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TURNS ECO/EXO: SCREAMING VIBRATION
Lila-Zoé Krauß x Rojin Sharafi
Do, 30.04.2026 19:00 Uhr CEST
SCREAMING VIBRATION bringt zwei herausragende, internationale Stimmen der experimentellen Musik in den Klangdom: Lila-Zoé Krauß (L Twills) und Rojin Sharafi. Krauß orientiert sich an Wahnsinnszenen aus Opern und verwebt sie in neuen Narrativen über Mental Health in ökologischer Fragilität. Sharafi kombiniert experimentelle Musik mit Noise zu viszeralen Sounds, die von organisch bis mechanisch reicht. Gemeinsam verwandeln sie den Raum in eine vibrierende Umgebung zwischen innerer Spannung und kosmischer Weite.
Der neue Zyklus ECO/EXO überführt zentrale Spannungsfelder der Gegenwart in immersive Klangräume und verbindet ökologische Fragilität mit spekulativen, außerirdischen Perspektiven. Beide künstlerischen Positionen nutzen den Raum als aktives kompositorisches Element und arbeiten mit vielschichtigen elektroakustischen Verfahren. Das Konzert stellt zwei unterschiedliche Herangehensweisen an Material, Wahrnehmung und Zeit gegenüber. Gemeinsam eröffnen die Werke neue Hörperspektiven zwischen Körper, Umwelt und Imagination.
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The Art of Mind
Lila-Zoé Krauß (L Twills)
[The Art of Mind] ist eine neue multimediale Oper. In diesem Projekt untersuche ich postmoderne Subjektivität und Handlungsfähigkeit (Agency) anhand der Geschichte des Wahnsinns im Europäischen Kontext. Durch die Verbindung von Musik, Video, Performance und computergestützten Medien erforscht die Arbeit, wie Regime von Rationalität, Produktivität und Normativität durch moderne Psychiatrie, Medien und demokratischen Kapitalismus geformt werden.
Im Kubus am ZKM präsentiere ich das Herzstück der Oper – einen Ausschnitt ihrer räumlichen Komposition. Angesichts einer scheinbar zerfallenden Welt dient die musikalische Form der Mad Scene als strukturelle Linse für die fünf Teile des Werks: ein Prolog und vier Akte.
Seit die autofiktionale Figur Girl mithilfe des Computerprogramms The Art of Mind durch ihren Verstand gereist ist, spürt sie etwas, das unwiederbringlich verloren scheint. Noch fehlen ihr die Worte dafür. Stattdessen manifestiert es sich als fremde Stimmen, die sie zugleich rufen und heimsuchen. Während ihre Mutter MOW beschließt in der psychiatrischen Klinik zu bleiben, anstatt einem vom Arbeitsamt vorgegebenen Masterplan zu folgen, macht sich Girl auf die Suche nach dem Ursprung des Computerprogramms – in der Hoffnung, die seltsamen Rufe entschlüsseln zu können.
Charakterisiert durch abrupte Wechsel, fragmentierte Sprache und vokal entgrenzten Ausdruck, dramatisiert die Mad Scene traditionell den psychischen Zerfall einer Figur. In The Art of Mind wird diese Form zu einem Medium, um unsere Beziehung zum Wahnsinn neu zu denken und die emotionale Landschaft einer Welt in der Krise zu artikulieren.
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Sinthome
Rojin Sharafi
Sinthome ist die Soloversion von Sinthome’s Scenery, einer Performance von Rojin Sharafi, die sich als ein klanglicher Zustand der Verflechtung entfaltet. Sie greift das Konzept des Psychoanalytikers Jacques Lacan auf, der das „Sinthome“ als einzigartigen Knoten beschreibt, der das Dasein zusammenhält, und steht zugleich im Einklang mit den Überlegungen der Philosophin Denise Ferreira da Silva zu Relationalität und Verflechtung. Das Werk erkundet eine Zeitlichkeit, in der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft ineinander verwoben bleiben.
Durch mikrotonale Strukturen, polymetrische Spannungen, analoge Synthesizer, Stimme, Live-Processing und elektronisch transformierte Klänge bewegt sich das Stück zwischen Härte und Zerbrechlichkeit, Dichte und Offenheit. Folkloristische Spuren und abstrakte Geräuschtexturen existieren gleichberechtigt nebeneinander, während akustische und elektronische Materialien beständig ineinander übergehen. Anstatt einer linearen Erzählung zu folgen, entfaltet sich Sinthome durch Schnitte, Übergänge und instabile Kontinuitäten.
Klang wird hier zu einem Mittel, das heterogene Zeiten und Affekte zusammenhält – ein Knoten, durch den Bruch, Erinnerung und Beharrlichkeit zugleich hörbar werden.