Peter Weibel
Geburtsjahr, Ort
Todesjahr, Ort
Rolle am ZKM
- Künstler:in der Sammlung
1999–2023
Institut / Abteilung
- Direktion
Biografie
Peter Weibel wurde 1944 in Odessa geboren. Er studierte Literatur, Medizin, Logik, Philosophie und Film in Paris und Wien. Durch seine vielfältigen Aktivitäten als Künstler, Kurator, Theoretiker und als Nomade zwischen Kunst und Wissenschaft galt er als eine zentrale Figur der europäischen Medienkunst.
Seit 1984 war er Professor an der Universität für angewandte Kunst Wien, von 1984 bis 1989 Professor für Video und Digitale Kunst am Center for Media Study der State University of New York in Buffalo. 1989 gründete er das Institut für Neue Medien an der Städelschule in Frankfurt am Main, das er bis 1995 leitete. Von 2009 bis 2012 war er Gastprofessor an der University of New South Wales in Sydney, Australien.
Von 1986 bis 1995 war Peter Weibel künstlerischer Leiter der Ars Electronica in Linz, von 1993 bis 1999 Österreichs Kommissär der Biennale von Venedig. Von 1993 bis 2011 war er Chefkurator der Neuen Galerie Graz. 2008 war er künstlerischer Leiter der Biennale von Sevilla (BIACS3), 2011 künstlerischer Direktor der 4. Moskau Biennale für zeitgenössische Kunst. 2015 kuratierte er »lichtsicht 5«, die Projektions-Biennale in Bad Rothenfelde.
Von 1999 bis 2023 war Peter Weibel Vorstand des ZKM | Zentrum für Kunst und Medien Karlsruhe. Am 1. März 2023 verstarb er nach kurzer schwerer Krankheit im Alter von 78 Jahren in Karlsruhe.
Künstlerisches Werk
Peter Weibel war in den 1960er Jahren wesentlich an drei Avantgarde-Bewegungen beteiligt: an der Entwicklung der visuellen Poesie, des Wiener Formalfilms und des Wiener Aktionismus, wofür er den Begriff prägte. Ab Mitte der 1960er Jahre entwickelte er eine eigenständige Erweiterung der Filmform durch Filmaktionen und Filminstallationen. Gleichzeitig entstand eine Reihe konzeptueller Foto- und Spracharbeiten.
1969 entstanden seine ersten Videos. Mit seinen körper- und medienzentrierten Performances erregte er in den späten 1960er Jahren große Aufmerksamkeit. In seinen Medienarbeiten verband er Sprachkritik mit Gesellschaftskritik und versuchte, mit Hilfe der Medien die Grenzen des Körpers zu überschreiten und die Wirklichkeit zu erweitern.
In den 1970er Jahren realisierte er parallel zu einem umfangreichen Werk aus Videobändern, Videoinstallationen, Videoperformances und Avantgarde-Filmen gemeinsam mit VALIE EXPORT die Spielfilme Unsichtbare Gegner (1976–1977) und Menschenfrauen (1980).
Bereits 1974 publizierte Peter Weibel Studien zur Automatentheorie und gehörte damit zu den wenigen Medienkünstlern, die früh auf das digitale Zeitalter vorbereitet waren. Nach zahlreichen Lehrtätigkeiten sowie der Teilnahme an internationalen Medienfestivals wurde er 1984 als Nachfolger von Hollis Frampton an das Digital Arts Laboratory des Department of Media Study der State University of New York at Buffalo berufen, wo er bis 1989 unterrichtete.
Seit den 1980er Jahren arbeitete Weibel verstärkt mit digitalen Medien. In dieser Zeit entstanden mehrere Medienopern, darunter Der künstliche Wille (1984) und Stimmen aus dem Innenraum (1988), sowie sein videografisches Hauptwerk Gesänge des Pluriversums (1986–1988), eine Narration der Technotransformation der Welt seit 1800 mit den Mitteln audiovisueller Spezialeffekte.
Archiv und Sammlung am ZKM
2023 übernahm das ZKM | Zentrum für Kunst und Medien Karlsruhe ein umfangreiches Konvolut von Kunstwerken und Archivalien Peter Weibels für die Sammlung des Hauses. Der Ankauf umfasst zentrale Werke aus den Jahren 1968 bis 1993 sowie große Teile seines Archivs mit Fotografien, Manuskripten, Zeichnungen, Videos, Filmen und Tonaufzeichnungen aus mehreren Jahrzehnten.
Der Ankauf wurde ermöglicht durch die Unterstützung der Elke und Wolfgang Kuentzle Stiftung sowie durch Ankaufsmittel des Landes Baden-Württemberg, der Stadt Karlsruhe und des ZKM.
Auszeichnungen und Ehrungen
2007 wurde Peter Weibel die Ehrendoktorwürde der University of Art and Design Helsinki verliehen, 2013 jene der Universität Pécs in Ungarn. 2008 erhielt er das französische Ehrenzeichen Officier dans l’Ordre des Arts et des Lettres, 2009 den Europäischen Kultur-Projektpreis der Europäischen Kulturstiftung. Im selben Jahr wurde er zum ordentlichen Mitglied der Bayerischen Akademie der Schönen Künste München gewählt. 2010 erhielt er das Österreichische Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst I. Klasse.
Seit 2013 war Peter Weibel ordentliches Mitglied der Europäischen Akademie der Wissenschaften und Künste in Salzburg. 2014 erhielt er den Oskar-Kokoschka-Preis, 2017 den Österreichischen Kunstpreis für Medienkunst und 2020 den Lovis-Corinth-Preis. Seit 2015 war er Ehrenmitglied der Russischen Kunstakademie in Moskau.