GLOBALE: Bodenlos – Vilém Flusser und die Künste
Poster
15.08.2015 – 18.10.2015

»Synthetische Bilder sind eine Antwort auf Auschwitz. [We Shall Survive in the Memory of Others.]«1, behauptete Vilém Flusser (1920–1991) energisch in einem Interview kurz vor seinem Tod. Nur in der Passage durch die radikale Abstraktion sei eine neue Konkretisierung und damit neues spannendes Leben vorstellbar: Damit beginne die Nachgeschichte. Offensiv nahm Flusser die Herausforderung an, die Künste noch einmal neu zu denken im Angesicht der Tatsache, dass unsere Existenz im Wesentlichen von Technik bestimmt wird. Die Methoden der Naturwissenschaft mit einer neuen Auffassung von Kultur zu verkoppeln ist das Anliegen seiner besonderen Anthropologie.

Flussers Denken und Schreiben war ein permanentes Experiment des (Über-)Lebens in der Diaspora. Als Neunzehnjähriger floh der Prager vor den anrückenden Nazis über England nach Brasilien, wo er dreißig Jahre lang lebte. Während der Militärdiktatur kehrte er zurück nach Europa, lebte in Provinzen Italiens, in der Schweiz sowie fast 20 Jahre lang in Frankreich. Ende der 1980er-Jahre wurde er zum Star der Medientheorie in Europa und trat als solcher häufig in den akademischen Foren und Arenen Deutschlands auf. Auf Wanderschaft, ohne Disziplin und unzeitgemäß in einem doppelten Sinn: In der Art eines minimalen Parcours lädt die Ausstellung dazu ein, die Bewegung der flüchtigen Existenz Vilém Flussers als ein Modell für jene Gewalt des Zusammenhangs vorzustellen, den wir das 20. Jahrhundert nennen. Der unwirklich gewordenen Vergangenheit begegnete Flusser mit einer verstärkten Antizipation dessen, was den Beginn des 21. Jahrhunderts ausmacht – vermittels der Künste und seines Schreibens.

Vom 19. November 2015 bis 10. Januar 2016 wird die Ausstellung in der Akademie der Künste in Berlin zu sehen sein.

1 Vilém Flusser, DVD und Booklet, 2014, S. 35; übersetzt aus dem Englischen
Foto: Fred Forest, »L'irruption du techno-imaginaire«, Filmstill, 1977 / © Fred Forest
 

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ZKM | Karlsruhe

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