Nam June Paik

?+?=?? [Research on Communication]

1999

Künstler:in / Künstlergruppe
Nam June Paik
Titel
?+?=?? [Research on Communication]
Jahr
1999
Kategorie
Druckgrafik
Sammlung
ZKM | Zentrum für Kunst und Medien Karlsruhe
Beschreibung
Nam June Paik (1932 Seoul, Südkorea – 2006 Florida, USA) gilt als einer der bedeutendsten Wegbereiter der Videokunst. Bereits in den 1960erJahren begann er mit neuen Medien zu experimentieren und entwickelte mit Werken wie »TV Cello« (1971) oder »TV Buddha« (1974) eine neuartige und bis heute einflussreiche gestalterische Sprache. Mit seinen Arbeiten prägte er die Verschränkung von Kunst, Musik, Technologie und Performance maßgeblich. Auf spielerische und oft auch humorvolle Weise hinterfragte Paik die Beziehung zwischen Mensch und TV, Religion und Technik, zwischen Alltag und Bildschirm. Dabei verstand er Technik nie isoliert, sondern vielmehr als integralen Bestandteil eines kulturellen, biologischen und geistigen Gesamtsystems. Seine Werke werfen dabei Fragen auf, die die Betrachter:innen zum inneren Zwiegespräch einladen und eigene Deutungen zulassen.  Paiks Œuvre ist vielfältig: Es reicht von frühen Tonbandcollagen über TV-Installationen bis hin zu konzeptuell angelegten Grafiken, Roboterskulpturen und satellitengestützten Medienprojekten. Immer wieder griff er bestimmte Motive auf, die er in seinen Werken variantenreich umsetzte und in neue Kontexte setzte. In seiner Druckgrafik reduziert Nam June Paik das komplexe Thema Kommunikation auf eine schlichte, grafische Gleichung. Was auf den ersten Blick wie eine simple Rechenaufgabe erscheint, offenbart sich bei genauerem Hinsehen als tiefgreifende Reflexion über zwischenmenschliche Prozesse wie Verständnis, Perspektive und menschliche Verbindung. Die zwei Fragezeichen sind stellvertretend für Unsicherheit, Zweifel und Fragen die in einer jeden menschlichen Beziehung auftreten. Addiert man sie, kann daraus weder Verständnis noch Klarheit entstehen sondern lediglich eine Verdopplung der Unsicherheit. Doch Paik schlägt für die Betrachter:innen einen Perspektivenwechsel vor: Wird eines der Fragezeichen vertikal gespiegelt, kommt es zur maßgebenden Änderung des Ergebnisses. Eine neue Form entsteht – die eines stilisierten Herzens. So wird aus einem Symbol der Unsicherheit ein Zeichen für Empathie gesetzt. Diese ‚Gleichung des Herzens‘ lässt sich als künstlerisches Plädoyer für Offenheit, Perspektivenvielfalt und Toleranz verstehen. Gelingende Kommunikation beginnt dort, wo wir bereit sind, unsere Unsicherheit zu hinterfragen, sie aus einer anderen Perspektive zu betrachten und damit das Fragezeichen zu spiegeln, sie beginnt dort, wo wir aufeinander zugehen.

Autor:in

Lara
Mainzer

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