Preisverleihung der Fördergesellschaft ZKM / HfG

Preisträger:innen der Hochschule für Gestaltung 2026

© Hochschule für Gestaltung Karlsruhe, Foto: Julian Lindner

Seit 1998 unterstützt die Fördergesellschaft Studierende der Hochschule für Gestaltung mit einer jährlichen Preisverleihung für herausragende Semester-, Magister- oder Diplomarbeiten in den Fächern Produktdesign, Medienkunst, Fotografie, Szenografie und Kommunikationsdesign sowie Kunstwissenschaft mit ansehnlichen Preisen, die die Fördergesellschaft und zahlreiche Unterstützer, wie die Schroff-Stiftungen, die Heinrich-Hertz-Gesellschaft, die Stadt Karlsruhe und auch private Stifter:innen finanzieren. Sie ermöglichen den Studierenden neben der Anerkennung ihrer Leistungen, ihre Projekte weiterzuführen und neue anzustoßen.

Die Jury der Fördergesellschaft vergibt 2026 Preise mit einem Gesamtvolumen von 8000€ im Namen der Fördergesellschaft. Außerdem werden Studierende von den Schroffstiftungen mit 5000€ und der Stadt Karlsruhe mit 1000€ unterstützt. Darüber hinaus wird noch ein Preis der Heinrich-Hertz-Gesellschaft von 2500€ im Rahmen des Rundganges vergeben.

Preiskategorien & Preisgewinner:innen 2025

  1. Anna Manankina: The Arbiter

    Preis der Fördergesellschaft

    3000 Euro

    The Arbiter (Projekt)

    In ihrem Projekt untersucht die HfG-Studentin Anna Manankina, wie der männliche Blick durch KI-Software reproduziert wird, wie Zensur und Sexualisierung in diesen Systemen koexistieren und wie sich die Vorstellung vom „großen Künstler“ sowohl im historischen als auch im zeitgenössischen Kontext hartnäckig hält.

    Bei der Recherche in der historischen Gemäldesammlung der Kunsthalle Mannheim konzentrierte sich Manankina auf Anselm Feuerbachs „Hafis vor der Schenke“ (1852), das den persischen Dichter Hafez zeigt, wie er neben zwei schweigenden, regungslosen Frauen seine Gedichte vorträgt. Ihre Regungslosigkeit wirft eine Frage auf: Welche Stimmen könnten diese Frauen offenbaren, wenn sie von ihrer erzwungenen Zuschauerrolle befreit wären?

    Das daraus entstandene Werk ist eine auf dem Gemälde basierende Zweikanal-Videoinstallation, die durch KI-Videogenerierung animiert und mit einer Live-Audioerzählung kombiniert wird, um die subjektiven Erfahrungen der Frauen nachzuempfinden. Theoretisch stützt sich das Projekt auf Valerie Solanas’ „S.C.U.M.-Manifest“ von 1967, einen Text voller unverfälschter Wut, der zu einer prägenden Kraft innerhalb des radikalen Feminismus wurde.

    Während der Produktion stieß Manankina auf die in generativen KI-Tools eingebauten Schutzmechanismen und Zensurmaßnahmen, was eine zentrale Frage aufwarf: Kann Mainstream-Gen-KI noch immer ein historisches Gemälde von sexuell expliziten Inhalten unterscheiden? In der Praxis ist dies oft nicht der Fall – wenn ein Gemälde mit auch nur einem subtilen Hinweis auf Nacktheit in das System eingespeist wird, neigen KI-Videogeneratoren dazu, es auf realistisch sexualisierte Weise darzustellen, um dann ihr eigenes Ergebnis als „schädlichen Inhalt“ zu kennzeichnen und zu blockieren.

    Für Manankina offenbart dies einen Algorithmus, der nicht nur inkonsistent ist, sondern von einer dystopischen, patriarchalischen Logik geprägt ist – ganz im Sinne männlicher Künstler des 19. Jahrhunderts, die den weiblichen Akt zur „großen Kunst“ erhoben, während sie die Rollen, die Frauen darin spielen durften, streng einschränkten. Das Projekt kommt zu dem Schluss, dass diese „Frameworks of Fiction“ nach wie vor die alltäglichen Werkzeuge bestimmen, die wir nutzen, und stillschweigend entscheiden, welche kulturelle Produktion erlaubt ist – und was gestrichen werden muss.

