Filmscreening: »Les marches du héros absurde« + »Sansissue«
Ein Filmstill aus dem Film Héros absurde von Edmund Kuppel zeigt zwei Mäner am Fuße einer Steintreppe im Freien, der eine links, der andere rechts auf der Treppe. Sie tragen Mützen und Fischereigerät. Sie fragen: "Tu penses qu'il nous filment vraiment?"
Weltpremiere. Mit anschließendem Gespräch mit dem Regisseur Edmund Kuppel
Sa, 06.11.2021, 19:00 Uhr CET
Kubus
Kosten: Eintritt frei

Drei Zeitalter, drei Künstler und drei verschiedene Erzählebenen: Edmund Kuppel hat mit »Les marches du héros absurde« und »Sansissue« zwei Kunstwerke geschaffen, die den Sisyphos des Homer und den Sisyphos des Albert Camus in einer Art Palimpsest dreier Perspektiven auflöst, die von der Absurdität der monotonen Suche auf dem Lebensweg erzählen.

Als Sisyphos seinen Felsen den steilen Hügel hinaufstemmte, um ihn kurz vor Erreichen des Gipfels wieder herunterrollen zu sehen, befindet er sich zum zweiten Mal in der Unterwelt – dieses Mal für immer, in der ewigen Endlosschleife seiner absurden Mühe gefangen. Edmund Kuppel greift dieses Motiv auf, entlang der existentialistischen Deutung Albert Camus', und drehte zwei Filme, die ebenso ihre Wege in scheinbar ewigen Schlaufen durch die Monotonie der Absurdität ziehen.

Edmund Kuppel gehört zu den bedeutendsten Pionieren der Medienkunst in Deutschland. Er beeinflusste weltweit die Pionierarbeit der Medienkünstler:innen der 1970er-Jahre, indem er Vorbild für eine kritische und reflektierte Auseinandersetzung mit den Mechanismen der Medien wurde.

Nach dem Filmscreening wird ein Gespräch mit dem Regisseur Edmund Kuppel stattfinden.

Links und rechts ragt jeweils ein bewaldeter Wels ins Bild. Zwischen teilen sich Meer und Himmel den Bildausschnitt. In der exakten Mitte des Bildes ist ein Spiegel an Drahtseilen aufgespannt, auf dem ein Mensch auf einer Steintreppe zu sehen ist.

Les marches du héros absurde

Nach dem Essai von Albert Camus. Ein Film von Edmund Kuppel

Zitate aus Camus »Le Mythe de Sisyphe« begleiten den immer wieder eine Treppe in der Steilküste des Ärmelkanals hinauf und hinab steigenden Filmemacher. Bei den Abstiegen ist er über einen mittig vor die Kamera montierten Spiegel zu sehen, wie er zwischen den Bergflanken scheinbar vom Himmel zum Meer herunter steigt. 

»In jedem dieser Augenblicke, in denen Sisyphos den höchsten Punkt hinter sich lässt und nach und nach in die Schlupfwinkel der Götter vordringt, ist er seinem Schicksal überlegen.«, behauptet Albert Camus und versichert: »Er ist stärker als sein Fels!« 

Camus hatte Sisyphos aufgrund seiner Leidenschaften wie auch seiner Qual zum absurden Helden erklärt. Das Feststellen der Absurdität des Lebens kann seiner Meinung nach kein Ende sein, sondern lediglich ein Anfang.

Edmund Kuppel zeigt gegen Ende des Films stellvertretend zwei Krabbenfischer, wie sie die Treppe hinaufsteigen und sich dabei über ihn und seinen Film unterhalten. Beide halten beides für absurd.

Video, Farbe, Ton, ca. 25 Min., Version 2018

Ein enormer Felsen füllt fast das ganze Bild aus. An seinem Fuß branden kräftig die Wellen, an seiner Spitze zieht sich wolkenloser Sommerhimmel.

Sansissue

Gefilmt mit extrem subjektiver Kamera versucht der Autor des Films dem Labyrinth von Tunneln, Höhlen und Grotten im »Château Sansissue« zu entkommen. Auch wenn es ihm gelingt von Zeit zu Zeit ans Licht zu gelangen, führt sein Weg immer wieder ins Dunkel. Von ihm selbst sind nur gelegentlich eine Hand oder ein Fuß, manchmal sein Schatten zu sehen. Wie mühselig er sich seinen Weg sucht, ist dagegen immer live zu hören. Im Off erinnert er sich an Kommentare und Ratschläge aus Büchern und seinem Bekanntenkreis. Es  entsteht ein filmisches Selbstportrait, ohne die Person zu Gesicht bekommen zu haben.

Ainsi chacun vit son château.

Video, Farbe, Ton, ca. 35 Min., 2021

Organisation / Institution
ZKM | Zentrum für Kunst und Medien Karlsruhe

Mitwirkende