Bernhard Sandfort
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Bernhard Sandfort (1936, Köln – 2020, Mannheim) studierte nach einer Schreinerlehre an den Kölner Werkschulen und der Staatlichen Werkkunstschule in Kassel. Der Malerei wandte er sich als Autodidakt zu. In Abgrenzung zu Informel und Tachismus entwickelte er ein strenges malerisches Konzept, das sowohl auf geometrischer Abstraktion als auch auf Zufallsverfahren basierte. Sein Werk steht einerseits der konkreten Kunst mit ihrem rationalen Kalkül nahe, andererseits der Op Art, die das Publikums zur Interaktion mit dem Werk einlädt.
Sandforts mehrteilige, großformatige Gemälde zeigen kräftige Farbstreifen, die geometrische Strukturen erzeugen. Dabei setzte Sandfort Zufallsprinzipien ein, um den Winkel der Linien zueinander und Farbfolgen festzulegen. Die Leinwände sind oft modular angeordnet. 1968 prägte er dafür den Begriff der »metastatischen« oder auch »dialogischen« Malerei. Gemeint war damit ein Prinzip, das nicht nur auf den statischen Konstanten des Horizontalen und Vertikalen beruht, sondern die Dialektik von Systematik und Zufall, Ordnung und Entropie im wissenschaftlichen Sinne ästhetisch auslotet.
Geprägt von den Vorstellungen der Nachkriegsmoderne, die davon ausging, dass Kunst Gesellschaft mitgestalten könne, gründete Sandfort 1969 die Galerie für kollektive Kunst in Berlin – die erste Produzentengalerie in Deutschland. Damit machte er den Kunstbetrieb selbst zum Gegenstand seiner Arbeit.
1970 eröffnete er die Produzentengalerie Augenladen in Mannheim. Nach der dialogischen Malerei suchte er nun den direkten Dialog mit den Besucher:innen. Dieses gesellschaftspolitische Engagement manifestierte sich auch im »Museum der Fragen«, einer Kunstaktion, die er ab 1977 kontinuierlich erweiterte. In performativen Befragungen im öffentlichen Raum forderte Sandfort Menschen dazu auf, eigene Fragen zu stellen. Anstatt vorgefertigte Antworten zu geben, gab er Zweifeln, Vielstimmigkeit, Offenheit Raum und leistete so einen realen Beitrag zum demokratischen Diskurs auf lokaler Ebene. Die Sammlung des »Museums der Fragen« dokumentiert die Mentalitätswechsel und politischen Strömungen dieser Jahre.
2012 widmete das ZKM Bernhard Sandfort die Ausstellung »Dialogische Malerei und das Museum der Fragen« sowie die Publikation »Bernhard Sandfort: Produzentengalerie, Dialogische Malerei, Museum der Fragen«.
Seit 2020 befindet sich das Archiv Bernhard Sandforts im ZKM. Es enthält Typoskripte, Korrespondenzen, Fotografien, Einladungen, Flyer und Zeitungsartikel zu seinen Ausstellungen, den Produzentengalerien und dem »Museum der Fragen«.
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