telewissen
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Die Gruppe telewissen wurde 1970 von Herbert Schuhmacher und Inge Schumacher-Schüle in Darmstadt gegründet und war eine der ersten Initiativen der Videokunst in Deutschland. Zur Gruppe gehörten in wechselnden Besetzungen auch Hans Schuhmacher, der Bruder von Herbert Schuhmacher, sowie dessen Söhne Jan, Frank und Nik Schuhmacher, außerdem Klaus Dumuscheit, Gisela Eisenhardt, Gunter Gutmann, Georg Schneider, Rolf Schnieders, Irmgard Thoms, Jürgen Vogt, Barbara Vogt-Hägerbäumer und Rainer Witt.
Die interaktive Videoaktion »Der Magische Spiegel«, die telewissen am 10. Dezember 1970 in Darmstadt durchführte, war eine der ersten – wenn nicht die erste – Closed-Circuit-Installation in Deutschland: In der Innenstadt stand ein roter VW-Bus mit geöffneter Heckklappe, die den Blick auf einen laufenden Fernseher freigab. Besucher:innen, die sich näherten, wurden von einem Spiegelbild ihrer selbst auf dem Bildschirm überrascht. Eine Sony Portapak-Videokamera nahm das Geschehen vor dem Fernseher auf, und das Video wurde gleichzeitig live sichtbar. Die Besucher:innen konnten sich so erstmals selbst im Fernsehen sehen und partizipierten damit unmittelbar an der Produktion des Inhalts.
Bei der documenta 5 im Jahr 1972 befragte telewissen in der Arbeit »documenta der Leute« das Publikum vor dem Fridericianum in Kassel. Die Kommentare wurden anderen Besucher:innen vorgespielt, die wiederum befragt und gefilmt wurden. Ziel war es, neue kommunikative Situationen und Diskussionsformate im öffentlichen Raum zu stimulieren, Video als Erkenntnis- und Kommunikationsmittel zu zeigen sowie das demokratische und emanzipatorische Potenzial der Videotechnologie zu demonstrieren.
Vor dem Hintergrund medientheoretischer Schriften von Marshall McLuhan, den Aktivitäten von US-amerikanischen Videokunstgruppen wie der Raindance Corporation, der sich entwickelnden Medienkunstszene in Darmstadt sowie neuer antiautoritärer Erziehungskonzepte und neuer Lernformen forderte telewissen das Publikum dazu auf, Fernsehen selbst zu machen und eigene Inhalte zu produzieren. In einer Zeit, in der es in der Bundesrepublik Deutschland nur zwei öffentlich-rechtliche Fernsehsender gab, war das Ziel von telewissen so eine Demokratisierung des Mediums.
Seit 2005 befinden sich im ZKM | Archiv zwölf Videobänder, die im ZKM | Labor für antiquierte Videosysteme digitalisiert wurden, sowie Briefe.
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