Hildur Ingveldardóttir Guðnadóttir

Feminale der Musik

Foto der Komponistin Hildur Guðnadóttir

Hildur Guðnadóttir entzieht sich einer Etikettierung und ignoriert traditionelle Gattungsgrenzen. Seit Jahren experimentiert sie mit der computergestützten Bearbeitung von Celloklängen und neuen Spieltechniken. Wenn KritikerInnen sich dennoch zu einer Kategorisierung hinreißen lassen, verorten sie ihre Musik »[...] irgendwo zwischen Arvo Pärt, Brian Eno und Drone-Metal.«

Die Komponistin wird am 4. September 1982 in Reykjavik, Island geboren. Heute lebt und arbeitet sie in Berlin. Mit fünf Jahren beginnt Hildur Guðnadóttir Cello zu spielen. Später studiert sie Cello, Elektroakustik und Komposition und Neue Medien an der Kunstakademie Islands und der Universität der Künste Berlin. Nach ihrem Aufenthalt in Berlin geht sie zunächst zurück nach Island, um sich dort in der jüngeren Kunst- und Musikszene zu engagieren. Hier ist sie in verschiedenen Projekten aktiv, beispielsweise spielt sie in den Bands Múm und Angel. Des Weiteren betreibt sie zusammen mit Jóhann Jóhannsson »Kitchen Motors« eine Fusion aus Label, Think Tank und KünstlerInnenkollektiv. 2007 bringt sie unter dem Namen »Lost in Hildurness« ihr Debütalbum »Mount A« auf dem isländischen Label 12tónar heraus, 2009 folgt das zweite Album »Without Sinking« sowie »Leyfðu Ljósinu« (2012) und »Saman« (2014) auf dem britischen Label Touch. Mittlerweile steht sie bei Deutsche Grammophone exklusiv unter Vertrag.

Seit 2011 ist sie auch als Komponistin für verschiedene Film- und Fernsehproduktionen tätig. Besonders hervorzuheben sind hierbei die Soundtracks für Sicario 2 (Originaltitel Sicario: Day of the Soldado) und Joker sowie für die HBO-Serie Chernobyl. Für Chernobyl erhielt sie 2019 den Emmy und den Grammy in der Kategorie »Bester komponierter Soundtrack für visuelle Medien«, womit sie die bisher einzige einzelne Frau ist, welche in dieser Kategorie ausgezeichnet wurde. Für die Filmmusik von Chernobyl ging Guðnadóttir in ein litauisches Atomkraftwerk, um dort Geräusche und Klänge aufzunehmen, welche sie später verarbeitete. Sie selbst nennt dies »faktenbasierte Musik«.

Die Musik für Joker wurde bei den Academy Awards 2020 für die »Beste Filmmusik« mit einem Oscar gewürdigt, welcher seit 20 Jahren an keine Frau mehr verliehen wurde. Bei den Golden Globes wurde sie in der Sparte »Beste Originalmusik (Film)« ausgezeichnet. Somit ist sie die erste Frau, die einen Golden Globe gewann, seit Einführung der Kategorie 1947.

Musikstücke

Composition for halldorophone#5, veröffentlicht, konzipiert und editiert durch Halldor Ulfarsson: Komponiert und live gespielt von Hildur Guðnadóttir bei der FAIR Residenz in Kopenhagen 2009, kuratiert von Stine Hebert, gefilmt in Fabrikken für Kunst og Design sowie Frederiksborg; Sophia Olson (Kinematographie), Sylvester Holm (live Tonaufnahme)

Unveiled, veröffentlicht durch und komponiert von Hildur Guðnadóttir aus dem Album »Without Sinking«. KünstlerInnen: Hildur Guðnadóttir, Skuli Sverrisson, Guðni Franzson, 2009 Touch, unter exklusiver Lizenz der Deutschen Grammophon GmbH, Berlin

Bridge Of Death (aus dem Soundtrack der TV-Serie »Chernobyl«), veröffentlicht durch und komponiert von Hildur Guðnadóttir, 2019 HBO, unter exklusiver Lizenz der Deutschen Grammophon GmbH, Berlin

Call Me Joker, veröffentlicht durch WaterTower Music aus dem Originalsoundtrack von »Joker«

Gespräch

Die »Tschernobyl«-Komponistin schuf eine eindringliche Partitur aus echten Kraftwerksklängen veröffentlicht durch Epicleff Media: Hildur Guðnadóttir erklärt ihren einzigartigen Prozess, die gesamte Partitur der HBO-Miniserie aus Klängen zu erstellen, die sie und ihr Team in einem echten Kraftwerk in Litauen aufgenommen haben.

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Mo, 06.04.2020 – Fr, 01.05.2020

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