Ulay

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Ulay (1943, Solingen – 2020, Ljubljana), geboren als Frank Uwe Laysiepen, war einer der bedeutendsten Performancekünstler Europas. Nach einer Lehre als Maschinenbauer studierte er von 1962 bis 1968 Fotografie und begann in den 1970er-Jahren, mit visueller Poesie und Polaroidfotografie zu experimentieren. Er siedelte 1968 nach Amsterdam über und fotografierte dort Menschen am Rande der Gesellschaft – etwa Transvestiten, Drogenabhängige oder Obdachlose. Ab 1970 entwickelte Ulay dezidiert performative Fotografien: Er inszenierte den eigenen Körper vor der Kamera und zeigte geschlechtliche Identität als fluide, das Selbst als multipel und den Körper als anagrammatisch. Zugleich untersuchte er auch die Vergänglichkeit des Mediums Fotografie und inszenierte sie als prozessual und als performativen Akt.

1976 sorgte Ulay mit der Kunstaktion »Da ist eine kriminelle Berührung in der Kunst« für Aufsehen. Er stahl das Gemälde »Der arme Poet« von Carl Spitzweg aus der Neuen Nationalgalerie in Berlin und hängte es in der Wohnung einer türkischen Gastarbeiterfamilie auf. Später gab er das Gemälde zurück, stellte sich der Polizei und wurde verhaftet. Die Aktion machte nicht nur auf die Widersprüche zwischen den Idealen des Kunstbetriebs und den sozioökonomischen Realitäten aufmerksam, sondern prägte über viele Jahre auch die Debatte über das Verhältnis von Kunstfreiheit und Kriminalität.

Von 1976–1988 schuf Ulay gemeinsam mit seiner damaligen Lebenspartnerin Marina Abramović wegweisende Performances, in denen sie die physischen Grenzen des Körpers, extreme Bewusstseinszustände sowie künstlerische Identität ausloteten. Sie setzten sich mit traumatischen Erfahrungen in Beziehungen auseinander sowie mit Relationalität, insbesondere zwischen Mann und Frau. 

Von 1998 bis 2004 war Ulay Professur für Performance an der Staatlichen Hochschule für Gestaltung Karlsruhe.

Neben Fotografien und Videodokumenten von Performances in der ZKM | Sammlung befinden sich seit 2020 auch sechzehn Videos des Künstlers im Archiv des ZKM.

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