Live-Konzert @KAMUNA: Exoplanetary Fictions

Jiyoung (Chloe) Yoon x Başak Günak x Vardan Harutyunyan

Sa, 01.08.2026 20:30 Uhr CEST

© Ed Tadevossian, Goethe-Institut Armenien
Ort
Kubus
Kosten
KAMUNA-Ticket
Sprache
Englisch

Wie können wir unsere Perspektive wechseln, und die Erde als extraterrestrischen Planeten hören? Die Global Sonic Research Resident:in Jiyoung (Chloe) Yoon erforscht gemeinsam mit den Künstler:innen Vardan Harutyunyan und Başak Günak, wie wir über das menschliche Hören hinaus exoplanetare Dimensionen durch Sound erfahrbar machen.

Programmreihenfolge: Başak Günak (20 min.), Jiyoung (Chloe) Yoon (20 min.), Pause, Vardan Harutyunyan (30 min.)

Als Teil der KAMUNA im Klangdom des ZKM | Kubus verschmelzen drei residenzbasierte Forschungskontexte zu einer auditiven Expedition jenseits irdischer Klangwelten. Ausgehend vom Residenzprogramm "Global Sonic Research" des ZKM | Hertzlab in Kooperation mit Arts Council Korea (ARKO), dem European Center for the Arts HELLERAU sowie meteorologischen Daten von EUMETSAT, enthierarchisiert Jiyoung Yoon unser menschliches Hören. Welche Frequenzen nehmen wir noch wahr, wenn wir unseren Planeten verlassen? Menschliche Stimmen rücken in den Hintergrund und urbane Verkehrsgeräusche in den Vordergrund. Jiyoung befasst sich mit der Umkehr in der Hierarchie unserer Klangwahrnehmung und stellt die Durchschlagskraft von Frequenzen in den Vordergrund.

Gleichzeitig erweitert die transkulturelle Forschung "Stellar Frequencies" initiiert vom Goethe-Institut Armenien in Kooperation mit dem ZKM | Hertzlab diesen kosmischen Resonanzraum um eine geopolitisch und historisch verankerte Perspektive. Vardan Harutyunyan und Başak Günak, beide Residenzstipendiat:innen des ZKM | Hertzlab, spannen im Klangdom einen Bogen zwischen den Ruinen des armenischen Weltraumzentrums "Aragats" – einst peripherer Schauplatz sowjetischer Raumfahrtambitionen und SETI-Forschung – und zeitgenössischen Theorien des Planetarischen. Die Verfallsstrukturen von Aragats, Zeugen eines imperial gesteuerten "Space Race", fungieren dabei als klangliches Erinnerungsarchiv, das Fragen nach Verantwortung, technologischer Machbarkeit und postkolonialer Zukunftsschreibung in den Raum stellt. Im Dialog mit dem MARS!-Projekt des ZKM | Hertzlab entfalten sich ihre Arbeiten zu einer auditiven Kartographie, die sowjetische Raumfahrtgeschichte mit aktueller Klimadatenforschung und den spektralen Eigenschaften marsianischer Atmosphären verbindet.

Werke

  1. Başak Günak

    On Rewilding: Rust

    „Rewilding ist Başak Günaks fortlaufendes künstlerisches Forschungsprojekt zum gleichnamigen ökologischen Konzept – einer experimentellen Form des Naturschutzes, die darauf abzielt, menschliche Kontrolle zurückzunehmen, und die Frage nach Ursprung und Zukunft von Ökosystemen stellt. Günaks Arbeit nähert sich diesem Thema aus einer kompositorischen Perspektive und versucht, Methoden des Rewilding durch den Klang selbst zu finden. 

    In der Performance „On Rewilding: Rust“ richtet Günak diese Perspektive auf den Mars und lässt sich dabei von Ansätzen inspirieren, die Umwelt des Planeten zu bewahren. Das Stück ist fiktional an einem Marstag, dem 26. November 1971, angesiedelt, dem Tag vor dem Absturz der sowjetischen Sonde Mars 2 auf der Marsoberfläche, die damit zum ersten von Menschen geschaffenen Objekt auf diesem Himmelskörper wurde.

    Die Performance bezieht ihre Inspiration aus einer Publikation des Mikrobiologen und Astrobiologen C. Cockell und  G. Horneck, ein Vorschlag zur Verhinderung ökologischer Schäden auf dem Mars.

