Tomas Schmit

Tischtheater

aktuell ausgestellt

Künstler/in / Künstlergruppe
Tomas Schmit
Titel
Tischtheater
Auflage / Seriennummer
50
Kategorie
Multiple
Material / Technik
78 Textblätter, 5 zusammenklappbare Spielbretter, Pappschachtel, Hektografie auf Papier auf Karton
Maße / Dauer
17 x 33 x 3 cm
Sammlung
ZKM | Zentrum für Kunst und Medien Karlsruhe
Beschreibung

Das »Tischtheater« von Tomas Schmit besteht aus fünf zusammenklappbaren Spielbrettern aus Pappe, die beidseitig bedruckt sind, sodass sich zehn Spielbretter mit 78 Spielvarianten ergeben. Die Spielbretter enthalten einfache Handlungsanweisungen, denen die ZuschauerInnen folgen können. Das Einbeziehen des Publikums ist eine Grundforderung von Fluxus: das »publikum ist aufführer.«[1] Schmit verstand Kunst »[...] nicht als fertiges Repräsentationsstück, sondern als offenes Angebot, mitzumachen, nachzudenken, selbst zu vollenden.«[2] Der deutsche Künstler war ein wichtiger Akteur für die Anfänge der Fluxusbewegung in den 1960er-Jahren. Über Nam June Paik, den er 1961 traf, lernte er George Maciunas und die ersten Fluxus-Aktivitäten kennen. Wesentliches Ziel der Fluxusbewegung war es, die Grenzen zwischen Kunst und Leben sowie zwischen KünstlerInnen und dem Publikum aufzuheben. Schmit zog sich jedoch früh von der Fluxusaktion zurück, da ihm die radikalen Ideen von Fluxus nicht konsequent genug umgesetzt wurden.



Schmit konzipierte das Tischtheater zur »privaten Bewusstseinsbefriedigung.«[3] Darin steckt ein für den frühen Fluxus wesentlicher Gedanke, die Zurücknahme und Vermeidung von Kunst für die große Öffentlichkeit.

Schmit, der 1989 mit seiner Publikation »erster entwurf (einer zentralen ästhetik)« eine in der Wissenschaft anerkannte Einführung in die Gehirnforschung schrieb, hegte ein Interesse für die Naturwissenschaften und insbesondere für das Sehen. Den Prozess des Wahrnehmens zu beobachten, steckt auch in den Spielregeln des Tischtheaters, wenn es zum Beispiel darum geht, dass »ein glas wasser, / ein glas tee / ein glas bier und ein glas / salzwasser miteinander / um die wette verdunsten.«[3]





[1] Tomas Schmit, »58: 'tischtheater'«, in: tomas schmit, werke 1962 bis 1978,

Ausst.-Kat. (Köln: Kölnischer Kunstverein, 1978).

[2] Wulf Herzogenrath, »Vorwort«, in: tomas schmit, werke 1962 bis 1978,

Ausst.-Kat. (Köln: Kölnischer Kunstverein, 1978).

[3] Tomas Schmit, »58: 'tischtheater'«, in: tomas schmit, werke 1962 bis 1978,

Ausst.-Kat. (Köln: Kölnischer Kunstverein, 1978).

AutorIn: Teresa Heinzelmann

Über den/die Künstler/in