George Brecht

Water-Yam

1961

aktuell ausgestellt

Künstler/in / Künstlergruppe
George Brecht
Titel
Water-Yam
Jahr
1961
Auflage / Seriennummer
4
Kategorie
Multiple, Künstlerbuch
Material / Technik
Kartonbox mit 102 Karten, Offsetdruck
Maße / Dauer
Box 3,2 x 17,3 x 17,3 cm ; Karten zwischen 3 x 3 cm und 15 x 12 cm
Mitwirkende
Sammlung
ZKM | Zentrum für Kunst und Medien Karlsruhe
Beschreibung

»FÜNF ORTE. Schreibe das Wort EXPONAT auf jede der fünf kleinen Karten. Lege jede Karte an einen Ort, der recht weit von den anderen entfernt ist«[1] (Brecht, 1961)



»Water-Yam« ist eine Schachtel, die 102 weiße Karten enthält, auf denen in schwarzen Lettern Handlungsanweisungen, Ereignisse oder einzelne Gedanken geschrieben sind. Die Interpretation der Ereignisse und Umsetzung der Handlungsanweisungen sind den BesucherInnen beziehungsweise DarstellerInnen frei überlassen und die Karteikarten sind ohne jegliche Hierarchie geordnet.



Der US-amerikanische Künstler George Brecht, geboren als George MacDiarmid, komponierte in den 1960er-Jahren Partituren beziehungsweise Ereignisse, die er schriftlich transkribierte, wie beispielsweise die Aktion in der es darum geht leise Wasser zu verschütten. Inspiriert vom Komponisten John Cage entwickelte Brecht unter anderem musikalische Ereignisse, genannt event-scores, durch Zufallsverfahren und die Verwendung von Umgebungsgeräuschen. Für Water-Yam erweitert er diese event-scores für die Bereiche Malerei, Skulptur, Theater, das Alltägliche und das Außergewöhnliche, Humor, Mathematik, Logik und Irrationalität. »Alles, was ich tue, ist, die Dinge hervorzuheben. Aber sie sind bereits da«, erklärt Brecht. [2]



Die Einfachheit und Direktheit der Karten spiegeln die partizipative und experimentelle Philosophie von Fluxus wider. Dieser internationale, avantgardistische Zusammenschluss von KünstlerInnnen in den 1960er- und 1970er-Jahren strebte eine radikale Auflösung der Grenzen zwischen den einzelnen Kunstgattungen, zwischen Kunstschaffenden und Publikum sowie zwischen Kunst und Alltag an. Für die Fluxus-KünstlerInnnen waren Schachteln und Koffer wichtige Formate, die als alternative Verbreitungsmittel eingesetzt wurden. Preiswert in der Produktion richteten sie sich mit der Herausgabe von Editionen und Multiples gegen die sogenannte Hochkunst.





[1] George Brecht, »Water-Yam«, 1961

[2] Marianne Schmidt-Miescher, »Jenseits von Ereignissen: Texte zu einer Heterospektive von George Brecht«, Ausst.-Kat. (Bern: Kunsthalle Bern, 1978), 154. Übersetzt aus dem Französischen.

AutorIn: Dorothea Deli

Über den/die Künstler/in