  2. Alejandra Miranda Janus: Layered Vision

    Preis der Fördergesellschaft

    3000 Euro

    Layered Vision (Projekt)

    Die Arbeit entstand im Seminar Frameworks of Fiction in Zusammenarbeit mit der Kunsthalle Mannheim. Ausgangspunkt des Seminars war die kritische Auseinandersetzung mit der Sammlung der Kunsthalle Mannheim, insbesondere mit historischen Gemälden und den Bildkonstruktionen, die sie repräsentieren. Die Studierenden konnten frei ein Werk aus der Sammlung als Ausgangspunkt ihrer eigenen künstlerischen Arbeit wählen. Thematisiert wurden unter anderem Die Erschießung Kaiser Maximilians, Der türkische Frauenraub sowie Anselm Feuerbachs Hafis an der Schenke, das den Ausgangspunkt dieser Arbeit bildet.

    Ausgehend von Feuerbachs Hafis an der Schenke werden die kolonialen Bildpolitiken und hierarchischen Konstruktionen des Gemäldes dekonstruiert.
    Figuren, die im Original gesichtslos bleiben oder lediglich als Staffage erscheinen, erhalten Individualität, ein Gesicht und Handlungsmacht. Durch ihre neue Anordnung entstehen Beziehungen, die von Empathie, Zärtlichkeit und gegenseitiger Fürsorge geprägt sind. Die zentrale Stellung des persischen Dichters Hafis wird zugunsten eines kollektiven Gefüges aufgelöst.
    Gleichzeitig richtet sich die Arbeit gegen die Vorstellung des Künstlers als herausragendes Einzelgenie, das losgelöst von seiner Gemeinschaft schöpft. Dieser Idee wird ein Verständnis künstlerischer Praxis gegenübergestellt, das Gemeinschaft, gegenseitiges Zuhören, Fürsorge und Zusammenarbeit als Grundlage kreativen Handelns begreift. Künstlerisches Schaffen erscheint nicht als isolierter Akt, sondern als Ergebnis sozialer Beziehungen und gemeinschaftlicher Prozesse.

    Die Rauminstallation besteht aus acht frei hängenden Leinentüchern, die mit verschiedenen Nähmaschinenstichen bearbeitet wurden. Mehrere Bildfragmente lösen die Figuren aus Feuerbachs ursprünglicher Komposition heraus und setzen sie in neue räumliche Beziehungen zueinander. Die hierarchische Bildordnung des Originals weicht einem offenen Geflecht aus Körpern, Blicken und Begegnungen.

    Die Materialität der Installation steht bewusst im Kontrast zur Tradition der Malerei. An die Stelle der fest auf einen rechteckigen Keilrahmen gespannten Leinwand treten frei hängende Stoffbahnen, die durch ihre Beweglichkeit eine skulpturale Qualität entwickeln. Die Naht ersetzt den Pinselstrich. Während die Vorzeichnung in der Malereitradition lediglich als vorbereitender Arbeitsschritt galt, wird die Linie hier selbst zum bildgebenden Element. Als verbindende Spur zwischen den Figuren macht sie Beziehungen sichtbar und tritt an die Stelle der malerischen Geste.

  3. Mia Ferrari: no wind, no word

    Preis der Fördergesellschaft

    2000 Euro

    no wind, no word (Diplom)

    Performance & Choreography: Sade Mamedova
    Sound Design: Lucia Böhm

    no wind no word ist eine zwölfminütige Mehrkanal-Video- und Soundinstallation. Die Arbeit untersucht die Wechselbeziehungen von Körper, Raum, Klang und Bild. Diese Elemente werden nicht als voneinander getrennte Medien verstanden, sondern als ein gemeinsames System, in dem sie sich gegenseitig beeinflussen. Intuition dient dabei als künstlerische Methode.

    Die Installation entstand in Zusammenarbeit mit der Tänzerin und Choreografin Sade Mamedova. Statt einer festgelegten Choreografie bildet ein klar definierter räumlicher und technischer Rahmen den Ausgangspunkt. Mehrere Kameras, Mikrofone und ein Geophon zeichnen dieselbe Situation auf. Die Technik dient dabei nicht nur der Dokumentation, sondern wird selbst zum Bestandteil der Arbeit und prägt die Wahrnehmung von Bewegung, Klang und Raum.