     

    Elektronik, EMS Synthi A, akustische Instrumente, Feldaufnahmen, Stimme, Metallplatten, Transducer

  2. Jiyoung Yoon

    Distant Earth: A Planetary Choir

    Distant Earth: A Planetary Choir stellt sich die Erde als einen fernen Exoplaneten vor und hört ihr von außen zu, anstatt sie aus einer menschenzentrierten Perspektive von innen heraus zu erfahren. Das Werk verwebt menschliche Stimmen, Tierlaute, Umweltvibrationen, elektromagnetische Signale, technologische Geräusche, synthetische/KI-generierte Stimmen, immersive 3D-Aufnahmen sowie vertonte Klänge, die aus EUMETSATs satellitengestützten Erdbeobachtungsdaten abgeleitet wurden, zu einem unvollständigen und fluiden planetaren Chor. Diese Klänge sind weder nach kultureller Bedeutung noch nach menschlicher Vertrautheit geordnet, und sie werden nicht in Zentrum und Peripherie unterteilt. Stattdessen erhalten sie durch ihre physikalischen Eigenschaften, ihre Signaldichte, ihr Distanzempfinden und ihre räumliche Ausdehnung unterschiedliche Umlaufbahnen und Gewichtungen, während die menschliche Stimme als ein Signal innerhalb einer planetaren Klangökologie neu positioniert wird. Durch die räumliche Komposition treiben diese heterogenen Klänge durch den Hörraum, stoßen aufeinander und treten in Resonanz. So wird die Erde nicht als festes Zuhause wahrgenommen, sondern als ein fremdartiger, lebendiger Körper, der fortwährend Signale aussendet. Aus dieser distanzierten Perspektive wird das Vertraute fremd, und das Zuhören wird zu einer Möglichkeit, die verflochtenen Stimmen von Menschen, Nicht-Menschen, Maschinen, Daten und des Planeten selbst wahrzunehmen.

  3. Vardan Harutyunyan

    In hindsight

    Diese elektroakustische Performance beschäftigt sich mit dem Konzept der Latenz bei der Informationsverarbeitung. Zeit spielt eine entscheidende Rolle dabei, wie wir Situationen wahrnehmen; sie ist die Grundlage unseres Schaffens und prägt unsere Denkprozesse. Je nach unserer Wahrnehmung von Zeit gehen wir unterschiedlich mit gegebenen Realitäten um.

    Während der Performance wird der Raumklang aufgezeichnet und mit einer Latenz von 30 Sekunden bis 1 Minute verarbeitet. Er wird durch Resonatoren und Frequenzverschiebungsgeräte harmonisiert. Technisch gesehen besteht das Werk aus dem Umgebungsgeräusch, das jedoch hyperkristallisiert und als resonante Schwingungen wahrgenommen wird, welche der Situation im Raum geometrische Präzision verleihen und darauf abzielen, die aktive Aufmerksamkeit auf den Ablauf der Ereignisse zu lenken.

    Diese Arbeit ist analytisch, steht aber gleichzeitig unter dem Einfluss von Zazen; sie bewegt sich zwischen Konzentration und Auflösung. Sie soll im Gleichgewichtspunkt zwischen Zentrum und Peripherie ruhen – zwischen dem Punkt intensiver Schwerkraft und dem Punkt der Entropie.

Partner

Die Dialoge, die dieser Abend zwischen akademischen Institutionen, Kulturorganisationen und Forschungsinfrastrukturen evoziert, verdanken sich einem komplexen Geflecht aus kollaborativem Wissenstransfer und geteilten Forschungsvisionen. Das ZKM | Hertzlab positioniert sich mit der "Global Sonic Research Residency" als europäisches Zentrum für räumliche Audiotechnologie und künstlerische Forschung exoplanetarer Stimmen. Arts Council Korea (ARKO) als koreanische Kunstförderinstitution ermöglicht den kritisch-reflexiven Austausch zwischen asiatischer und europäischer Avantgarde, während das European Center for the Arts HELLERAU seine Expertise in der performativen Raumforschung einbringt. EUMETSAT stellt den Künstler:innen Echtzeit-Wetterdaten zur Verfügung, welche die Integration atmosphärischer Phänomene in das kompositorische Material erlauben. Das Goethe-Institut Armenien initiiert und begleitet mit "Stellar Frequencies" den Austausch zwischen internationalen Künstler:innen, lokalen Forschungseinrichtungen und kulturellen Akteur:innen. Durch Residenzen, Forschungskooperationen und die Einbindung lokaler Perspektiven verbindet das Institut künstlerische Praxis mit den historischen und gesellschaftlichen Dimensionen der armenischen Raumfahrtgeschichte.

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