Versammlung zu permazirkulären Museen
Foto der ZKM-Streuobstwiese, darübergelegt eine Mindmap in weißer Handschrift, in der Mitte steht "Critical Orchard Observatory"
Ausstellungswesen, Vermittlung und Fürsorge in Zeiten der ökologischen Krise
Mi, 21.04.2021 – Sa, 24.04.2021
Online
Sprache: Englisch

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Der Kulturbetrieb gibt ökologischen sowie postkolonialen Diskursen immer mehr Raum, steckt jedoch zugleich selbst in kapitalistischen Verstrickungen. Wie können seine Institutionen den radikalen Wandel hin zu einer permazirkulären Zukunft vollziehen?

In den vergangenen Jahren haben sich in Museen, auf Biennalen und in anderen Kulturinstitutionen zahlreiche künstlerische und diskursive Beiträge derselben Frage gewidmet: Wie kann die Kunst Solidarität, ökologisches Handeln und Fürsorge zwischen den Arten fördern? Das Aufkommen dieser »terrestrischen Wende« (»terrestrial turn«) im Kultursektor steht allerdings in direktem Zusammenhang mit der Globalisierung der Kunstindustrie und deren Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen, billigen Flügen und materieller Anhäufung. Gleichzeitig gewinnen postkoloniale Diskurse auch in jenen kulturellen Räumen an Sichtbarkeit, deren eigene Geschichte auf kolonialem Diebstahl fußt. Wie können Institutionen, die in einem kapitalistischen Kontext verstrickt sind, ihren ökologischen Fußabdruck und die Umstände der eigenen Produktion reflektieren? Mit anderen Worten: Kann eine Institution sich überhaupt selbst neu erfinden, und welches Selbstverständnis brauchen Museen heute?

In der Nachhaltigen Ökonomie steht der Begriff »Permazirkularität« für eine Neudimensionierung von Unternehmen im Einklang mit der Tragfähigkeit des Systems Erde sowie für ein Umdenken von Wissensstrukturen und Methoden im Dienste der Pflege unseres Planeten. Die Versammlung, die den ökologischen blinden Fleck des Ausstellungswesens zum Ausgangspunkt nimmt, ruft Institutionsleitungen, Kurator:innen, Aktivist:innen, Künstler:innen und Vermittler:innen dazu auf, Museen als Vorreiter eines radikalen Wandels zu begreifen und ihrem Transformationspotential nachzugehen.  

Die viertägige Veranstaltung umfasst Impulsvorträge, Fallstudien, Diskussionsrunden und künstlerische Performances, um über die Zukunft der Kunstinstitutionen nachzudenken, Erfahrungen auszutauschen und über Allianzen mit radikalen und Graswurzelbewegungen zu sprechen. Die Konferenz findet im Rahmen des Projekts »Notes Towards a Permacircular Museum« von Stéphane Verlet-Bottéro statt, welches Teil der Ausstellung »Critical Zones. Horizonte einer neuen Erdpolitik« ist. Nach einer Kartierung des ökologischen Fußabdrucks der Ausstellung und der anschließenden kollektiven Pflege einer verlassenen Streuobstwiese in der Nähe des ZKM geht das Projekt nun der Frage nach, wie Museen ihre Sammlungs- und Konservationspraktiken auf die Solidarität mit und den Schutz von menschlichen wie nicht menschlichen Entitäten ausrichten können.

Die Veranstaltung findet in englischer Sprache statt.

Ihr habt Fragen oder Anregungen? Schreibt gerne eine Nachricht an hellocriticalzones@zkm.de

Bitte beachten Sie: Die in Zoom aufgezeichneten Panels werden zu einem späteren Zeitpunkt veröffentlicht.

Programm

Zeitzone: CEST, Änderungen im Zeitplan vorbehalten.

