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Werke der KünstlerInnen M–R

Infosphäre

© Emma Charles
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!Mediengruppe Bitnik:
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!Mediengruppe Bitnik

Random Darknet Shopper – The Bot’s Collection (2015)

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© Foto: ZKM | Zentrum für Kunst und Medien Karlsruhe, Foto: Anatole Serexhe
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Im verborgenen Untergrund des Internets, der über herkömmliche Browser und Suchmaschinen nicht zugänglich ist, florieren Märkte, auf denen man alle erdenklichen Dinge kaufen kann, darunter zum Beispiel harte Drogen und Waffen aller Art. Das Züricher Künstlerkollektiv !Mediengruppe Bitnik hat eine Software programmiert, die automatisch – ohne den Einfluss der KünstlerInnen – auf diesen Märkten einkauft. Dazu stand der Software ein Budget von $100 in Bitcoins – einer anonymen, digital verschlüsselten Kryptowährung – zur Verfügung. Zu den Dingen, die der sog. Bot eingekauft hat, gehörten gefälschte Turnschuhe und Markenjeans, eine Kreditkarte, der Scan eines ungarischen Passes und Ecstasy-Pillen. Nach einer Ausstellung der gekauften Dinge in St. Gallen wurden diese durch die Schweizer Staatsanwaltschaft beschlagnahmt. Inwieweit kann aber eine Software, die ohne menschlichen Einfluss handelt, für illegale Handlungen verantwortlich gemacht werden und wie lässt sich die Beschlagnahmung mit dem Prinzip der künstlerischen Freiheit in Einklang bringen? Die Schweizer Behörden vernichten das Ecstasy, um eine Gefährdung Dritter auszuschließen, und gaben die Arbeit schließlich an die KünstlerInnen zurück. »Random Darknet Shopper« steht in der Tradition der Mail Art, in der die organisierte Infrastruktur des Sendens und Empfangens auf dem Postweg zum Material und dabei künstlerisch überformt wird.

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Laurent Mignonneau & Christa Sommerer

Portrait on the Fly (2015)

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© Foto: ZKM | Zentrum für Kunst und Medien Karlsruhe, Foto: Anatole Serexhe
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»Portrait on the Fly« besteht aus einer Reihe interaktiver Porträts und Plotterzeichnungen. Sommerer und Mignonneau haben virtuelle Insekten so modelliert, dass sie in Echtzeit in der Lage sind, sich in Form von Porträts von Menschen anzuordnen. Das Werk spiegelt damit Giuseppe Arcimboldos fantastische Kopfkompositionen aus der Mitte des 15. Jahrhunderts wider, die von Roland Barthes als Ergebnis eines quasi-wissenschaftlichen Unterfangens betrachtet wurden. Die Insekten erkennen die Gesichtszüge der BesucherInnen und fungieren in ihrem Verhalten somit als eine Art verspielte und visionäre Unterversion eines Gesichtserkennungssystems. Zugleich wird durch die unablässigen, flüssigen Bewegungen der Fliegen, die auf die kleinste Änderung reagieren und so dem Bild eine beständige Unbeständigkeit verleihen, die sog. »Selfie-Kultur« hinterfragt. »Portrait on the Fly« existiert auch bereits in Form von Plotterzeichnungen und kurzen Videosequenzen. Die Künstler selbst und zahlreiche PionierInnen der Medienkunst in Theorie und Praxis (unter anderem Frieder Nake, Peter Weibel, Mark Wilson, Marie-Hélène Tramus und Christine Schöpf) erscheinen in der Serie und betonen damit die Verbindung des Werks zu den breiteren, sich stets im Fluss befindlichen Traditionen der Medienkunst.

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Jonathan Minard & James George

CLOUDS (2014–2015)

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© Foto: ZKM | Zentrum für Kunst und Medien Karlsruhe, Foto: Anatole Serexhe
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Mit »CLOUDS« hinterfragt eine Community aus KünstlerInnen, KuratorInnen, DesignerInnen und KritikerInnen aus dem Bereich der Neuen Medien den Wert von Code als visuelle und künstlerische Ausdrucksmöglichkeit und reflektiert zudem über die Auswirkungen emergenter Technologien auf unser Leben. Diese interaktive Dokumentation lädt die BetrachterInnen dazu ein, ein Netz aus Ideen zu erforschen, indem sie zwischen den Protagonisten hin und her wechseln, um diese zu steuern. Diese Hauptakteure gehören allesamt zu einer Generation von KünstlerInnen und HackerInnen, die Open-Source- Technologien für Experimente in den Feldern Kunst und Design nutzen. Als visuell beeindruckender Hybrid aus Dokumentation und Videospiel verleiht »CLOUDS« digitalen PionierInnen eine Konsistenz in 3-D: Sie teilen ihre Forschungsansätze, Visionen und Entdeckungen mit uns und geben der Infosphäre ihre rhizomatische Ästhetik und theoretische Essenz zurück. Jede SprecherIn liefert eine neue Perspektive auf zeitgenössische Szenarien, wie sie sich aus Algorithmen und Codes ergeben, wodurch ein weites Feld zahlreicher Möglichkeiten umrissen wird, das nach wie vor auf seine Erkundung wartet.

