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Zu sehen ist das »Ensemble Experimental«.
Ein Konzert des Ensemble Experimental
Fr, 25.11.2022 20:00 Uhr CET - 22:00 Uhr CET, Konzert

Zwei Fixpunkte bestimmen dieses Konzert des Ensemble Experimental unter der Leitung von Detlef Heusinger: Natur und Technik. Die Veranstaltung findet im Rahmen des Giga-Hertz-Preises 2022 statt.

Ein idyllisch anmutendes Waldvideo von Uli Aumüller setzt die unberührte Landschaft als Ausgangspunkt für den Verlauf des Abends. Als direkten Kontrast dazu präsentiert das Ensemble Experimental Luigi Nonos Werk »La fabbrica illuminata«, das die ungezügelte Unterwerfung der Natur und des Menschen durch lebensfeindliche Technik problematisiert.

Den Prozess der Entfremdung thematisiert auch Brice Pauset mit seinem neuesten Werk »Après une lecture de Marx (I. Accumulation)«. In seinen frühen Schriften hatte Karl Marx die Gegensätze von ‚Natur‘ und ‚Technik‘ zugunsten eines utopischen Idylls aufgehoben: Anstatt entfremdeter Arbeit nachzugehen, sollte der befreite Mensch jeden Tag zugleich als Sammler, Jäger und Kritiker tätig sein können.

Auch drei weitere Werke wollen Gegensätze überwinden: In Huihui Chengs »The Tides Soul« singt die ausführende Cellistin, als stünde sie von allen Zwängen befreit im Wald. Anthony Tans Premiere »Pose VII« lässt die Flötistin virtuos der Elektronik hinterherjagen. Und Ying Wangs »Black Hole, Big Bang« reflektiert, visuell untermalt durch Arbeiten des Kollektivs Music&Arts ReSound (M.A.R.S Festival, Los Angeles), die Endlichkeit und Vergänglichkeit allen Lebens.

Programm

Brice Pauset »Après une lecture de Marx (I. Accumulation)«, (2018 – 22), für Flöten, Klarinetten, Kontrabasstuba, Percussion, Piano, Violine, Viola, Violoncello, Kontrabass und Elektronik, 22’ (Uraufführung)

Anthony Tan »Pose VII«, (2021), für Flöte & Elektronik, 12‘ (Uraufführung)

Ying Wang »Black Hole, Big Bang!«, (2018), für Sopran, Flöte, Klarinette, Posaune, Keyboards, Violoncello, Tape & Visual Arts, 14’

Pause

Luigi Nono »La fabbrica illuminata«, (1964), für Sopran & Tonband, 15’

Huihui Cheng »The Tides Soul«, (2021), für eine singende Cellistin & Elektronik, 11‘

Detlef Heusinger »Abzweige«, (2013 – 14), für Flöte, Oboe, Fagott, Percussion, Piano, 2 Violinen, Viola, Violoncello, Kontrabass & Zuspielband, 14’

Musiker:innen (Ensemble Experimental)

Marysol Schalit (Sopran)
Maruta Staravoitava (Flöte)
Alexander Ott (Oboe)
Andrea Nagy (Klarinette)
Hanno Dönneweg (Fagott)
Andrew Digby (Posaune)
Pascal Pons (Percussion)
Rei Nakamura (Piano & Synthesizer)
Konrad Elias-Trostmann (Violine)
Adam Woodward (Violine)
Sophie Wahlmüller (Viola)
Esther Saladin (Violoncello)
Rebecca Lawrence, EMA (Kontrabass)

Ensemble Experimental

Das 2011 in Zusammenhang mit der Kompositions-Akademie matrix des SWR Experimentalstudio gegründete Ensemble Experimental (ENEX) ist dem Experimentalstudio angegliedert und versteht sich als Solist:innenensemble für Musik mit Live-Elektronik. Das international besetzte Ensemble möchte durch Studien und intensive Proben den besonderen Aufführungsbedingungen dieses Genres gerecht werden und so beispielhafte Konzerte und Aufnahmen realisieren.

Die Mitglieder sind als Solist:innen dem Experimentalstudio zum Teil seit etlichen Jahren verbunden und wirken oft bei der Entstehung der Werke im Studio mit. Neben regelmäßigen Auftritten bei matrix und im Rahmen der Reihe »Jetzt Musik« (ehemals »ars nova«) gastiert und gastierte das Ensemble bei Festivals und Konzertreihen in Österreich, Slowenien, Norwegen, den Niederlanden, Brasilien, Polen und der Schweiz. Künstlerischer Leiter und Dirigent ist Detlef Heusinger.