Vom 13. zum 21. Jahrhundert: Ramon Llull und Open Codes

23.05.2018

Blick in die Ausstellung »DIA-LOGOS. Ramon Llull und die Kunst des Kombinierens«

Liebe Besucherinnen, liebe Besucher,

haben Sie sich eigentlich schon gefragt, was im 1. Stock über »Open Codes« zu sehen ist und sind die Treppen hinaufgestiegen? Die Ausstellung »DIA-LOGOS. Ramon Llull und die Kunst des Kombinierens« rückt eine überragende Figur des Mittelalters in den Fokus: Ramon Llull war ein Denker, der sich zwischen den Welten bewegte.

Sein Leben spielte sich ab zwischen seinem Geburtsort Mallorca, dem spanischen Festland, dem westlichen Europa und dem östlichen Mittelmeer und somit auch entlang der Schnittstellen der christlichen, jüdischen und muslimischen Kultur. Er zählt zu den großen Gründungsvätern und aufgeklärtesten Geistern der europäischen Kultur. Dass Europa Moderne und Innovation für sich proklamieren kann, basiert auch wesentlich auf dem Werk von Ramon Llull.

Ramon Llulls "Ars Magna Figura 1" aus Ars generalis ultima (ca. 1305)
Ramon Llulls »Ars Magna Figura 1« aus »Ars generalis ultima« (ca. 1305)

Ramon Llulls Erfindung von drehbaren Papierscheiben, mit denen man Begriffsbeziehungen formalisieren konnte, sind die ersten »Papiercomputer«. Sie lassen die Entwicklung bis zur jetzigen Ausstellung »Open Codes« deutlich erkennen. Die Technik, die Llull anwandte, stellt einen frühen Versuch dar, das Denken zu mathematisieren und zu mechanisieren. Die sogenannte »ars combinatoria«, die Ramon Llull begründete, hat Gottfried Wilhelm Leibniz dazu angeregt, ein binäres System zu beschreiben, das auf den Zahlen 0 und 1 beruht, und später George Boole (Boolesche Algebra).

Quellcode in schwarz, blau und pink.
Karin Sander, »XML-SVG CODE / Quellcode des Ausstellungsraums«, 2010/2017, in der Ausstellung »Open Codes. Leben in digitalen Welten«

Alle Computer, mit denen wir heute arbeiten, verwenden dieses binäre Zahlensystem. Auch die einfachen und höheren Programmiersprachen wie C++, Java und Python basieren auf diesem Zahlensystem. In der Ausstellung werden auch wahre Inkunabeln präsentiert: Eine Original-Rechenmaschine des Württembergers Philipp Matthäus Hahn (1739-1790) und die Rechenmaschine von Leibniz. Llull hat auch zahlreiche Künstler über Jahrhunderte beeinflusst (Dalf, Täpies, Kiefer, Schönberg etc.).

Sie sollten sich nicht entgehen lassen, diesen einmaligen Parcours vom 13. bis zum 21. Jahrhundert zu erleben – die Tiefenzeit der europäischen Kultur, welche die EU nicht kennt – den die beiden Ausstellungen eröffnen! »DIA-LOGOS. Ramon Llull und die Kunst des Kombinierens« ist noch bis 5. August 2018 zu sehen und »Open Codes« haben wir bis 6. Januar 2019 verlängert.

Ihr Peter Weibel

Blick in die Ausstellung »DIA-LOGOS. Ramon Llull und die Kunst des Kombinierens«
Kategorie: eintauchen