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Warren Neidich

The Search Drive (2014/2015)

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© Foto: ZKM | Zentrum für Kunst und Medien Karlsruhe, Foto: Anatole Serexhe
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»The Search Drive« ist ein Video, in dem Softwareprogramme, wie sie auch die National Security zum Einsatz bringt, um Amerikaner und ausländische Staatsbürger gleichermaßen auszuspionieren, offen gelegt und eingesetzt werden, um das Internet nach persönlichen und vertraulichen Informationen des Künstlers zu durchsuchen. Seine Konten bei Google, Facebook, Wikipedia und bei seiner Bank werden gehackt. Gemeinsam ergeben diese biografischen Umrisse von Neidichs künstlerischem Wirken und Schaffen sowie seinen Aktivitäten und Freundschaften etwas, was er eine »Hackografie« nennt. Eine ganze Reihe von Dingen werden über ihn enthüllt: Eine davon ist seine Beziehung mit und Verbindung zu seinem Atelierassistenten Ashiq Khondker aus Singapur, dessen tatsächliche Aktivitäten nur unklar zu erkennen sind, dem sich aber hypothetisch Kontakte zu radikalen Bewegungen in Berlin und Fernost unterstellen lassen – auf einem der gefundenen Bilder treibt er sich mit Pussy Riot herum, auf einem anderen trägt er arabische Roben. Im Anschluss wird eine fiktionale Biografie von Warren Neidich erschaffen, die auf Verknüpfungen in Form von Pressemitteilungen, Aufnahmen seiner Werke und Videos seiner Performances basiert. Nach einem inoffiziellen Schuldspruch wird daraufhin ein Drohnenstartprogramm eingeleitet. Es spürt Neidisch in Sankt Petersburg bei einer Performance auf der Manifesta 10 auf. Das Video endet mit einer Abfolge von Fragen: „Are you sure you want to deploy drones?“ [Sind Sie sicher, dass Sie Drohnen einsetzen wollen?].

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The Office for Creative Research

Gate Change (2012)

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© The Office for Creative Research, Foto: Courtesy
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Wenn pro Jahr mehr Flugtickets ausgestellt werden als es Menschen auf der Erde gibt, stellt sich die Frage, wie diese riesigen Mengen in geordnete Bahnen geleitet werden. The Office for Creative Research untersucht die erweiterte Infrastruktur des heutigen Luftverkehrs, bereitet die Daten mithilfe von Dokumentarfilmmaterial und unter Einsatz fortschrittlicher Visualisierungstechniken auf und ermöglicht es den BetrachterInnen, sich vorzustellen, wie es aussehen kann, wenn bis zu eine Million Menschen in der Luft unterwegs sind. Dabei versuchen Ben Rubin, Jer Thorp und Mark Hansen vor allem zu verdeutlichen, dass die Menschenströme auf Straßen und an zentralen Knotenpunkten auf dem Weg zu den Flughäfen immer mehr digitalen Datenpaketen ähneln, die gebündelt, verschickt, umgeleitet und verteilt werden. Quantitative Analysen wiederkehrender Reisemuster stehen genauso im Fokus wie das Nachzeichnen der Wege einzelner Passagiere durch Duty-Free-Läden und Sicherheitsschleusen, über Rolltreppen, in Flughafen-Shuttles, Aufzügen und den Check-In-Bereich bis zum Flugzeug selbst.