Die mit * markierten Panels werden in geschlossenen Zoom-Diskussionen in englischer Sprache abgehalten

Mittwoch, 21. April 

14:00–15:30 Uhr   

 

 

 

    

 

 

      

 

Einführung – Fragen auflesen (Zum Livestream mit deutschem Simultandolmetschen)

 

Die Einführungsrunde möchte möglichst viele Fragen aus den Reihen der Projektinitiator:innen, der eingeladenen Referent:innen und zugeschalteten Teilnehmer:innen zusammentragen, um damit den Horizont der Versammlung zu eröffnen. Immer häufiger fordern Kulturinstitutionen, der Natur eine Stimme zu geben oder ihr sogar eigene Rechte zuzugestehen. Welche Folgen hat es für die Ethik und Praxis kultureller Einrichtungen, wenn wir diesen Anspruch ernst nehmen? Welche neuen Perspektiven brauchen Kunstinstitutionen in einer Zeit, die Bruno Latour als »Neues Klimaregime« bezeichnet, und wie können wir Selbstkritik in Handlung umsetzen?

 

mit

Lucia Pietroiusti (Kuratorin der General Ecology an der Serpentine Gallery, London)

Pooja Sood (KHOJ International Artists Association, Neu Delhi)

Stéphane Verlet-Bottéro (Künstler, Umweltschützer, Kurator)

Peter Weibel (Künstlerisch-wissenschaftlicher Vorstand des ZKM | Zentrum für Kunst und Medien Karlsruhe)

und einer Aktivierung von Mira Hirtz (Performancekünstlerin und Kunstvermittlerin, Karlsruhe)

16:00–18:00 Uhr   

»Institutionen neu denken« * – moderiert von Lucia Pietroiusti (Kuratorin der General Ecology an der Serpentine Gallery, London) 

 

Eine Kunstinstitution ist ein Ort der Begegnung zwischen Subjektivitäten, Sichtbarkeiten und Weltgestaltungen. Ihre Grundfunktionen basieren auf der Bewahrung und Erhaltung, der materiellen Anhäufung und der energieintensiven Praktiken. Die Diskussionsrunde dreht sich um das Konzept des »Fußabdrucks der Kunst« und soll offenlegen, dass Museen auf Methoden zurückgreifen, die der umweltfeindlichen Logik des Kapitalismus entspringen, etwa Klimatisierung, Billigflüge oder das Konzept des White Cube. Welche Strategien im Geiste von Ivan Illichs »Selbstbegrenzung« könnten zu einem Umdenken in den Kulturinstitutionen führen und klimaverträglich organisierte Gemeinschaften (»low carbon communities«) stärken? 

 

mit                                                                  

Diane Drubay (Gründerin von We Are Museums, Berlin)

Hicham Khalidi (Direktor der Jan van Eyck Academie, Maastricht)

farid rakun (Mitglied der ruangrupa, künstlerische Gesamtleitung der documenta 15)

Tino Sehgal (Künstler)

und einer Aktivierung von Mira Hirtz (Performancekünstlerin und Kunstvermittlerin, Karlsruhe)

 

Donnerstag, 22. April

14:00 Uhr 

     

 

»Horizons for our back (walking piece)« * – Performativer Spaziergang mit Astarti Athanasiadou (Choreografin, Performerin, Amsterdam) 

 

»Horizons for our back«  ist ein bewegungsbasiertes Forschungslabor, das innere somatische Räume erforscht, die sich mit der äußeren Umgebung überschneiden, als ein Prozess der Verkörperung von Resilienz. Der Körper wird als ein organisches Phänomen konzipiert; omnizentrisch, antihierarchisch und äußerst empfindlich gegenüber äußeren Reizen. Das Forschungslabor wird eine immersive Erfahrung bieten, die sich mit der Frage beschäftigt, wie wir unseren Stand gegenüber der unbekannten Zukunft verkörpern und wie wir uns zu dem verhalten, was wir hinter uns lassen.

 

Die Teilnehmenden werden gebeten, einen Stift, Papier und eine analoge Uhr mitzubringen und etwas Raum zum Bewegen und Hinlegen zu haben.

