Ursula Neugebauer
Tour en l'air
1998
- Künstler:in / Künstlergruppe
- Ursula Neugebauer
- Titel
- Tour en l'air
- Jahr
- 1998
- Kategorie
- Installation
- Material / Technik
- 7 rote Taftkleider, modifizierte Dekobüsten, Elektromotoren, Digitalsteuerung
- Maße / Dauer
- 280 x 700 x 1100 cm
- Sammlung
- ZKM | Zentrum für Kunst und Medien Karlsruhe
- Beschreibung
- Die Künstlerin Ursula Neugebauer studierte von 1981–1991 Bildende Künste an der Kunstakademie Münster und wurde indes von Timm Ulrichs zu seiner Meisterschülerin gewählt. Seit 2003 lehrt sie selbst als Professorin für Bildende Künste an der Universität der Künste in Berlin. Ihre Arbeit »Tour en l’air« steht in namentlicher Analogie zu einer Tanzfigur des klassischen Balletts. Bei diesem Ballettsprung, welcher im Kontrast zu ihrem Werk gemeinhin von Männern durchgeführt wird, vollenden die Tänzer ein bis drei Drehungen in der Luft, bevor sie (wieder) auf dem Boden aufsetzen. Diese schwerelos, leicht anmutende Bewegung wird von Ursula Neugebauer für ihre Rauminstallation adaptiert. Die Arbeit besteht aus 7 Dekobüsten, welche von der Decke herab, an Elektromotoren hängen und mit roten Taftkleidern gewandet sind. Die etwas mehr als ein Meter langen Kleider beginnen nacheinander, sich in einem vorgegebenen Intervall um die eigene Achse zu drehen. Dies geschieht mittels Motoren deren Bewegungsabläufe von einem Computer programmiert wurden. Dabei beginnt die Bewegung zuerst in einem gemäßigten Tempo und wird dann graduell schneller, sodass das Rockteil in wenigen Sekunden durch die Umdrehungen hinauf zur Büste gezogen wird. Erst wenn das Kleid sich in seiner maximalen Bewegung befindet, läuft ein weiterer Motor an, damit das nächste Kleid sich in den Tanz dazu begeben kann. Nachdem sich alle Kleider in luftige Höhe gedreht haben, gibt es einen Augenblick später, einen eruptiven Stopp und die Röcke schweben wieder langsam zu Boden. Dort ruht die kinetische Installation für eine Weile, bevor sich das erste Kleid von Neuem zu drehen beginnt. Ursula Neugebauer gelingt es mit ihrem Werk, leblose Materialien in einen lebendigen Tanz zu verwandeln. Ihr Spiel mit der Schwerkraft lädt dazu ein, sich in Träumereien zu verlieren und die Grenzen der Realität verschwimmen zu lassen.
Autor:in
Lara
Mainzer