Bernhard Leitner: Akustische Architektur
19.10.2002 – 01.12.2002

Wie klingt akustische Dichte? Kann das Gehirn sich selbst hören? Der österreichische Künstler Bernhard Leitner zeigt im ZKM die Installation »Akustische Architektur« und präsentiert seine CD Kopf-Raum-Stücke.
 
Zwanzig von der Decke freischwebend abgehängte Metalltafeln – warm gewalzte Industriebleche, 3 mm stark, 2,5 m hoch, 1,5 m bzw. 1,25 m breit – bilden die Wände einer passagenartigen, akustischen Architektur. Lautsprecher, die magnetisch im mittleren Bereich der Metallplatten montiert sind, übertragen das Ton-(Bau-)Material auf die Stahlflächen und verwandeln diese in tönende Resonanzflächen. Der 75 cm breite Raum zwischen den parallel abgehängten Tafeln wird durch die gegenseitig abgestrahlten Schwingungsfelder akustisch verdichtet, dass ein körperlich-sinnlich wahrnehmbarer Ton-Raum entsteht, der den Körper ebenso umhüllt wie durchdringt und erfüllt. Eine »Tuba-Multiphonics-Komposition« (Basstuba mit Oberton-Schwingungen) versetzt die verzweigte Architektur unisono, d.h. alle Wandflächen zeitgleich, in akustische Schwingung. Die Metalltafeln transformieren zu oszillierenden, schwebenden Resonanzwänden, welche die schmalen Gang-Räume entgrenzen, verengen und weiten. In den Pausen des Ton-(Bau-)Materials schwingen die Räume bis zu fünfzehn Sekunden aus, linear in der Zeitachse langsam verklingend. Als Kontrast zu dem statischen, lang gezogenen Tuba-Material rhythmisieren kurz gestoßene Posaunensequenzen die Wände, die dann wellenartig verhallen. Die schweren Metallplatten, dem Auge Gewicht, Masse und Zeitlosigkeit suggerierend, erzeugen in ihrem Klang zeitlich begrenzte, akustisch körperintensive, aber immer wieder ins Leichte, ins Gewichtslose entschwebende Räume: Eine Architektur, die sich im Pianissimo auflöst.

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