Ulrich Bernhardt
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Der in Stuttgart lebende Künstler Ulrich Bernhardt (*1942, Tübingen) zählt zu den wichtigen Pionieren der Medienkunst in Baden-Württemberg. Sein Werk umfasst eine heterogene Kombination verschiedener Medien und beinhaltet neben Malerei, Grafik, Fotografie, Installation und Objekten vor allem Film und Video sowie Kunst am Bau und Projekte im öffentlichen Raum.
Von 1965 bis 1970 studierte Bernhardt Malerei an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart unter anderem bei K.R.H. Sonderborg und initiierte dort im Rahmen eines Studienreformprozesses eine zeitweise von Hartmut Bitomsky und Harun Farocki geleitete Filmklasse. Nach einer kurzen journalistischen Tätigkeit beim Fernsehen des damaligen Süddeutschen Rundfunks (SDR; heute SWR) und einer Mitarbeit am Forschungsprojekt »Kommunikationstechniken für den Architekten« an der Universität Stuttgart entstanden ab 1974 im Rahmen der Stuttgarter Kommunikationsgruppe, von der die Initiative zur Gründung des Künstlerhauses Stuttgart ausging, erste Videoarbeiten im sozialen Kontext.
Als erster künstlerischer Leiter des Künstlerhauses Stuttgart realisierte er von 1978 bis 1986 zahlreiche Ausstellungen, Symposien, Publikationen und partizipative Diskursformate, die den interdisziplinären Austausch und die internationale Vernetzung förderten. 1981 etablierte Bernhardt am Künstlerhaus den Begriff der »künstlerischen Forschung« für Formen subjektiver Erfahrungs- und Wissensvermittlung. Anders als die Wissenschaft sucht diese Art des Arbeitens nicht nach objektiven Beweisen, sondern verbindet persönliches Erleben mit ungewöhnlichen, teils absurden Methoden.
Seit Anfang der 1980er-Jahre setzt sich Bernhardt mit aktuellen Technologien und dem gesellschaftlichen Wandel im Zusammenhang mit der griechischen Mythologie auseinander. Dabei interessiert ihn insbesondere, wie tiefgreifende technologische Entwicklungen unser Bewusstsein beeinflussen und wie diese fundamentalen Prozesse mit mythologischen Denkfiguren beschrieben werden können. Verbindendes Thema seiner Arbeiten ist die Frage nach verschiedenen Dimensionen von Raum und Zeit, Vergänglichkeit und Dauer in sowohl politischen als auch historischen, wissenschaftlichen und ästhetischen Kontexten.
2009 gründete er zusammen mit Steffen Bremer, Michael Gompf, Kurt Grunow, Andreas Mayer-Brennenstuhl, Karin Rehm und Harry Walter in Stuttgart das Begleitbüro SOUP, das Stuttgarter Observatorium urbaner Phänomene, das urbane Prozesse im lokalen Umfeld einer Langzeitbeobachtung unterzieht und die Ergebnisse in Form von Ausstellungen, Interventionen, Publikationen und performativen Wanderungen der Öffentlichkeit zugänglich macht.
Ulrich Bernhardt erhielt 2022 den Erich-Heckel-Preis des Künstlerbundes Baden-Württemberg für sein Lebenswerk. Seine Arbeiten wurden vielfach in Deutschland und international ausgestellt. Sie sind Teil zahlreicher öffentlicher und privater Sammlungen, darunter die Staatsgalerie Stuttgart, das Kunstmuseum Stuttgart, das Militärhistorische Museum der Bundeswehr in Dresden, das Haus der Geschichte Bonn, das Museum der Moderne Salzburg (Rupertinum), die Galerie Stadt Sindelfingen, die Mercedes-Benz Art Collection und das ZKM | Zentrum für Kunst und Medien Karlsruhe. Seit 2019 befindet sich das audiovisuelle Archiv mit 245 Videobändern, zahlreiche Publikationen und das Mail Art Archiv des Künstlers am ZKM.
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