- Veranstaltung
- Filmvorführung
Filmscreening: György Kepes. Interthinking Art + Science
mit anschließender Panel-Diskussion
Mi, 20.05.2026 19:00 Uhr CEST
„Mit dem Gehirn eines Wissenschaftlers, dem Herzen eines Dichters und dem Auge eines Malers“ – das war das Leitprinzip von György Kepes, einem Künstler, Designer und kulturellen Impulsgeber, der den Begriff des „Interthinking“ prägte. Mit diesem Konzept entwarf er einen kühnen neuen Ansatz: Künstler und Ingenieure zusammenzubringen, um einige der drängendsten Probleme der Welt anzugehen – etwa ökologisches Bewusstsein, erweiterte Realität und adaptives Design – lange bevor diese Ideen zum Mainstream wurden.
Obwohl er bis heute vergleichsweise wenig Anerkennung findet, reichte Kepes’ Einfluss weit über die Grenzen der Kunst hinaus. Von der Zusammenarbeit mit Bauhaus-Größen in Europa bis hin zur Prägung der Kulturlandschaft des Nachkriegsamerikas war er weniger ein isoliertes Genie als vielmehr ein kraftvoller Ermöglicher – ein „aktiver Humanist“, der sich für die Demokratisierung der visuellen Kultur einsetzte und den interkulturellen sowie interdisziplinären Dialog förderte, vom Atlantik bis nach Südostasien.
Kepes’ visionärste Leistung war die Gründung des Center for Advanced Visual Studies (CAVS) am MIT – eine bahnbrechende Plattform, die Künstler und Wissenschaftler zusammenbrachte, um gemeinsam neue Wege des Sehens und der Auseinandersetzung mit dem öffentlichen Raum zu erforschen. Seine Bemühungen, Technologie zu humanisieren und Kunst im öffentlichen Bewusstsein zu verankern, fanden in einem paradoxen Moment statt: Während das MIT wegen seiner Verbindungen zur Militärforschung während des Vietnamkriegs kritisch betrachtet wurde, entwickelte Kepes eine Gegenperspektive – eine, die Umweltethik und gesellschaftliche Verantwortung in den Vordergrund stellte.
Der Dokumentarfilm von Márton Orosz bietet das erste umfassende Porträt dieses vielgestaltigen Modernisten und intellektuellen Impulsgebers. Er zeigt Kepes nicht nur als visionären Denker und Universalgelehrten, sondern auch als eine prägende Figur der Kunst-und-Technologie-Bewegung, deren Ideen bis heute erstaunlich aktuell sind.
Kanada / Ungarn, 2024
98 Minuten
Regie: Márton Orosz
Panel-Diskussion mit:
Dorcas Müller (ZKM)
Philipp Ziegler (ZKM), Moderation
Ming Tsai (Tsai Foundation)
Márton Orosz (Regisseur)