari, Gino De Dominicis, Walter de Maria, Jan Dibbets, Barry Flanagan, Hamish Fulton, Gilbert & George, Michael Heizer, Bernhard Höke, Gary Kuehn, Richard Long, Mario Merz, Dennis Oppenheim, Klaus Rinke, Ulrich Rückriem, Reiner Ruthenbeck, Gerry Schum, Richard Serra, Robert Smithson, Keith Sonnier, Ger van Elk, Franz Erhard Walther, Lawrence Weiner, Hannah Weitemeier, Ursula Wevers, Gilberto Zorio.
Auswahlbibliographie
Monographien/Kataloge
- Fernsehgalerie Gerry Schum / Ursula Schum-Wevers (Hg.): LAND ART. Katalog zur Fernsehausstellung I. 1. Aufl. Düsseldorf: Eigenverlag, 1969, Aufl. 500 Ex. (2., erw. Aufl. Düsseldorf: Eigenverlag, 1970, Aufl. 800 Ex.).
- Fernsehgalerie Gerry Schum (Hg.): Sculpture by Richard Long. Düsseldorf: Eigenverlag, 1969, Aufl. 500 Ex.
- Fernsehgalerie Gerry Schum (Hg.): Arnatt, Keith, TV Project Self Burial. TV-Ausstrahlung vom 11.–18.10.1969, Düsseldorf: Eigenverlag, 1969, Aufl. 500 Ex.
- Ausst.-Kat. Gerry Schum. Stedelijk Museum Amsterdam; Museum Boymans van Beuningen, Rotterdam; Kölnischer Kunstverein, Köln; Museum voor Hedendaagse Kunst, Gent; Vancouver Art Gallery, Vancouver; A Space, Toronto, 1979/80.
- Christiane Fricke: „Dies alles, Herzchen, wird einmal Dir gehören.“ Die Fernsehgalerie Gerry Schum 1968–1970 und die Produktionen der videogalerie schum 1970–1973. Frankfurt am Main u. a.: Peter Lang, 1996.
- Ausst.-Kat. Ready to Shoot. Fernsehgalerie Gerry Schum / videogalerie schum. Hg. von Ulrike Groos, Barbara Hess und Ursula Wevers. Düsseldorf, 2003.
Artikel
- Ursula Wevers, „De televisie-galerie – het idee en zijn mislukking“ / „The Television Gallery – The Idea and How It Failed“, in: Ausst.-Kat. Gerry Schum. Stedelijk Museum Amsterdam, 1979/80, S. 18–19/77–78.
- Ursula Wevers, Karin Stempel: „videogalerie schum und die neuen Medienkünste“, in: Helga Meister (Hg.): Kunst in Düsseldorf. Köln: Kiepenheuer & Witsch, 1988.
- Ursula Wevers: „Fernsehgalerie Berlin Gerry Schum – LAND ART –“, in: Ausst.-Kat. Stationen der Moderne. Martin-Gropius-Bau, Berlin, 1988.
- Ursula Wevers: „Der Traum vom kommenden Videokassettensystem. Der Videopionier und seine Skepsis“, in: Christoph Blase, Peter Weibel (Hg.): RECORD AGAIN! 40jahrevideokunst.de. Teil 2. Ostfildern: Hatje Cantz, 2010, S. 282–285.
The Story That Never Ends. Die Sammlung des ZKM
Die Ausstellung findet im Projektraum der Sammlungsausstellung The Story That Never Ends. Die Sammlung des ZKM statt, in dem sammlungs- und archivbezogene Projekte vorgestellt werden. Die Ausstellung ist Teil einer Reihe an Ausstellungen am ZKM, mit der eine Pioniergeneration von Medienkünstler:innen gewürdigt wird, die bisher der breiteren Öffentlichkeit nur wenig bekannt sind.
Impressum
Kurator: Philipp Ziegler
Kuratorische Projektleitung: Jelena Matičić
Kuratorische Mitarbeit: Emma Roberts, Hosna Karnama
Wissenschaftliche Beratung und Recherche: Alina Bukina, Taras Spivak
Technisches Projektmanagement: Anne Däuper
Restaurierung: Marlies Peller, Leonie Rök
Technischer Umsetzung: ZKM | Museums- und Ausstellungstechnik
Szenografie: Matthias Gommel
Registrarinnen: Natascha Daher, Sarah Donata Schneider
Grafikdesign: 2xGoldstein
Videoproduktion: Andreas Brehmer, Max Clausen, Christina Zartmann
Vermittlung: Lisa Bartling, Alexandra Hermann, Alice Tiralongo
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Projektpartner