    Ausgangspunkt der Installation ist das Dach des Großen Studios der HfG Karlsruhe. Obwohl es sich im Zentrum des Gebäudes befindet, wirkt es verlassen und bleibt normalerweise unzugänglich. Die Architektur und Atmosphäre des Ortes beeinflussen die Performance und machen erfahrbar, wie stark räumliche Bedingungen Wahrnehmung und Handeln prägen.

    Der Klang besteht ausschließlich aus Aufnahmen der Performance: Atem, Schritte, Reibung, Resonanzen der Dachkonstruktion und Umgebungsgeräusche. Auf Musik und Sprache wird bewusst verzichtet. Die Atmung wird zum Taktgeber der Arbeit und verbindet Bewegung, Klang und Filmschnitt. Drei synchronisierte Projektionen zeigen denselben Moment aus unterschiedlichen Perspektiven. Erst im Zusammenspiel von Bild, Klang und der Bewegung der Besucher entsteht die Wahrnehmung der Installation. Es gibt keinen festen Blickpunkt und keine eindeutige Sicht auf das Geschehen.

    Die Performance entwickelt sich ausschließlich aus dem Zusammenspiel von Körper, Raum und Klang. Sie erzählt keine lineare Geschichte, sondern macht Zustände erfahrbar und eröffnet Assoziationen zu Erinnerung, Projektion und inneren Dialogen, ohne diese eindeutig festzulegen.

    no wind no word untersucht, wie Körper, Technologie und Architektur gemeinsam Wahrnehmung hervorbringen. Die Installation lädt dazu ein, Mehrdeutigkeit auszuhalten und Wahrnehmung als offenen Prozess zu erfahren. Zugleich bildet sie den Ausgangspunkt einer weiterführenden künstlerischen Forschung, in der das Zusammenspiel von Körper, Raum, Klang und Technologie in neuen räumlichen und performativen Situationen weiterentwickelt wird.

  4. Laura Waterstradt: Rote Saat

    Gunther-Schroff-Preis

    5000 Euro

    Rote Saat (Vordiplom)

    „Rote Saat“ ist eine installative Arbeit, die sich mit dem Verschwinden traditioneller Nutzpflanzen in Deutschland und der Bedeutung von Saatgutbanken als lebendige Archive auseinandersetzt. Ausgangspunkt ist die Beobachtung eines drastischen Rückgangs der Sortenvielfalt seit dem 20. Jahrhundert, bedingt durch industrielle Landwirtschaft, gesetzliche Regulierungen und die Konzentration auf wenige Hochleistungssorten. Viele regional angepasste Landsorten erfüllen heutige Zulassungskriterien nicht mehr und sind dadurch aus dem Anbau verschwunden.
    Die Arbeit nimmt diese Entwicklung zum Anlass, um Prozesse der Erhaltung, Weitergabe und Reaktivierung von Saatgut sichtbar und erfahrbar zu machen.

    Die Arbeit entstand im Kontext einer künstlerischen Recherche zu agrarökologischen Praktiken, Saatgutpolitik und kollektiven Formen der Wissensweitergabe. Ausgangspunkt war die Zusammenarbeit mit lokalen Initiativen in Karlsruhe, insbesondere der Solidarischen Landwirtschaft KArotte, dem Sozialen Garten (afka) sowie der Genbank für Wildpflanzen für Ernährung und Landwirtschaft.

  5. Lena Breitmoser: The Violent Container

    Preis der Heinrich-Hertz-Gesellschaft

    2500 Euro

    The Violent Container (Diplom)

    „The Violent Container“ konzentriert sich auf das kulturelle Phänomen des Käfigs und das Einsperren als Praxis, um Objekte oder Körper einzuschließen, zu kategorisieren, einzuschränken und sich anzueignen – sowie als Mittel, um sie zu sammeln, zu schätzen, zu bewahren und zu schützen. Das Projekt umfasst eine Ausstellung und eine Publikation, die die verschiedenen Eigenschaften und Funktionen der sich wandelnden Formen des Käfigs untersuchen und dabei erforschen, wie Käfige nicht nur die Verwaltung lebender oder toter Körper und Objekte ermöglichen, sondern auch die Art und Weise bestimmen, wie wir sie wahrnehmen.