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The Otolith Group

Anathema (2011)

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»Anathema« von The Otolith Group spielt mit den bekannten Motiven des Traumfabrik-Kapitalismus: der Ideologie des LCD-Touchscreens und der Illusion der Vernetzung. Im Kern wird das Kapital als ein Parasit gesehen, eine glänzende Oberfläche, die die Welt betritt und die Interaktion von Menschen in Profit verwandelt. Der Film imaginiert eine Art dritte Dimension, in der Flüssigkristalle sich ins alltägliche Leben ausdehnen. Zugleich ist dies eine Metapher für den allgegenwärtigen, alles überwältigenden Kapitalismus sowie die abstrakte Repräsentation einer Welt der Fühlbarkeiten, wo Menschen scheinbar aus erotischen Trieben heraus handeln, um sich so den illusionären Verbindungen zu widersetzen, die der kommunikative Kapitalismus anstelle echter Kontakte fördert. Als abstrakte Übersetzung der allumfassenden kapitalistischen Zauberei ist der Film durchdrungen von einer psychedelischen Atmosphäre, in der die Grenzen zwischen Mensch und Maschine verschwimmen und der virtuelle Raum zu einem echten Raum wird. Anstatt einen Zustand zu prophezeien, porträtiert Anathema eine Dimension, die bereits jetzt unser Leben formt.

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Julius Popp

bit.code (2009)

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© ZKM | Zentrum für Kunst und Medien Karlsruhe, Foto: Anatole Serexhe
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D7 Paragraph: mod_text / GPC_ID: 2457
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Das Werk »bit.code« spielt mit einem der zentralen Themen in Popps Werk: der Neukodierung von Information und der Erkennbarkeit von Zeichen. Es erkundet die unendlichen Möglichkeiten zur Kombination einer endlichen Zahl von Bits, den kleinsten Daten- oder Informationseinheiten. Die Bits erscheinen als schwarze und weiße Elemente in einzelnen Abschnitten mehrerer Ketten. Jede Kette wird dabei unter Verwendung der gleichen Bitmuster kodiert, wodurch sie an Morsecode erinnern. Geraten sie in Bewegung, produzieren die Ketten Worte, die nur für einen kurzen Augenblick lesbar sind und wieder verschwinden, sobald die Ketten ihre Bewegung fortsetzen. Der Wort-Input wird durch die Begriffe gebildet, die laut einem statistikbasierenden Suchprogramm auf einer Reihe ausgewählter Nachrichtenwebseiten am häufigsten auftauchen. Somit spiegeln sie auch wider, welche Begriffe in unserer Kultur derzeit die größte Gültigkeit besitzen. Die wahrgenommenen Daten gewähren den BetrachterInnen kurze Gelegenheiten für Momente der Einkehr und der Klarheit – ehe der permanente Fluss von Anordnungen, Bewegungen und Änderungen von Neuem beginnt. Zugleich illustriert »bit.code« den Umstand, dass wir die Informationen, die in den Bits der Ketten immer enthalten sind, nur dann entschlüsseln können, wenn sie für uns in einen bekannten Schriftcode übertragen werden. Daher enthalten die Kettenmuster selbst komplexe Informationen, und jedes lesbare Wort, das erscheint, ist damit nicht die Lösung des Ganzen, sondern lediglich eine kleine Teilentschlüsselung.

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Jon Rafman

Warwick St, Gateshead, England, United Kingdom (2009)
Wang Noi, Phra Nakhon Si Ayutthaya, Thailand (2012)

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© Foto: ZKM | Zentrum für Kunst und Medien Karlsruhe, Foto: Anatole Serexhe
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D7 Paragraph: mod_text / GPC_ID: 2458
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Die ausgestellten Drucke sind Teil des 9-Eyes-Projektes, dessen Titel der Google-Technologie entliehen ist: Mithilfe von neun Kameras nimmt Google seit 2007 Panoramaaufnahmen von Straßen der Erde auf, die Teil von Google- Street-View – einer Anwendung von Google Maps – werden. Seit 2007 macht Jon Rafman Screenshots von einzelnen Bildern von Street-View, bevor diese durch Filter von Google Maps aus dem Programm entfernt werden. Das Google-Copyright und die Richtungspfeile von Street-View verleihen den Bildern besondere Authentizität. Der Cyberflaneur und -archäologe Rafman appropriiert die Bilder der durch die Maschine gesehenen Welt. Seine Motive, die von Gewalt, Zufall und Eigentümlichkeit der Realität zeugen, stehen aber in drastischem Widerspruch zur anscheinend kühlen und neutralen Ästhetik des Maschinensehens. Rafman sammelt unheimlich wirkende Spuren und interessiert sich für das Marginale. Der Künstler selbst versteht sich als Fotojournalist, der das deutlich macht, was Henri Cartier-Bresson als moment décisif bezeichnete – einen entscheidenden Moment, in dem alles zusammenkommt, um ein ikonografisch prägnantes Motiv festzuhalten.

