The Paul Ryan Video Collection
Archiv
Paul Ryan (1943, New York City – 2013, Solebury, Pennsylvania) war ein US-amerikanischer Videokünstler und Theoretiker. Er begann seine Laufbahn als wissenschaftlicher Mitarbeiter von Marshall McLuhan an der Fordham University und wandte sich dort dem Medium Video zu. 1969 war er Mitbegründer der »Raindance Corporation« (ab 1971 »Raindance Foundation«), deren Archiv sich ebenfalls im ZKM befindet und der sich die Ausstellung »Radical Software. The Raindance Foundation, Media Ecology and Video Art« (2017–2018) im ZKM widmete. Ryan veröffentlichte zahlreiche Artikel in der Zeitschrift »Radical Software«. Seine Arbeit »Everyman’s Moebius Strip« wurde 1969 in der wegweisenden Ausstellung »TV as a Creative Medium« in der Howard Wise Gallery in New York gezeigt.
Paul Ryan nutzte das Medium Video zur Untersuchung urbaner Umwelten und Ökoysteme und entwickelte einen ökologisch orientierten Ansatz der Videoproduktion. Auf Grundlage der Semiotik von Charles Sanders Pierce and der Kybernetik von Gregory Bateson schuf er das »Earthscore Notational System« – ein Notationssystem für eine gemeinsame Wahrnehmung ökologischer Realitäten im Medium Video. Basierend auf Charles Sanders Peirces phänomenologischen Kategorien entwickelte Ryan zudem das relationale Konzept des »Threeing«. Dabei handelt es sich um eine soziale Praxis, in der drei Personen oder Elemente nachhaltige, kooperative Beziehungen aufbauen, sowohl zwischen Menschen als auch zwischen Menschen und Ökosystemen. Auch dieses Konzept fand seinen Ausdruck im Medium Video. Das Ziel bestand darin, Verhaltensweisen hervorzurufen, die mit den selbsterhaltenden Mechanismen der Erde im Einklang stehen, und so mithilfe künstlerischer Strategien das Überleben der Menschheit zu sichern. Damit machte Paul Ryan schon früh auf das Potenzial des Mediums Video aufmerksam, ein neues relationales, ökologisches Denken zu etablieren und Kunst als Werkzeug für gesellschaftlichen Wandel im Sinne einer »kybernetischen Guerilla-Kriegsführung« zu nutzen.
Ryan war als Professor für Medienproduktion und -theorie am Savannah College of Art and Design und an der New School for Social Research tätig. Er war zudem Mitbegründer des Gaia Institutes, dessen Co-Direktor er von 1985–1991 war.
Seit 2016 befinden sich über 1000 Videos der Paul Ryan Collection im Archiv des ZKM. Im Projekt »Video-Wissen. Künstlerische Medienforschung in der frühen Videokunst« (2020), welches von Barbara Filser zusammen mit Studierenden des KIT umgesetzt wurde, sind die Videos teilweise erschlossen worden.
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