    Ein Gehege, eine Gefängniszelle, eine Menagerie, eine Vitrine, eine Sammlung, eine Ausstellung, ein Grillenkäfig, ein Label. Die Publikation versammelt Fragmente relevanter Texte, materielle Beispiele und Begriffe rund um das Thema Käfig und Käfighaltung als kulturelle Praxis. Sie bietet zwar eine Analyse verschiedener Eigenschaften, Mechanismen und Protagonisten rund um den Käfig, ist aber eine subjektive Sammlung, die sich ihrer Unvollständigkeit bewusst ist. Wie die textuelle Übersetzung einer Patchwork-Decke verbindet sie Bruchstücke bereits vorhandener und neu in Auftrag gegebener Materialien und ist das Ergebnis einer polyphonen Autorschaft.
    Im Rahmen der Diplomausstellung diente das Handbuch als Referenzwerk, um sich im Raum zurechtzufinden und die Exponate zu interpretieren, indem es sie mit bestimmten Seiten oder Kapiteln der Sammlung verknüpfte. Druckerzeugnisse und Raum, Forschung und künstlerische Interpretationen waren eng miteinander verflochten.

    Die Ausstellung warf Fragen auf hinsichtlich der Zugänglichkeit, der Hierarchien innerhalb der vermittelten Begegnung rund um einen Käfig, der einschränkenden und gewalttätigen Handlung des Kategorisierens und Einordnens in einen vorinstallierten Behälter sowie der Zweckmäßigkeit eines Käfigs, sobald er seines Inhalts – seiner Mängel und Unzulänglichkeiten – beraubt ist. Die Ausstellung umfasste ein voyeuristisches Fenster, fotografische Störungen, eine Reading Station, einen Specimen Table und einen mechanischen Spectator.

    Der Ort war eine verlassene Produktionshalle für wissenschaftliche und medizinische Geräte, deren leere Strukturen seltsam spezifisch und gleichzeitig generisch waren. Dieses Generische der Käfigstrukturen ermöglichte eine Aktivierung durch die eingefügten Exponate: Während eine fiktive Schicht einer möglichen Vergangenheit und Nutzung gesponnen wurde, wurden Verbindungen zu anderen Orten, ähnlichen Käfigstrukturen und den entsprechenden Institutionen hergestellt.

  6. Christian Platz: Multiplizierte Objekte als Form von Selbstorganisation

    Hochschulpreis der Stadt Karlsruhe

    1000 Euro

    Multiplizierte Objekte als Form von Selbstorganisation (Magisterarbeit)

    Kunstpublikationen und Multiples (Auflagenobjekte) der 1960er Jahren weisen strukturelle und konzeptuelle Parallelen auf, die in dieser Arbeit als Ausdruck selbstorganisierter künstlerischer Praxis zu verstehen sind.

    Ausgehend von einer kritischen Auseinandersetzung mit dem etablierten Kunstsystem entstanden in dieser Zeit alternative Formate der Produktion und Distribution, die auf Vervielfältigung, Partizipation und Autonomie basierten. Anhand exemplarischer Fallbeispiele, darunter die intermedialen Publikationsobjekte "dokumentation b", die "Edition Et", die Zeitschriften "spirale" und "rot" sowie die Multiples der Edition "MAT" und die Serienobjekte der "Gruppe X", wird gezeigt, wie sich die entsprechenden Werkformen als kuratorische, serielle und partizipative Medien positionieren lassen.

    Die Arbeit kontextualisiert diese Formate sowohl medienästhetisch als auch kulturpolitisch und versteht sie als materielle Strategien der Selbstorganisation. Sie argumentiert, dass Kunstpublikationen und Multiples nicht nur als Ausdruck einer alternativen Öffentlichkeit fungierten, sondern mit ihnen auch frühe Modelle einer dezentralen künstlerischen Infrastruktur entwickelt wurden. Diese Betrachtung ermöglicht eine genealogische Neubewertung des Multiples, indem sie sich vom etablierten, auf Marcel Duchamp fixierten Diskursrahmen löst und eine weiter gefasste Perspektive eröffnet.

Jurymitglieder

Die Jury bestand aus Dr. Marlene Angermeyer-Deubner (Fördergesellschaft ZKM/HfG), Dr. Sebastian Baden (Schirn Kunsthalle Frankfurt), Dr. Anett Holzheid (ZKM), Prof. Dr. Inge Hinterwaldner (Freie Universität Bozen), Prof. Mischa Kuball (Kunsthochschule für Medien Köln) sowie Dr. Henning Rickmann (Fördergesellschaft ZKM/HfG).

Zu sehen ist ein Gruppenfoto der Jurymitglieder.
© Hochschule für Gestaltung Karlsruhe, Foto: Eisenhart Keimeyer

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