The Performative Archive: William Forsythe und Peter Weibel im Gespräch
William Forsythe und Tänzer
Fr, 03.02.2023 18:00 Uhr CET, Künstlergespräch
Medientheater
Eintritt frei

Der Choreograf William Forsythe, der seit 50 Jahren durch visionäre Konzepte und Produktionen die Wahrnehmung der choreografischen Praxis beeinflusst, übergibt sein umfangreiches Archiv an das ZKM | Zentrum für Kunst und Medien Karlsruhe. Das ZKM lädt zu einem Gespräch mit William Forsythe und Peter Weibel über interdisziplinäre und alle Formate umfassende künstlerische Praktiken und die Bedeutung von Archiven.

William Forsythe (*1949, New York) ist seit über 50 Jahren als Choreograf tätig. Seine Werke sind dafür bekannt, die Praxis des Balletts aus der Identifikation mit dem klassischen Repertoire gelöst und zu einer dynamischen Kunstform des 21. Jahrhunderts transformiert zu haben. Forsythes tiefgreifendes Interesse an organisatorischen Grundprinzipien der Choreografie hat ihn dazu geführt, ein breites Spektrum von Projekten in den Bereichen Installation, Film und internetbasierte Wissensentwicklung zu realisieren. Peter Weibel (*1944, Odessa) verfolgt als Künstler und Kurator seit den 1960er-Jahren seine Idee einer Expansion der Künste, die nicht nur die Grenzen der künstlerischen Gattungen aufhebt, sondern auch das Verhältnis zwischen Künstler:in und Publikum neu definiert. 

Forsythe und Weibel, die sich seit ihrer gemeinsamen Zeit in Frankfurt in den 1990er-Jahren kennen, verbindet das Interesse an der Definition neuer Regeln, die bestehende Regeln wahrnehmbar und dadurch veränderbar machen – und die Freiheit, auch diese Regeln wieder zu brechen. Peter Weibel bezeichnet Forsythe und sich in diesem Sinne als „Code Breaker“. 

Im Gespräch diskutieren Weibel und Forsythe eine künstlerische Praxis, die Choreografie und Performance ebenso umfasst wie Musik, bildende Kunst und Poesie. Dabei wird es sowohl um die Bedeutung des Projekts »Improvisation Technologies. A Tool for the Analytical Dance Eye« für Forsythe und das ZKM gehen als auch um die Frage, welche Herausforderungen Medienarchive für Gedächtnisinstitutionen darstellen: Wie können Kunstinstitutionen auf die „performative Wende“ reagieren und welche Wirkung entfalten Archive heute nicht nur in der Wissenschaft, sondern auch in der künstlerischen Praxis?

Nach dem Gespräch sind Film- und Videoaufnahmen aus dem Werk William Forsythes seit den 1970er-Jahren zu sehen. Im Anschluss lädt das ZKM zu einem gemeinsamen Umtrunk und Get-together ein. 
 

Das Archiv

Das Archiv umfasst William Forsythes gesamte Schaffenszeit seit den 1970er-Jahren: von der Zeit am Stuttgarter Ballett ab 1976, am Ballett Frankfurt (1984–2004) und The Forsythe Company (2005–2015) bis zur Gegenwart, in der William Forsythe freischaffend tätig ist. Es enthält eine umfangreiche Sammlung archivarischer Videoaufnahmen von Proben, Vorstellungen und Installationen sowie Programmhefte, Poster, Kritiken, Fotos, Publikationen, Korrespondenzen, Auszeichnungen und weitere Unterlagen. Langfristig werden auch William Forsythes persönliche Produktionsnotizen hinzukommen.

Das William Forsythe-Archiv bereichert die Forschungsumgebung des ZKM | Archivs, das mit seinen ausgewählten Vor- und Nachlässen von Künstler:innen und Theoretiker:innen sowohl neue Erkenntnisse als auch die Vertiefung des Wissens der intermedialen Künste des 20. und 21. Jahrhunderts ermöglicht. Der langfristige Erhalt der wertvollen Videobestände des William Forsythe Archivs ist durch die ausgewiesene Expertise des ZKM im Bereich der audiovisuellen Medien sowie das ZKM | Labor für antiquierte Videosysteme gesichert.