Jagoda Szmytka

Feminale der Musik

Zu sehen ist eine Frau, die vor einem Klavier seitlich sitzt und vor ihr eine steinerne Löwenskulptur positioniert ist.

Jagoda Szmytka ist auf der »Bühne des Lebens« selbst als »Kunstfigur« präsent. Ihr Schaffensprozess und ihre Aufführungspraxis sind untrennbar mit ihrem Leben verbunden – sie spielt ständig zwischen »auf der Bühne leben« und »ihr Leben inszenieren«, indem sie Alltagssituationen in ihre Performances integriert oder als verschiedene Avatare »auf und abseits der Bühne« auftritt.

Jagoda Szmytka ist eine polnisch-deutsche Künstlerin, Komponistin und Kuratorin mit Sitz in Offenbach/Frankfurt am Main, Deutschland. Sie arbeitet interdisziplinär in den Bereichen Bildende Kunst, Musik und Theater, schafft Installationen, Performances (»Box der Gegenwart«, »Box des Glücks«), schreibt und inszeniert Opern, Musicals, Theaterstücke (»für Hände und Stimmen«, »Limbo Lander«, »LOST«, »DIY or DIE«, »Justice«) und komponiert elektronische und instrumentale Musik (Porträtalbum »Bloody Cherries«). Das Hauptthema des Schaffens von Szmytka ist nach dem Motto »Kunst soll für die Menschen, mit den Menschen, über die Menschen sein« das »menschliche Wesen« und »das menschliche Leben in seinem gegenwärtigen Zustand«.

Um »Kunst zu den Menschen zu bringen« und »Kunst mit Leben zu verbinden«, dehnt Szmytka ihre Kunstwerke, Theaterstücke und Musikkompositionen aus Galerien, Theatern und Konzertsälen in den öffentlichen Raum aus. Um das alltägliche Leben der Menschen zu durchdringen, nutzt sie nicht nur die Stadt als Bühne, sondern wendet auch transmediale und multimediale Techniken an; sie kommuniziert Kunstinhalte über mehrere Kanäle und bezieht das Publikum in die Aufführung mit ein. Auf diese Weise »bleibt die Kunst spielerisch«, »das Kunstwerk wird zur Spielwiese« und »das Publikum als Akteur gewinnt an Präsenz«.

Die Projekte von Szmytka werden oft über einen längeren Zeitraum aufrechterhalten. Diese verlängerte Zeitdauer ermöglicht einerseits den Aufbau einer stärkeren Beziehung zum Publikum in Form von Gemeinschaftsprojekten und schlägt eine Brücke von der Kunst zur Architektur durch »Bewohnen des Kunstraums«.

Ist das »lebendige Kunst« oder ist das »Kunst des Lebens«? Vielleicht einfach »menschliche Kunst«, die auf menschliche »Höhen« und »Tiefen« trifft, »maßgeschneidert«, »benutzerfreundlich« – Kunst für alle –, die sich ausstreckt, zugänglich und inklusiv ist. Um Inklusivität zu erreichen und durch Kunst mit einem helleren Publikum zu kommunizieren, nutzt Szmytka nicht nur verschiedene Kanäle und Medien, sondern wendet in ihrem Werk auch ein breites Spektrum von Ästhetiken, Stilen und Genres an, so dass jeder etwas »Geeignetes« oder »Anwendbares« finden kann. 

Darüber hinaus entwickelt sie die Technik des »Unheimlichen Tals« und wendet sie an – sie verwendet bekannte und beim Publikum beliebte Formen und Genres, wie z.B. Selfie-Kabinen, Fernsehshows, Fernsehserien, Spiele oder einfach Alltagssituationen. Am Ende – Kunst gehört zum Leben und erfüllt die Normen des zeitgenössischen Humanismus.

Szmytka ist Gründerin und künstlerische Leiterin der Kulturplattform »PLAY« und Sängerin und Liedermacherin des Art-Pop-Ensembles »ENTER«, die beide 2015 gegründet wurden. Sie studierte an der Hochschule für Musik Karlsruhe Komposition bei Prof. Wolfgang Rihm. Im Jahr 2018 wurde sie zur Vorsitzenden des Vereins »VERY« gewählt. Als Künstlerin und Komponistin wurde sie häufig von der Deutschen Akademie der Künste und dem Deutschen Musikrat unterstützt. Im Jahr 2017 war sie Artist-in-Residence in der Villa Serpentara (ADK) und über viele Jahre Artist-in-Residence am ZKM (Zentrum für Kunst und Medien). In enger Zusammenarbeit mit dem ZKM entstand 2015 »LOST«, eine transmediale Komposition, die über verschiedene Plattformen und Formate hinweg entwickelt wurde. Im Jahr 2016 wurde sie mit dem Deutschen Musikautorenpreis (GEMA) ausgezeichnet.

Musikstücke

A Play for Lions N’ Roses, in Kooperation mit Lisa Bensel und Dominique Theise, produziert für die Feminale der Musik des ZKM Karlsruhe, 2020 

sky-me, type-me, veröffentlicht von der Hochschule für Musik, Institut für neuere Musik und Medien. Aufführung 2012 im ZKM Kubus Karlsruhe. 

empty music, aufgeführt von dem Ensemble Garage im Rahmen der GLOBALE am ZKM | Karlsruhe 2015

DIY or DIE Intro, veröffentlicht durch und Gesamtkunstwerk von Jagoda Szmytka (Regie, Text, Komposition, Set, Bühne), Eclat Festival 2017 Stuttgart. »Vaudeville in 5 Teilen mit 5 realen Satelliten«. Jeder »klassische Akt«, der innerhalb des Theaters auf der »normalen Bühne« aufgeführt wird, hat einen »Akt bis«, der als »Satellit« in den öffentlichen Raum transferiert wird: Dach, Paintballsaal, Foyer usw. 

Jagoda Szmytka: »Intro, interesting in the time of today, what is our freedom NOW? Here is the dreamy atmosphere between reality and a dream and digital world – I was filming my real bed that I was sleeping in the theatre apartment, the sheets were green and I used them as a green screen. Funny thing – the video glitch that I use here to project on the bed, comes from the ‘empty music‘.« 

 

LOST ist eine transmediale Komposition, die über verschiedene Plattformen und Formate hinweg entwickelt wurde. Die kontextuelle Essenz von LOST liegt darin, die Grenzen zu verwischen zwischen Illusion und Realität, Leben und Kunst, dem was AUF und HINTER der Bühne geschieht, Privatem und Öffentlichem. Die ZKM Produktion enstand in Kooperation mit dem Warschauer Herbst. Die transmediale Komposition spiegelt sich in verschiedenen Formaten wider (LOST – PLAY und LOST – REVE RAVE). 

Jagoda Szmytka: »The piece was 'living' for more then 2 years. It had many parts and realisations.« 

LOST – PLAY

LOST – REVE RAVE

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Mo, 06.04.2020 – Fr, 01.05.2020

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