16:00–

18:00 Uhr

   

»Mobilität und Kunstpraxis« * – moderiert von Martin Guinard 

(Ko-Kurator von »Critical Zones. Horizonte einer neuen Erdpolitik«)

 

Ein steigendes Bewusstsein für die Folgen des Klimawandels sowie die aktuelle Pandemie stellen die globale Mobilität in beispielloser Weise auf die Probe. Ort, Raum und Bewegung werden neu definiert. In seinen Schriften zur »Poetik der Beziehung« erläutert Édouard Glissant den grundlegenden Unterschied zwischen ökonomischer Globalisierung und planetarischer Globalität. Wie können Kulturinstitutionen diese Veränderungen aufgreifen und ihre Beziehung sowohl zu lokalen Kontexten als auch zur translokalen Verbreitung von Ideen und Formen neu bewerten? Wie kann es uns gelingen, über den Dualismus von fossiler Hypermobilität und identitätspolitischer Rückbesinnung hinauszudenken?

 

mit

Marco Baravalle (Forscher und Aktivist bei IUAV und Sale Docks, Venedig)

Oliver Kandt (Kurator und Direktor von Parallel Oaxaca, Oaxaca) und Edith Morales (Künstlerin, Aktivistin, Milpa Urbana, Oaxaca)

Jakob Kudsk Steensen (Künstler, Berlin)

Pia Lindman (Künstlerin, Forscherin des Subsensorischen und Gründungsmitglied von Solbacka ecovillage, Inkoo)

und einer Aktivierung von Benoît Verjat (Forschungsdesigner)

18:30–20:30 Uhr    

»Terrestrische Praktiken im Ausstellungswesen« * – moderiert von Daria Mille (Kuratorin am ZKM | Zentrum für Kunst und Medien) und Matthias Gommel (Künstler und Ausstellungsgestalter, Karlsruhe)

 

Mit verantwortungsvollen Ansätzen in der Ausstellungsplanung lässt sich der ökologische Fußabdruck kultureller Institutionen verkleinern. Dieses Panel ist dem Austausch über nachhaltigere Ausstellungspraktiken gewidmet und soll verdeutlichen, wie wichtig es ist, dass kulturelle Einrichtungen Verantwortung für die Umweltauswirkungen ihres eigenen Handelns übernehmen. Es werden Fallstudien von Expert:innen vorgestellt, die derartige Ansätze in der Praxis anwenden, aber auch mögliche Hürden auf dem Weg zur Ökologisierung der Kunstmuseen thematisiert. Die Runde schafft einen Raum für Diskussion und Austausch zwischen Fachleuten aus dem Kunstsektor, wobei auch aus den Erfahrungen anderer musealer Institutionen gelernt werden soll.

 

mit

Ianina Prudenko und Alexei Shulgin (Co-Gründer:innen des »Art Footprint Manifesto«)

Graciela Melitsko Thornton (Programmleitung Creative Green, Julie’s Bicycle, London)

Andrea Trimarchi und Simone Farresin (Design-Studio Formafantasma, Amsterdam)

Helen Turner und Pablo Wendel (Co-künstlerische Leitung, E-WERK Luckenwalde)

und einer Aktivierung von Benoît Verjat (Forschungsdesigner)

 

Freitag, 23. April

14:00–16:00 Uhr 

     

 

»Das Museum als Rückzugsort« * – moderiert von Stéphane Verlet-Bottéro (Künstler, Ökologe, Kurator)

 

In Anlehnung an die anhaltende Debatte über die Rückgabe von Raubobjekten aus westlichen Museen möchten wir die Rolle kultureller Institutionen bei der Pflege unseres Planeten hinterfragen. Das in dramatischem Tempo voranschreitende globale Artensterben gibt Anlass, die Konservationspraktiken kultureller Institutionen aus einem neuen Blickwinkel zu betrachten. Könnte deren Expertise in den Bereichen Pflege und Instandhaltung auch auf mehr-als-menschliche Gemeinschaften ausgedehnt werden? Wie können kulturelle Räume in Zeiten schwindender Rückzugsorte dazu beitragen, Leben zu bewahren und zu schützen?

