Michael Bielicky

Michael Bielicky
Geburtsjahr, Ort
1954, Prag, Tschechische Republik
lebt und arbeitet in
Karlsruhe, Deutschland
Rolle am ZKM
Gastkünstler/in, Künstler/in der Sammlung
Institut / Abteilung
Institut für Bildmedien
Biografie

»Perpetuum Mobile« hieß 1986 eine der ersten in Düsseldorf entstandenen Videoarbeiten von Michael Bielicky. Bielicky hat sich wortwörtlich von Technikschub zu Technikschub, von Stop-Motion über U-matic, Time Base Correction mit DOC hin zu GPS, Internet und Echtzeitdaten unermüdlich immer wieder neu erfunden und parallel zum Verfeinerungsprozess der Technik durch die Industrie, die ästhetischen Fehler im Geist der Maschine provoziert und dokumentiert. Seit 2005 entwickelt Bielicky gemeinsam mit Kamila B. Rchter webbasierte, oft interaktive Projekte, bei denen Echtzeitdaten aus dem Netz das Narrativ steuern. Animierte Geschichten werden von Börsendaten, Nachrichten, Twitter etc., oft auf eine absurde Art und Weise, beeinflusst und gesteuert  - zuletzt u.a. in Lost Objects, Nationaltheater Prag (2015) und Lost, Apollonia, Strasbourg (2016). Im ersten Quartal 2017 ging die Einzelausstellung LOST am Centro de Arte Contemporáneo Wifredo Lam in Havana, Cuba nach Verlängerung zu Ende.

Seit 2006 ist Michael Bielicky Professor des Fachbereichs Digitale Medien an der Staatlichen Hochschule für Gestaltung Karlsruhe.

Von 1995 bis 1996 war Michael Bielicky wissenschaftlicher Berater für Kultur- und Technologie für den Europarat in Straßburg. 1996 der Mitbegründer des Institute of Unstable Thoughts in Kiev, Ukraine. 1997 Kooperation mit dem High Tech Center Babelsberg in Potsdam. Mitte der 1990er beginnt er mit der Entwicklung von interaktiven Installationen und Performances, 1999–2000 dann die Forschung an einem Prototypen eines interaktives 360° Environments (Delvaux’s Dream) am ZKM. 1999 bis 2001 entwickelt er hier auch das Virtual Set Project. Seit 2002 Mitarbeit an der Etablierung der ersten Neue Medien Abteilung an der Chiang Mai Universität in Nordthailand.

Bielicky kehrt 1991 bis 2006 nach Prag zurück um die Neue Medien Abteilung der Akademie der Bildenden Künste Prag (AVU) zu etablieren. Neben seiner Position an der AVU arbeitete er eng mit dem Goethe Institut Prag zusammen und organisiert Anfang der 1990er mehrere Symposien zum ebenfalls in Prag geborenen Vilém Flusser, dem berühmten Philosophen und Fotografie-Theoretiker, dem er auch im experimentellen Dokumentarfilm Flussers Fluss (1990) kurz vor dessen Tod (1991) ein Denkmal setzt.  Seit 1991 enger Vertrauter und Berater des Soros Center for the Arts (SCCA).

Nach der Kindheit in Prag lebt Michael Bielicky ab 1969 in der Bundesrepublik Deutschland. Von 1975 bis 1978 studierte er Medizin an der Heinrich Heine Universität in Düsseldorf. Zwischen 1975 und 1978 längere Aufenthalte in den USA, fotografiert Architektur und Personen. 1980/81 lebt er in New York und experimentiert mit Fotografie und arbeitet Teilzeit als Droschkenkutscher, einer intensiven Zeit in der auch das meiste dokumentarische Fotografie- und Filmmaterial entsteht, das sich (teils bearbeitet) in seinem späteren Hauptwerk wiederfindet. 1981 Rückkehr nach Deutschland sowie Teilzeit-Fotograf für das Monochrom Magazin von 1981-1984. 1984 bis 1987 studierte er an der Kunstakademie Düsseldorf, zunächst bei Bernd Becher und wird 1987 Meisterschüler von Nam June Paik, dessen Assistent er nach dem Abschluss bis 1989 blieb.

Ausstellungen

1986
Ave Experimental, Arnheim, Niederlande
Folkwang Video I, Museum Folkwang, Essen, Deutschland

1990
Discover European Video, Anthology Film Archives, New York, USA

1991
Montevideo Gallery, Amsterdam, Niederlande (solo)
Images of the Future, Cité des Arts Nouvelles Téchnologies, Montreal, Kanada
Multimediale 2, ZKM, Karlsruhe, Deutschland

1992
Die Welt von Innen – Endo & Nano, Ars Electronica Festival, Linz, Österreich
Committed Visions, MoMA, New York, USA

1994
Intelligente Ambiente, Ars Electronica Festival, Linz, Österreich

1995
LAB5. International exhibition of film, photography, video, and computer art, Center for Contemporary Art – Schloss Ujazdowski, Warschau, Polen
Mythos Information. EXODUS, Ars Electronica Festival, Linz, Österreich

1999
Delvaux’s Dream, ein interaktives Gemälde, ZKM Karlsruhe, Deutschland

2000
Der Name, Nationalgalerie Prag, Prag, Tschechische Republik
Room with a View, eine permanente, interaktive 360°-Installation (in Kooperation mit dem ZKM, Karlsruhe, Deutschland), Autostadt Wolfsburg, Wolfsburg, Deutschland

2003
Falling Stars, Fassaden-Videoprojektion, Rosa-Luxemburg-Platz, Berlin, Deutschland

2005
This Year in Jerusalem, telematische Installation am Jüdischen Museum in Prag – Robert Guttmann Gallery, Prag, Tschechische Republik (solo)

2008
Welcome to Capitalism!, DOX - Centre for contemporary art, Prag, Tschechische Republik
Mostra SESC de Arte, São Paulo, Brasil - Bienal Internacional de Arte Contemporáneo de Sevilla, Spanien

2009
RECORD > AGAIN! - 40jahrevideokunst.de - Teil 2, Kunsthaus Dresden, Dresden, Deutschland
Notation, ZKM, Karlsruhe, Deutschland

2011
Garden of Error and Decay, Botschaft  der Tschechischen Republik, Berlin, Deutschland (solo)
Biennale Moskau, Moskau, Russland
Global Contemporary, ZKM, Karlsruhe, Deutschland
Declining Democracy, Palazzo Strozzi, Florenz, Italien
Tracing Home, SIGGRAPH, Vancouver, Kanada

2012
11th Havana Biennial - La Bienal de La Habana, Havana, Kuba

2013
Garden of Error and Decay, Art Center Nabi, Seoul, Korea
WAGNER Extase, Telegrafenamt, Wien, Österreich

2014
Über das Morgen hinaus, Qudriennale Düsseldorf, IMAI, Deutschland

2015
GLOBALE, ZKM, Karlsruhe, Deutschland
Lost Objects, Scaenefrons Projektion, Nationaltheater Prag, Prag, Tschechische Republik

2016
Lost, Apollonia Échanges Artistiques Européens, Strasbourg, Frankreich (solo)

2017
Lost, Centro de Arte Contemporáneo Wifredo Lam, Havana, Cuba (solo)
Flashhouse, LED Fassadeninstallation, ENBW-City, Stuttgart, Deutschland
LichtSicht 6, Gradierwerk-Projektion, Projektionsbiennale, Bad Rothenfelde, Deutschland
Open Codes, ZKM, Karlsruhe, Deutschland