Annegret Soltau

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© Annegret Soltau

Annegret Soltau (*1946, Lüneburg) gilt als eine Pionierin der feministischen (Medien-)Kunst in Deutschland. Sie studierte Malerei und Grafik an der Hochschule für Bildende Künste in Hamburg und an der Akademie der Bildenden Künste in Wien. Im Rahmen von Stipendien arbeitete sie in Mailand und an der Villa Massimo in Rom. Ihr künstlerisches Schaffen reicht von der Zeichnung über die erweiterte Fotografie und Video bis hin zur Installation. Seit Mitte der 1970er-Jahre entwickelte sie ihre Fotoübernähungen, Fotoradierungen und Fotovernähungen.

Ausgehend von eigenen Abbildern und denen naher Verwandter schuf Soltau Bilder des weiblichen Körpers, die letztlich die menschliche Existenz selbst reflektieren – etwa die Transformationsprozesse des Lebens wie Schwangerschaft, Geburt und Altern sowie die Beziehungen zwischen den Generationen. Mit ihrem Ehemann, dem Bildhauer Baldur Greiner, bekam sie eine Tochter und einen Sohn. Ausgehend von dieser Erfahrung beschäftigte sie sich in wegweisenden Video- und Fotoarbeiten mit der Vielschichtigkeit von Schwangerschaft, Geburt und Mutterschaft als körperlichen und sozialen Prozess. Dabei stellte sie als eine der ersten Künstlerinnen die Frage nach der Vereinbarkeit der Rolle der Frau als Künstlerin mit derjenigen als Mutter – ein Thema, das erst in den letzten Jahren in den Fokus gerückt ist. 

Mithilfe des Fadens und des Vernähens materialisiert Soltau Relationen, sowohl im Medium der erweiterten Fotografie als auch in ihren Videoarbeiten. Dabei werden die Materialität des Körpers und die der Medien auf neue Art miteinander verwoben. Die Vernähungen können einschnüren und verletzen, Wunden verschließen oder verstümmeln. Sie können aber auch Beziehungen sichtbar machen und neu knüpfen, zu anderen Menschen, aber auch zu Tieren. Soltau hat so hybride Wesen, die Körperpolitiken im Zeitalter biotechnologischer Entwicklungen und der Digitalisierung thematisieren, geschaffen. Sie nutzt seit den 1970er-Jahren den Faden, um Beziehungen und Verflechtungen zu untersuchen. Heute sind der Faden und das Fadenspiel in posthumanistischen und feministischen Debatten von Tim Ingold bis Donna Haraway präsenter denn je. 

Nachdem ihre Werke lange Zeit, insbesondere in Deutschland, zensiert wurden, gilt Annegret Soltau heute als eine der bedeutendsten feministischen Künstlerinnen des Landes. Das Videoarchiv der Künstlerin befindet sich seit 2010 am ZKM und umfasst ca. sechzig Bänder.

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