Karl Oskar Blase
Archiv
Karl Oskar Blase (1925, Köln – 2016, Kassel) war ein deutscher Maler, Bildhauer, Grafiker und Kurator. Ab 1964 prägte er als Grafiker das Erscheinungsbild der documenta in Kassel. Blase, der von 1966 bis 1992 als Professor für Kunst und Visuelle Kommunikation an der Kunsthochschule Kassel lehrte, begriff Gebrauchsgrafik als integralen Bestandteil der visuellen Kultur, die den Tendenzen der modernen Kommunikationsgesellschaft folgen muss. So entwarf er prämierte Plakate, Typografien, Signets und sogar Briefmarken.
1972 entwickelte Blase die »Audiovisuelle Dokumentation« der documenta 5. Diese gehörte zu der »neuen Informationsstruktur« der documenta unter der künstlerischen Leitung von Harald Szeemann. Blase dokumentierte die Vorbereitungen und die Ausstellung der documenta 5 systematisch mit der Videokamera. Das Konvolut aus Performances, Interviews und Gesprächen mit Künstler:innen, Vermittler:innen und Besucher:innen wuchs während der Laufzeit der documenta von zunächst zwanzig auf etwa siebzig Bänder an. Dabei zeichnete Blase wegweisende Performances wie Joseph Beuys’ »Boxkampf für direkte Demokratie durch Volksabstimmung« (1972) oder Franz Erhard Walthers Demonstration seines »1. Werksatzes« (1972) auf. Die Besucher:innen konnten sich die Videos während der Ausstellungsdauer im Erdgeschoss des Fridericianums in Kassel auf zwei Monitoren vorführen lassen.
Neben der »Audiovisuellen Dokumentation« gehörte auch die Besucherschule von Bazon Brock, dessen audiovisuelles Archiv sich ebenfalls am ZKM befindet, zur neuen Informationsstruktur der documenta 5, die heute als wegweisende Ausstellungspraxis des 20. Jahrhunderts gilt.
1977 wurde Blases Projekt in der »Videothek« der documenta 6, die von Manfred Schneckenburger kuratiert wurde, fortgeführt. Sie umfasst 36 U-Matic-Bänder mit Interviews.
Die von Karl Oskar Blase 1972 vor und während der documenta 5 aufgenommen Bänder im Akai-Viertel-Zoll-Format wurden 2001 am ZKM auf Digibeta überspielt und 2002 in einer interaktiven Abspielstation ausgestellt. 2005 erfolgte eine erneute Digitalisierung mit deutlich besseren Ergebnissen, 2008/2009 wurden einige der Aufnahmen nochmals digital bearbeitet. Im Archiv Karl Oskar Blase befinden sich ergänzende Dokumente zur »Audiovisuellen Dokumentation« sowie die Bänder der »Videothek« der documenta 6.
Karl Oskar Blases Sohn Christoph Blase baute am ZKM das Labor für antiquierte Videosysteme auf und leitete es bis 2010.