Tomoko Sauvage

Feminale der Musik

Foto der Komponistin Tomoko Sauvage vor Schalen, die mit Wasser gefüllt sind. In den Schalen hängen Mikrofone.

Ihre musikalischen Experimente basieren auf einer Praxis, die die Improvisation und Interaktion mit der Umgebung untersucht – dem akustischen Raum und Medium, das durch Architektur, Temperatur, Feuchtigkeit und menschliche Präsenz beeinflusst wird.

Tomoko Sauvage ist geboren und aufgewachsen in Yokohama, Japan. 2003 zog Sauvage nach ihrem Jazz-Klavierstudium in New York nach Paris, wo sie heute lebt und arbeitet. Durch das Hören von Alice Coltrane und Terry Riley begann sie sich für indische Musik zu interessieren und studierte die Improvisation von Hindustani-Musik. Im Jahr 2006 besuchte sie ein Konzert von Aanayampatti Ganesan, einem Virtuosen der Jalatharangam – dem traditionellen karnatischen Musikinstrument mit wassergefüllten Porzellanschalen. Fasziniert von der Einfachheit der Vorrichtung und der Klangfülle, begann Sauvage sofort, in ihrer Küche mit Essstäbchen und Porzellanschalen zu experimentieren. Bald entstand aus dem Wunsch, ins Wasser einzutauchen, die Idee, ein Unterwassermikrofon zu verwenden, dies führte zur Entstehung des elektro-aquatischen Instruments. Tomoko Sauvage arbeitete an diesem »natürlichen Synthesizer«, welcher Wasser, Keramik und Hydrophone (Unterwassermikrofone) kombiniert. Porzellanschalen, Wassertropfen, Wellen und Blasen sowie hydrophonische Rückkopplung und Elektronik sind die Hauptbestandteile ihres Instruments, das die skulpturale und flüssige Klangfarbe erzeugt. Durch ursprüngliche Elemente, ergänzt durch Technologie, belebt durch rituelle und doch spielerische Gesten, betrachtet, stimmt Sauvage in ihrem Werk sowohl das Materielle als auch das Immaterielle ab und verbindet sich mit ihm, wobei sie eine fragile Balance zwischen Zufall und Beherrschung hält. Beispielsweise gibt es nicht planbare Parameter bei ihren Performances. Denn Klangraum, Temperatur sowie Luftfeuchtigkeit haben einen großen Effekt auf ihre Aufführungen oder eben die Verdunstung des Wassers, welche durch die Anwesenheit des Publikums beeinflusst wird.

Sauvage hat zwei Soloalben veröffentlicht, »Ombrophilia« (and/OAR, 2009) sowie »Musique Hydromantique« (Shelter Press, 2017). Ihre Kompositionen wurden in Radios und Fernsehsendern wie BBC, France Musique, NPR, ORF und Deutschlandfunk Kultur ausgestrahlt. Sauvages Performances wurden bei internationalen Festivals präsentiert, darunter: The Long Now - Maerz Musik (Berlin), Centre Pompidou Metz, Roskilde Festival, Unsound Festival (Krakau), Nyege Nyege Festival (Uganda), V&A Museum (London), Museo Reina Sofia (Madrid) und Riga International Biennial of Contemporary Art. Ihre Installationsarbeiten wurden u.a. in Kunstzentren und Museen ausgestellt: Sharjah Art Foundation (Vereinigte Arabische Emirate), Ex Teresa (Mexiko-Stadt) und Empty Gallery (Hongkong). Im Jahr 2016 war sie die Artist-in-Residence im Boulder Museum of Contemporary Art (Colorado).

*Unterstützt von La Pommerie/ CRAFT (Kreation der Porzellanschalen, Limousin, Frankreich) und Aquarian Audio (Hydrophone, USA)

 

Feminale der Musik

Live-Interview mit der Komponistin Tomoko Sauvage 

Musikstücke

Calligraphy, veröffentlicht, komponiert und produziert von Tomoko Sauvage zu finden auf »Musique Hydromatique«, 2017 Shelter Press

Fortune Biscuit, veröffentlicht, komponiert und produziert von Tomoko Sauvage zu finden auf »Musique Hydromatique«, 2017 Shelter Press

PRESENCES électronique 2013, veröffentlicht durch Ina GRM, 2013

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