Blaffert & Wamhof: Versuch – Bergen-Belsen
Eine Betonmauer mit einer Lüftung links und einer Überwachungskamera rechts oben
19.06.2015 – 18.09.2015
Als Chronisten eines kontinuierlichen Abschieds arbeiten Blaffert & Wamhof bereits seit 2007 an Dokumentationen im Rahmen des Abzugs der Britischen Streitkräfte aus Deutschland. Im Zentrum ihrer künstlerischen Arbeit stehen die Themen Landschaft, Architektur und Mensch. Dabei interessieren sich die Künstler weniger für das Militärische, als vielmehr für die Spuren des Alltagslebens innerhalb einer, nach außen geschlossenen Community in einer Zeit des historischen Übergangs. So werden sie Zeugen eines transitorischen Moments – eines Augenblicks des »Nicht Mehr« und »Noch Nicht«.

Für das aktuelle Projekt haben die Künstler die Garnison Bergen-Hohne aufgrund ihrer geografischen Nähe zum ehemaligen Konzentrationslager Bergen-Belsen ausgewählt. Diese zusätzliche Dimension der Überlagerung und Verdichtung von Geschichte ermöglicht eine weitere, differenzierte künstlerische Auseinandersetzung mit dem vertrauten Thema. Die Garnison Bergen–Hohne befindet sich in der Nähe eines großen Truppenübungsplatzes, welcher in den 1930er-Jahren von der Wehrmacht angelegt worden war. Teile der Baracken aus der Bauphase dienten den Nationalsozialisten während des Zweiten Weltkrieges als Unterkünfte für Gefangene des Konzentrationslagers Bergen-Belsen. Nach der Befreiung des Lagers im Jahr 1945 übernahm die Britische Armee den Kasernenstandort der Wehrmacht im benachbarten Bergen sowie in Fallingbostel.

Im Fokus der künstlerischen Arbeit von Blaffert & Wamhof entstehen Landschafts- und Architekturaufnahmen im Bereich des Truppenübungsplatzes sowie Aufnahmen von Teilen der Kasernen. Neben der Situation der Britischen Armeestandorte interessiert sie in Bergen-Hohne mehr als an den bereits fotografierten Standorten das Aufspüren und Sichern der Geschichte dieser Orte, die hier aus unterschiedlichen Gründen eine wichtige und bedrückende Rolle spielt. Die Befreiung des KZ durch die britischen Streitkräfte jährt sich 2015 zum 70. Mal, ein weiterer Grund, das Thema zu aufzugreifen und zu vertiefen. Viele Gebäude auf dem Gelände des Bergen-Hohne Stützpunkts waren 1945–1950 als Displaced-Person-Camps und als Notlazarett genutzt worden.

Die Serie »Versuch: Bergen-Belsen« sind erste Skizzen des Vorhabens, einen historisch bedeutungsschweren Ort heute fotografisch zu erfassen und zu begreifen, ohne historisches Material zu bemühen. Gezeigt werden Fotos und Dokumente, die während der Vorbereitung der Dokumentation 'Bergen-Hohne' entstehen. Innerhalb der Ausstellungszeit werden die Künstler weitere Arbeiten hinzufügen; der Versuch einer Dokumentation wird so als Arbeitsprozess in der Ausstellung sichtbar gemacht.

Im Anschluss an die Präsentation im ZKM werden die Fotografien ende 2015 im Dokumentationszentrum der Gedenkstätte Bergen-Belsen gezeigt werden. Parallel dazu werden die Aufnahmen aus den Britischen Kasernen im Kunstverein Springhornhof, Neuenkirchen gezeigt.

Zur Ausstellung ist eine Publikation mit Texten von Bettina von Dziembowski und Thomas Rahe erschienen:
»REVISITED. Lohheide und Bergen-Belsen«
128 Seiten, 71 Farbfotos, 20 Schwarzweiß-Fotos,
Hrsg. Stiftung niedersächsische Gedenkstätten und Kunstverein Springhornhof e.V., Neuenkirchen (Soltau), 2016
ISBN 978-3-9813604-5-5