Entangled Transparency 3.0
Das Bild zeigt verschiedene Netzwerkstrukturen.
Online-Konferenz
Do, 09.03.2023 10:00 Uhr CET, Konferenz
Online
Eintritt frei

Wie verändert die Blockchain-Technologie die Kultur? Und welche Folgen ergeben sich für unsere Selbstbestimmung? In der Online-Konferenz suchen das ZKM | Karlsruhe, das Hyundai Artlab und das Goethe-Institut Korea nach Antworten.

Das Thema web3 wurde in letzter Zeit ausführlich diskutiert. Seit der Hype um NFTs (non-fungible tokens) im Jahr 2021 seinen Höhepunkt erreichte, ist Blockchain-Technologie in aller Munde – und das, obwohl sie bereits vor mehreren Jahren, bereits 2014, erstmals verwendet wurde.

Computer und Automatisierung sind unaufhaltsam dabei, die politische Weltordnung auf globaler Ebene umzugestalten, nationale und persönliche Souveränität zu untergraben und neue Formen des Regierens hervorzubringen. Zusammen mit der Klimakrise sind der exponentielle Anstieg der Computertechnologie und die daraus resultierende Forderung, unser Verständnis des Politischen zu verändern, einige der größten Probleme unserer Zeit. Klimawandel und Souveränität sind jeweils hybride Konstrukte, eingebettet in soziale und ökologische Zusammenhänge. Souveränität, ob national oder persönlich, ob in Bezug auf Geopolitik oder Selbstbestimmung, muss ständig neu verhandelt werden, um ein Gleichgewicht zu finden, und ist daher auf den freien Informationsfluss angewiesen. 

Gegenwärtig funktioniert das Instrument, mithilfe dessen wir über nationale Grenzen hinweg in Verbindung bleiben, wie eine absolute Monarchie mit einigen wenigen Königen, Königinnen und Aristokrat:innen. Während diese Regierungsform in den meisten Teilen der Welt durch andere politische Systeme ersetzt wurde, funktioniert das Internet immer noch genauso. Anstelle einer zentralisierten Struktur würde eine dezentrale, föderale Lösung einen Übergang von der Monarchie zur Demokratie ermöglichen, was die Selbstbestimmung im Online-Raum fördern würde. Es liegt an uns, ob wir die gegenwärtigen Post-Überwachungs- und Informationsgesellschaften, die von einer Handvoll Unternehmen kontrolliert werden, verlassen und eine dezentralisierte "vertrauenslose" Peer-to-Peer-Lösung erarbeiten. Das web3 bietet eine Blockchain-basierte Lösung für dieses strukturelle Problem.

Konferenz-Programm

Fragmente der Infrastruktur, die eine weltweite Dezentralisierung ermöglichen würde, sind bereits angelegt. Doch ihre Einzelheiten erscheinen für viele schwer fassbar und unzugänglich und auch die Frage nach ihrer Nachhaltigkeit muss dringend angegangen werden. Über diese grundsätzlichen Punkte hinaus stellt sich die Frage, ob und wie wir unsere persönlichen und nationalen Souveränitäten in einem Szenario definieren, in dem ein dezentrales Netzwerkmodell erfolgreich ist. Wenn wir die Wahrung unserer Privatsphäre an algorithmische Agenten delegieren – wie können wir dann unsere Selbstbestimmung auf einem akzeptablen Niveau erhalten?

In seinem Buch »The Neganthropocene« (2018) stellt Bernard Stiegler fest, dass "wir keine totale Transparenz erzwingen können, ohne in den Totalitarismus der Computertotalisierung (computational totalization) zu verfallen, der das Individuum in das diskrete und berechenbare Ganze auflöst, wo sich alles auf die reine Kalkulation reduziert."

Mit diesem Zitat im Sinn stellt die Konferenz aus einer kulturellen Sicht die Frage nach der Transparenz, ihren Widersprüchen, Herausforderungen und Risiken innerhalb einer neuen Art von Web. Darüber hinaus werden auch die Auswirkungen von Blockchain-basierten Technologien auf Kunstinstitutionen hinterfragt. Gemeinsam mit internationalen Praktiker:innen, Künstler:innen, Forscher:innen und Theoretiker:innen wollen wir einen Dialog über Alternativen zum derzeit genutzten web2 anstoßen.

Als beispielhafter web3-Prototyp wird ein von Peter Weibel inspiriertes Endlos-Gedicht das Diskussionsprogramm begleiten. Der renommierte Medienkünstler und Geschäftsführer des ZKM startet den kollaborativen Online-Text. Der Faden kann dann von anderen aufgenommen werden, ähnlich wie beim surrealistischen Spiel »Cadavre Exquis«, nur mit dem Unterschied, dass hier die zuvor geschriebenen Einträge sichtbar bleiben.

In Kooperation mit