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REMOTEWORDS (Uta Kopp / Achim Mohné)

RW.26 – RW.30: ONE EARTH UNITES MANY WORLDS (2015)

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© Achim Mohné, VG Bild-Kunst
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REMOTEWORDS ist ein 2007 ins Leben gerufenes Langzeitprojekt des Künstlerduos Achim Mohné und Uta Kopp: Auf den Dächern von Kulturinstitutionen werden Botschaften in riesigen Großbuchstaben angebracht, die nicht direkt lesbar sind, sondern erst verständlich werden, wenn die BetrachterInnen einen gewissen Abstand zu ihnen einnehmen. Hierfür stellen Satellitenansichten unseres Planeten, die zum Beispiel durch Google Earth oder Bing Maps bereitgestellt werden, die geeigneten Werkzeuge dar. REMOTEWORDS lehnt sich damit an die Methoden der Land-Art an und nutzt Satellitenfotografie als künstlerisches Medium und zur Verbreitung von Nachrichten. Im aktuellen Projekt wird ein von Peter Weibel verfasster Satz aufgeteilt und auf fünf Kulturinstitutionen auf fünf Kontinenten installiert. Neben Karlsruhe – hier wird die Botschaft auf dem Platz der Menschenrechte vor dem ZKM | Karlsruhe zu sehen sein – wird also an vier weiteren Orten die gemeinsame Botschaft veröffentlicht, in Taipeh, in Port-au-Prince, in Johannesburg sowie Auckland.

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Stephanie Rothenberg

Reversal of Fortune: Garden of Virtual Kinship (2013)

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© ZKM | Zentrum für Kunst und Medien, Foto: Felix Grünschloß
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Stephanie Rothenbergs interaktive, kinetische Installation »Reversal of Fortune: Garden of Virtual Kinship« thematisiert das neue kulturelle Phänomen des Crowdfunding für wohltätige Zwecke. Rothenbergs Installation ist direkt mit der Website www.kiva.org verbunden und speist sich aus ihren Daten. Kiva ist eine US-amerikanische Non-Profit-Organisation, deren Zweck es ist, individualisierte Kleinstbeträge und Mikrokredite über das Internet an Kleinbetriebe und Einzelpersonen in Entwicklungsländern zu verleihen. So können in wirtschaftlich schwache Regionen der Welt alternative Finanzierungsmodelle für Geschäftsideen entstehen. Diese Form der Entwicklungshilfe, die sich die Infrastruktur der Infosphäre zunutze macht, visualisiert Rothenberg mittels der eindrücklichen Metapher eines Bewässerungssystems: Im Ausstellungsraum befinden sich Wassertanks über einer Weltkarte, die mit über 650 Pflänzchen bestückt ist. Ein Roboterarm gießt die Pflanzen in Abhängigkeit zu den über das Internet gespendeten Geldbeträgen. Wird nicht gespendet, vertrocknen die Pflanzen. Die Karte bildet also zum einen unmittelbar die aufblühenden und verkümmernden Regionen der Welt ab und macht zum anderen die abstrakte, verborgene Infrastruktur des Daten- und Geldtransfers für die BesucherInnen physisch greifbar.

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RYBN.ORG

The Algorithmic Trading Freakshow (2013/2015)

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© Foto: ZKM | Karlsruhe, Foto: Anatole Serexhe
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D7 Paragraph: mod_text / GPC_ID: 2461
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Besonders die Finanzkrise ab 2007 hat deutlich gemacht, wie intransparent die Mechanismen der Finanzspekulation funktionieren, die imstande sind, die Weltwirtschaft zu destabilisieren und Märkte zu manipulieren. Unter anderem der ohne menschliche Eingriffe von Algorithmen gesteuerte Hochfrequenzhandel von Wertpapieren ermöglicht heutzutage unglaubliche Profite. Kaum eine andere Branche unterliegt derzeit so grundlegenden Transformationen durch die Informationstechnologie wie die Finanzwelt. Die ersten Versuche, die Kursbewegung an den Märkten mittels unterschiedlicher – oft auch esoterischer – Methoden, von der Wahrscheinlichkeitstheorie bis hin zur Quantenphysik und Algorithm Engineering vorherzusagen, wurden im frühen 20. Jahrhundert, kurz nach der Einführung der Finanzmathematik von Louis Bachelier, unternommen. Das Künstlerkollektiv RYBN.ORG dokumentiert diese Versuche in einer Sammlung obsolet gewordener, oft skurriler Trading-Experimente, pseudowissenschaftlicher Versuche, die Reaktion der Märkte beispielsweise meteorologisch oder astrologisch zu begründen, sowie seit den 1970er-Jahren zum Einsatz gekommener Algorithmen des spekulativen Handels.

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