Medienmuseum

Schatten von Kindern, die mit imaginären Seifenblasen interagieren

Das Medienmuseum war weltweit das erste und einzige Museum für interaktive, partizipative Medienkunst. Seine Konzeption, seine Aufgabe und sein Wirken basierten auf einem erweiterten Medienbegriff, der Medien nicht als audiovisuelle Geräte, sondern als performative Werkzeuge versteht.

Seit seinen Anfängen widmete sich das Medienmuseum in ständig wechselnden thematischen Ausstellungen und Aktionen der Erforschung, Darstellung, Kritik und Diskussion der technologischen Entwicklung im Bereich der Neuen Medien und ihrer rasant fortschreitenden globalen Vernetzung. Im Zentrum seiner Fragestellung standen immer wieder die Bedingungen und Auswirkungen der digitalen Medien auf unser Zusammenleben in allen Bereichen der Kultur und Gesellschaft.

Es wird heute nicht mehr dezidiert vom »Medienmuseum«, sondern allgemein von den Ausstellungen des ZKM gesprochen, denn die Neuen Medien und Medienkunst sind zu einer selbstverständlichen Angelegenheit geworden. Der Fokus, der zuvor auf die Räumlichkeiten des Medienmuseums begrenzt war, erstreckt sich seit 2016 offiziell auf alle Ausstellungen des ZKM.

Kritischer Blick auf Medienhistorie und zukünftige Entwicklungen

Indem das Medienmuseum in seinen Ausstellungen die interessantesten Entwicklungen in Technik und Kunst für ein Publikum aller Altersschichten erschloss und interaktiv erlebbar machte, indem es verbreitete digitale Technologien – von populärer Spielkultur bis zu den aktuellsten Kommunikationsformen – präsentierte, gab es einen tiefen Einblick in die bestehenden und künftigen Entwicklungen unserer Gesellschaft und Kultur. Hierbei scheute es nicht die kritische Konfrontation mit den Produkten der globalen Entertainment- und Kommunikationskultur und die Hinterfragung von bestehenden Entertainmentformaten, von neuen Kommunikationsformen und dadurch ermöglichten Kontroll- und Überwachungstechniken.

Einzigartiges Kompetenzzentrum

Aufgrund seiner langjährigen täglichen Erfahrung mit technisch unterschiedlichsten Werken der Medienkunst und der kontinuierlichen wissenschaftlichen Erforschung ihrer Bewahrung war das Medienmuseum weltweit als das Kompetenzzentrum für die Konservierung von Medienkunst anerkannt. Seine breit angelegte vielfältige Sammlung ist einmalig und international gefragt. Hiervon zeugen häufige Leihanfragen aus allen Ländern ebenso wie die Präsenz seiner Werke in internationalen Ausstellungen, bei Festivals und Biennalen und die Kooperationen mit allen wichtigen Kunstinstitutionen weltweit.

Breites Themenspektrum: von Beat Generation bis Gameplay

In mehr als 150 internen und über 50 externen Ausstellungen in vielen Ländern der Welt erlangte das Medienmuseum seit seiner Eröffnung im Jahr 1997 international einen hohen Rang in der künstlerisch-kreativen Auseinandersetzung mit neuen Bild-, Klang- und Kommunikationswelten. Die Sammlung des Medienmuseums umfasste alle historischen und neuen Medien: Sie reichte von den Anfängen der Schrift als Speicher- und Kommunikationsmedium über die ersten Computeranwendungen bis zu den neuesten Kreationen von interaktivem Film und Video, von zukunftsweisenden 3-D-Simulationstechniken bis zur massenhaften persönlichen Nutzung von kreativen Applikationen in sozialen Netzwerken und in den Massenmedien. Sein Themenspektrum reichte von der globalen Netzkunst über den Anagrammatischen Körper bis zur Rhetorik der Überwachung; vom Aufeinanderprallen medialisierter Bildwelten über die Zukunft des Films bis zu den medialisierten Jugendkulturen; von der Algorithmischen Revolution über das Jahrhundert der Konsumenten, Imagining Media und Car Culture bis zur Sound Art; von Babelworld und dem Move on Asia über die Beat Generation und das aktuellste Gameplay bis zu den faszinierenden Installationen, Objekten und Performances der Choreografin Sasha Waltz.

Zu den ProtagonistInnen der Ausstellungen des Medienmuseums gehörten zahlreiche VertreterInnen aus Kunst, Philosophie und Wissenschaft, unter anderem Maryanne Amacher, Lia Menna Barreto, Jean Baudrillard, Max Bense, Florent Bérenger, Bertha Bermudez, Bazon Brock, Guy Debord, Gilles Deleuze, Olafur Eliasson, Harun Farocki, Mary Flanagan, Michel Foucault, Allen Ginsberg, Agnes Hegedüs, Perry Hoberman, Rebecca Horn, Marie Jo Lafontaine, Lynn Hershman Leeson, Annette Messager, Nam June Paik, Ulrike Rosenbach, Jill Scott, Bill Viola, Paul Virilio, Erwin Wurm und Iannis Xenakis.

Als Kern des Kraftwerks ZKM setzte das Medienmuseum im Rahmen der GLOBALE 2015/2016 mit einer groß angelegten Überblicksschau neue und kritische Akzente in der globalen Auseinandersetzung mit der Infosphäre. Diese befasste sich mit der zunehmend intensivere Auseinandersetzung mit den gesellschaftlich und global relevanten Themen der Überwachung und Zensur, der kulturellen Vielfalt und der medialen Konzentration. 

Im Zuge der GLOBALE wurde auch sichtbar, dass die Etablierung einer großen Ausstellungsplattform ohne die bisherige Untergliederung in »Medienmuseum« und »Museum für neue Kunst« zeitgemäß ist, da der bisher auf das Medienmuseum begrenzte Fokus nun für alle Ausstellungen des ZKM Relevanz erlangte.

Um den Anforderungen der digitalen Gesellschaft gerecht zu werden, wurde 2017 außerdem das Hertz-Labor gegründet, das in seiner agilen Struktur Forschung und Produktion vorantreibt und in einer erweiterten Form die Tätigkeit der Institute für Bildmedien und Musik und Akustik fortführt.