 

mit  

Amal Khalaf (Programmdirektor bei Cubitt, London)

Klass Kuitenbrouwer (Kurator, Forscher, Zoöp Co-Initiator am Het Nieuwe Instituut, Rotterdam)

Sonia Lawson (Direktorin des Palais de Lomé)

Nataša Petrešin-Bachelez (Kuratorin, Programmleitung im Cité Internationale des Arts, Mitbegründerin der Initiative for Practices and Visions of Radical Care, Paris)

Ela Spalding (Künstlerin~Vermittlerin entlang der Kunst und Ökologie, Estudio Nuboso)

und einer Aktivierung von Alecia Neo (Künstlerin, Singapur)

17:00–19:00 Uhr 

   

»Horizonte einer terrestrischen Vermittlung« * – moderiert von Barbara Zoé Kiolbassa (Kunstvermittlerin am ZKM | Zentrum für Kunst und Medien) und Alessandra Pomarico (Kuratorin, Autorin, Gründerin der Free Home University, Redakteurin bei www.artseverywhere.ca)

 

Eine neue Erdpolitik verlangt nach einer neuen erdgebundenen Vermittlung, die genauso zu einem Umdenken der Kulturinstitutionen gehört. Wie könnte eine Praxis der terrestrischen Vermittlung aussehen? Wovon und von wem müssen wir lernen? Was müssen wir verlernen? Und wie kann Kunstvermittlung eine Neuverflechtung der Beziehungen unterstützen, damit wir mit, für und durch das Mehr-als-Menschliche denken? Gemeinsam mit Vermittler:innen, Künstler:innen und anderen Lernenden möchten Möglichkeiten erforschen, wie eine Kunstvermittlung im Sinne eines artenübergreifenden Weltmachens aussehen kann und das Selbstverständnis kultureller Institutionen noch weiter verändern kann. Vermittlung wird hier politisch verstanden, als eine grundlegende Form der Fürsorge.

 

mit

Dr. Cara Courage (Leiterin der Tate Exchange)

Ph.D. Kū Kahakalau (Indigene Lehrerin, CEO EA Ecoversity, Hilo, Hawai'i (Besetztes Land))

Marion Louisgrand-Sylla (Mitbegründerin des Kër Thiossane, Dakar) 

Rosario Talevi und Sarah Bovelett (Floating University, Berlin)

und einer Aktivierung von Alecia Neo (Künstlerin, Singapur)

19:30–20:15 Uhr   

(An)Schluss (Zum Livestream mit deutschem Simultandolmetschen)

 

Ausblick für eine permazirkuläre Museumskultur

mit »Sonosfera«, einem Stück von Jorge Bejarano Barco

 

 

 

 

Samstag, 24. April

16:30–17:30 Uhr 

     

 

»Kitchen_Ferm_Lab–digital«  – Sonderausgabe: Veganer Honig 

Das Kitchen_Ferm_Lab beschäftigt sich mit der Veredelung von Nahrungsmittel und Züchtung von Algen, Pilzen, Bakterien und deren Symbiosen. Woher kommen die Milchsäurebakterien? Welche Umgebung ist für eine Vermehrung notwendig? Was ist ein Scoby? Wie entsteht wilde Hefe? Gibt es magischen Schimmel? In diesem Hybrid-Workshop, der digital und analog angeboten wird, fermentieren und experimentieren wir gemeinsam vom Karlsruher Kimchi, Kombucha bis Koji. In dieser Sitzung erforschen wir die Wunder der veganen Honigherstellung.

 

mit

Fanny Kranz (Designerin und Kunstvermittlerin)

Max Kosoric (Designer und Kunstvermittler)

Karsten Michael Drohsel (Produktionskollektiv Wien)

 

Der Workshop ist ausgebucht.


 

 

Die mit * markierten Panels werden in geschlossenen Zoom-Diskussionen abgehalten. Die Anmeldung dafür ist kostenfrei und über das untenstehende Formular möglich.

Versammlung zu permazirkulären Museen – Einführung

Versammlung zu permazirkulären Museen: (An)Schluss

Website
Die Einführung und der (An)Schluss im Livestream
Konzept:

Barbara Zoé Kiolbassa, Jessica Menger, Daria Mille und Stéphane Verlet-Bottéro

Organisation / Institution
ZKM | Zentrum für Kunst und Medien

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Gefördert durch die Kulturstiftung des Bundes, die Baden Württemberg-Stiftung und das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst des Landes Baden-Württemberg im Rahmen des Impulsprogramms »Kunst trotz Abstand«

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